Googles XR-Friedhof wächst um eine Plattform-Leiche

Googles XR-Friedhof wächst um eine Plattform-Leiche
Update: 03.12.2020

Bei Twitter liefert Google-Ingenieur Rajan Patel eine Begründung für Polys schnelles Ende nach: Der beste Platz für offenen 3D-Content sei das Web.

Daher habe Google in Tools wie Model Viewer investiert und arbeite daran, die Google Suche mit ARCore / ARKit zusammenzuführen, damit Nutzer 3D-Inhalte leichter entdecken können – vergleichbar mit Fotos und Grafiken in der Google Bildersuche.

Ursprünglicher Artikel vom 2. Dezember 2020:

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Google macht mit Poly Schluss.

Google stellt die 3D-Modell-Datenbank Poly zum 30. Juni 2021 ein. Ab dann ist die Webseite nicht mehr erreichbar und alle Schnittstellen werden deaktiviert. 3D-Modelle können nur mehr bis zum 30. April 2021 hochgeladen werden.

Der 30. Juni 2021 ist auch der Stichtag für alle, die ihre 3D-Modelle nicht zusammen mit Poly untergehen lassen wollen: Die gesamte Bibliothek an eigenen Inhalten kann über diesen Link heruntergeladen werden.

Was ist Google Poly und warum schien es wichtig?

Google startete Poly im November 2017. Über Poly können 3D-Objekte hochgeladen, geteilt und direkt im VR- oder AR-Modus betrachtet werden. Mit dem Aufkommen von VR- und AR-Brillen und speziell der Web-VR-Technik schien es dem Tech-Konzern eine sinnvolle Sache zu sein, die 3D-isierung des Internets von Anfang an mit einer eigenen Plattform zu begleiten.

Google integrierte Poly außerdem direkt in die eigenen Virtual-Reality-Kreativ-Apps Tilt Brush und Google Blocks, sodass 3D-Inhalte unmittelbar aus den Anwendungen zur Plattform hochgeladen werden können.

Ziel hinter Poly und den angeschlossenen VR-Apps sei es, so Googles XR-Chef Clay Bavor beim Start der Plattform, dass 3D-Kreation und -Distribution einfach und für jedermann möglich wird. Das Poly-Team nennt keinen Grund für das eigene Ende und bedankt sich für das Interesse und die Unterstützung.

Sketchfab hat freie Bahn

3D-Enthusiasten bleibt als erfolgreiche Alternative die 3D-Plattform Sketchfab: Skechtfab-CEO Alban Denoyel erklärt Polys Scheitern mit dem fehlenden Community-Engagement seitens Google – und pocht weiter darauf, dass uns eine Ära für ein neues 3D-Ökosystem bevorsteht. Denoyel zeigte kürzlich, wie 3D-Kreation mit dem neuen iPhone 3D-Scanner gelingen kann.

Schon vor Poly stellte Google die eigene Daydream VR-Initiative ein sowie eine XR-Lern-App für Schulen, investiert aber weiter in Augmented Reality in der Google Suche und in Google Maps.

Retro-Podcast-Hinweis: In Folge #64 des (damals noch) VRODO-Podcasts glaubten wir, dass Google mit Poly einen Plan haben könnte. Viel Spaß.

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