Ich wurde von Ubisoft nach Düsseldorf eingeladen, um deren erste VR-Arcade-Erfahrung auszuprobieren. Ob die Reise ins alte Ägypten Spaß macht, erfahrt ihr in meinem Test.

Ubisoft ist eines der wenigen großen Entwicklerstudios, das in Virtual Reality investiert: Man denke an so unterschiedliche wie hochwertige VR-Spiele wie Eagle Flight , Star Trek: Bridge Crew, Transference und zuletzt Space Junkies.

Mit “Escape the Lost Pyramid” wagt sich Ubisoft an ein neues Genre, den “Escape Room”. Und es versucht, die Zielgruppe der VR-Arcade-Besucher zu erreichen: Ubisoft lizenziert Escape the Lost Pyramid an VR-Spielhallenbetreiber, für Heim-VR gibt es die VR-Erfahrung nicht.

Die Idee zu einem VR-Escape-Room-Titel hatte ein internes Ubisoft-Team. Es entwickelte einen Prototyp, der die Geschäftsleitung überzeugte. In das Universum von Assassin’s Creed Origins wurde die Arcade-Erfahrung erst später eingebettet, weil der Schauplatz gut passte.

Die 3D-Modelle und Texturen wurden dabei nicht einfach übernommen: Ubisofts Team gestaltete Escape the Lost Pyramid von Grund auf für Virtual Reality. Das merkt man der VR-Erfahrung an: Die Grafik ist toll und detailliert.

Willkommen im antiken Ägypten. BILD: Ubisoft

Nicht für Highend-Arcades gedacht

Escape the Lost Pyramid wurde für zwei bis vier VR-Spieler entwickelt. Der Schwierigkeitsgrad passt sich der Spielerzahl an: Vier Spieler sind daher nicht unbedingt schneller durch als zwei. Ich habe mich für den Test mit meinem Bruder ins VR-Abenteuer gestürzt.

Leider durfte ich keine Fotos der Installation machen, daher beschreibe ich sie kurz: Nach dem Empfang ging es in einen zweckmäßigen Raum, in dem bereits mehrere PCs samt Vive Pro auf separaten Trackingflächen bereitstanden.

Richtig: Zwar kann man sich in VR gegenseitig als Avatar sehen und miteinander sprechen, aber gespielt wird dennoch in getrennten Bereichen. Mit Highend-Arcades wie The Void, in denen man gemeinsam in einem lagerhallengroßen Spielbereich herumläuft, hat Escape the Lost Pyramid daher nichts gemein. Auch Haptikeffekte, Simulation von Temperaturen oder Wind und Ganzkörpererfassung gibt es nicht.

Bewegungen der Arme und Beine werden stattdessen per Inversivkinematik simuliert: Eine Computersoftware berechnet anhand der Handhaltung die Position von Unter- und Oberarm. Das funktioniert nicht immer perfekt und führt teilweise zu seltsamen Verrenkungen der Gliedmaßen, was den Spielspaß aber nicht weiter trübt.

Ubisoft hat sich bei der Grafik Mühe gegeben: Sie bietet viele Details. BILD: Ubisoft

Auf Hochglanz poliert

Weil der reale Spielbereich begrenzt ist und virtuell große Hallen zu durchqueren sind, setzt die VR-Erfahrung auf Teleportation.

Die könnte VR-Anfänger überfordern. Zum Beispiel dann, wenn sie an die Grenze der Trackingfläche gelangen und erst ein oder zwei Schritte zurücktreten müssen, um wieder frei gehen und teleportieren zu können. Dieses Prinzip muss man erst mal verinnerlichen, wenn man selten oder noch nie eine VR-Brille auf dem Kopf hatte.

Über den Inhalt der VR-Erfahrung will ich an dieser Stelle wenig verraten, um Überraschungen nicht zu verderben. Nur so viel: Sie bietet hauptsächlich Kletterpassagen, die an Cryteks The Climb erinnern, und Bogenschießen. Diese VR-Spielmechaniken sind für Neulinge spannend, alte VR-Hasen kennen sie auswendig. Einige innovative Spielelemente haben uns dann doch noch überrascht.

Leider war der Spaß schon nach 26 Minuten vorbei. Allerdings sind wir recht zügig durch die VR-Welt gewandert. Unbedarfte Spieler und Laien dürften mehr Zeit in der Virtual Reality verbringen wollen, um die tolle Atmosphäre zu genießen. Ubisoft gibt eine durchschnittliche Spielzeit von 45 bis 60 Minuten pro Sitzung an.

Wer die Welt von Assassin’s Creed mag, wird sich in Escape The Lost Pyramid wohlfühlen. BILD: Ubisoft

Fazit: Toll für VR-Einsteiger und Fans von Assassin’s Creed

Escape the Lost Pyramid ist ein auf Hochglanz poliertes VR-Erlebnis, bei dem man an jeder Ecke merkt, dass talentierte Entwickler involviert waren. Vor allem VR-Neulinge werden Freude an der VR-Erfahrung haben.

Besonders zu empfehlen ist die Arcade-Erfahrung Fans von Assassin’s Creed Origins. Escape the Lost Pyramid bietet die einzigartige Möglichkeit, einmal ganz und gar in das historische Szenario des Videospiels einzutauchen.

VR-Veteranen, zu denen ich mich zähle, dürften hingegen etwas enttäuscht sein: Escape the Lost Pyramid bietet keine großen spielerischen Innovationen und ist schnell vorbei. Ubisoft empfiehlt VR-Arcades einen Preis von 30 Euro pro Kopf und Sitzung. Für Fans der Serie und VR-Einsteiger könnte sich der Trip ins alte Ägypten lohnen, mir wäre er für diesen Preis zu teuer.

Eine Karte mit Standorten, an denen man Escape the Lost Pyramid spielen kann, findet man auf der offiziellen Internetseite.

Im MIXED.de Podcast #131 schildere ich meine Eindrücke der VR-Arcade-Erfahrung ab Minute 7:47 (siehe unten).

Übrigens: Diese Woche startete Ubisofts zweite VR-Arcade-Erfahrung Beyond Medusa’s Gate an über hundert Standorten in den USA und Europa. Das VR-Erlebnis führt Spielhallenbesucher ins antike Griechenland aus Assassin’s Creed Odyssey. Mehr Informationen und eine Karte mit verfügbaren Standorten findet man auf der offiziellen Internetseite.

Titelbild: Ubisoft

Mehr erfahren über VR-Arcades:


MIXED-Podcast #146: Zero-Latency-Test, XR-Brillen und Sonys VR-Strategie | Alle Folgen


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