Der VR-Standard OpenXR könnte sich auf Oculus’ Hardware-Politik im eigenen Store auswirken – muss es aber nicht.

Oculus testet die Integration der Open-Source-Programmierschnittstelle OpenXR in der eigenen Beta-Umgebung. OpenXR funktioniert als generelle VR-Schnittstelle über alle VR-Brillen hinweg: Eine Oculus-Rift- oder Quest-App würde so ohne weitere Anpassungen beispielsweise auch mit Valve Index (Tests) oder Vive Cosmos (Tests) laufen. Derzeit müssen VR-Entwickler noch für verschiedene Schnittstellen optimieren, was zusätzlichen Aufwand bedeutet.

Die finalen Spezifikationen stellte die Arbeitsgruppe OpenXR Ende Juli vor. In der Gruppe engagieren sich Vertreter der meisten relevanten XR-Unternehmen wie Oculus, Valve, HTC, Microsoft, Nvidia, Google und Intel. Das Ziel ist die gemeinschaftliche Entwicklung eines offenen Standards für Virtual und Augmented Reality, der der Fragmentierung des Marktes entgegenwirkt.

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OpenXR erleichtert die Programmierung für unterschiedliche VR-Brillen durch Standardisierung der Schnittstellen. Bild: OpenXR

Laufen zukünftig andere VR-Brillen im Oculus Store?

Sollte sich OpenXR als Standard etablieren und auf der Oculus-Plattform angeboten werden, so würde zumindest rein technisch betrachtet nichts dagegensprechen, dass in Zukunft auch Besitzer anderer VR-Brillen im Oculus Store Apps einkaufen können.

Das ist freilich nur der Blick durch die Technikbrille. Wirtschaftlich könnte es für Oculus Sinn ergeben, den Oculus Store trotz OpenXR-Unterstützung weiter exklusiv nur den eigenen Hardware-Kunden zugänglich zu machen. Weniger, um kurzfristig mehr VR-Brillen zu verkaufen, sondern um langfristig ähnlich wie Apple die gesamte Wertschöpfungskette zu kontrollieren.

Hardware oder Software oder beides – Facebook hat sich wohl noch nicht entschieden

Facebook-Chef Mark Zuckerberg jedenfalls legte 2015 den Fokus auf Nutzerwachstum und daraus resultierende Geschäftsmodelle zu Daten, Inhalten und Werbung. Im Optimalfall könne Hardware wie bei Apple eines Tages ein wichtiger Umsatztreiber werden, das Primärziel war das damals allerdings nicht.

Mehr VR-Brillen im Oculus Store hätten zwar ein schnelleres Wachstum der Plattform zur Folge – und würden so auf Zuckerbergs Ziel einzahlen – allerdings ist der Markt insgesamt noch so klein und volatil, dass es für Facebook beinahe unmöglich ist, schon jetzt die richtige strategische Entscheidung zu treffen. Den eigenen Store vorerst nicht für Konkurrenzbrillen zu öffnen, ist leichter, als ihn zu öffnen und dann wieder zu schließen.

In der Vergangenheit betonte Oculus, dass der eigene Store in Zukunft mehr VR-Brillen als die eigenen unterstützen soll. Allerdings äußerte sich Facebooks XR-Abteilung schon länger nicht mehr zum Thema. Womöglich bringt OpenXR jetzt wieder Bewegung in die Sache.

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