Fove Gaze Analyzer: Neue Software für Eye-Tracking in VR

Fove Gaze Analyzer: Neue Software für Eye-Tracking in VR

Die Software „FOVE Gaze Analyzer“ soll Augenbewegungen in VR-Brillen mit Eye-Tracking akkurat messen und umfangreich auswerten können.

Seit rund sechs Jahren befasst sich das japanische Start-up Fove mit Eye-Tracking in VR-Brillen. Mit Fove Zero brachte es 2017 die erste PC-VR-Brille mit integriertem Eye-Tracking-System auf den Markt.

Danach passierte lange nichts, aber jetzt scheint der Motor wieder anzuspringen: Erst kürzlich stellte Fove die „Fove Virtual Reality Plattform 1.0“ vor, die das Eye-Tracking-System in Fove 0 ausreizen soll. Jetzt stellt es die Eye-Tracking-Analysesoftware Gaze Analyzer vor.

Keine Programmierung: Fove Gaze Analyzer soll Eye-Tracking erleichtern

Mit dem Fove Gaze Analyzer will Fove das Augen-Tracking mit der eigenen Fove 0-Brille und kompatiblen VR-Brillen erleichtern. Entwickler:innen müssten Eye-Tracking nicht mehr wie bislang aufwendig über die Unity-Engine oder das Fove SDK initialisieren.

Stattdessen läuft der Gaze Analyzer als fertige Eye-Tracking-Software auf dem PC, sobald die kompatible VR-Brille mit dem Rechner verbunden ist. Dass Eye-Tracking keinen zusätzlichen Entwicklungsaufwand mehr erfordert, erleichtert laut Fove vielen Institutionen oder Unternehmen den Zugang zu entsprechenden Analysen.

Ein Computer-Interface mit einem gefilmten Augenpaar und einer Heatmap, die zeigt, wo die Augen hinblicken.

Blick auf das Interface des Fove Gaze Analyzer. | Bild: Fove

Der Gaze Analyzer verwendet den von Fove entwickelten Eye-Tracking-Algorithmus, der laut Fove seit rund fünf Jahren kontinuierlich verbessert wird und mittlerweile ein „ausgeklügeltes Netzwerk aus miteinander verbundenen Modulen“ verwendet.

Mehr als 50 Tracking-Elemente stecken laut Fove in dem Algorithmus, der neben der reinen Blickrichtung auch Informationen über die Pupillen, die Iris, die Hornhaut, den Gesamtumriss des Auges und den Augapfel ausgibt. Er kann zum Beispiel auch Augenkrankheiten diagnostizieren.

„Die Augen sind ein außerordentlich nützliches Fenster ins Gehirn. Die Reaktionen der Augen, sowohl freiwillig als auch unfreiwillig, enthalten wichtige Marker, die uns helfen können, das Gehirn zu verstehen“, schreibt das Unternehmen.

Eye-Tracking für Marketing und Forschung

Der Einsatz von Eye-Tracking ist insbesondere bei Tests zur Werbewirksamkeit oder in der Wahrnehmungsforschung verbreitet. Der Fove Gaze Analyzer bietet hier verschiedene Auswertungsmodi und einen CSV-Export aller gesammelten Daten.

Bei der Heat Map werden Stellen innerhalb eines Videos oder Bildes markiert, die besonders intensiv angesehen werden, etwa bestimmte Produkte in einem Supermarktregal. Gaze Plot hält dazu passend die Blickfolge fest. Das funktioniert laut Fove auch in 3D-Räumen und mit mehreren Nutzer:innen gleichzeitig, um etwa Blickvergleiche zwischen Gruppen vorzunehmen.

Drei Arten der Blickauswertung mit einer Beschreibung.

Der Gaze Analyzer achtet etwa auf die Blickintensität und -reihenfolge. | Bild: Fove

Bei der Hardware bietet Fove weiter das gewohnte Line-up an: Die auf Eye-Tracking-Forschung optimierte VR-Brille Fove 0 wird seit circa Anfang 2017 ausgeliefert. Neu-VR ist eine Kombination aus der Fove 0 mit einem Gehirn-Interface, das zusätzlich neuronale elektrische Signale aufzeichnet.

Mit Fove 480 ist eine neue Version der Fove 0 mit einem schnelleren Eye-Tracking-System von bis zu 480 Hz in Arbeit. Bei dieser Geschwindigkeit kann das System laut Fove sogenannte Mikrosakkaden erfassen. Das sind unbewusste, rasche Augenbewegungen, die dafür sorgen, dass einfallendes Licht auf der Netzhaut verschoben wird. Das Auge hat pro Sekunde eine bis drei dieser Mikrosakkaden, sie sind die Grundlage visueller Wahrnehmung.

Eye-Tracking auf dem Weg zum Standard-VR-Feature

Preise für die Fove-Brillen und den Gaze Analyzer sind nicht öffentlich verfügbar und hängen laut Fove vom gewählten Paket und Service ab. Fove 0 schwankte in den letzten Jahren bei Preisen zwischen 1.500 und 3.500 US-Dollar. Welche VR-Brillen neben Fove 0 derzeit mit der Software kompatibel sind, schreibt das Unternehmen ebenfalls nicht. Wer Interesse am Gaze Analyzer oder Fove 480 hat, muss sich direkt bei Fove melden für ein individuelles Angebot.

Eye-Tracking-Alternativen zu Fove 0 sind HPs VR-Brille Reverb G2 OmniceptHTCs Vive Pro Eye oder die Highend-VR-Brille StarVR. Mit Lynx R-1 steht außerdem eine vielversprechende neue VR-AR-Brille mit Eye-Tracking in den Startlöchern.

Gerüchteweise stellt Facebook bald Quest Pro (Controller Leak) vor, eine umfangreiche Sensorvariante der Quest-Brille mit integriertem Augen- und Gesichtstracking. Sonys kommende Playstation VR 2 (alle Infos) könnte ebenfalls ein Eye-Tracking-System integriert haben, da die Technologie beim Gaming signifikante Vorteile verspricht wie etwa leistungssparende Renderverfahren und Blicksteuerung.

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