Das finnische Startup Varjo stellt Highend-VR-Geräte für Unternehmen und professionelle Anwender her. In einem Interview wirft der CEO Niko Eiden einen Blick in die Zukunft.

Das Alleinstellungsmerkmal der Varjo-Brillen ist ein äußerst scharfes Bild in der Mitte des Sichtfelds. Ermöglicht wird es durch ein hochauflösendes Mikrodisplay (siehe Test der Varjo VR-1).

Die neuesten Geräte des finnischen Herstellers sind die VR-2 und VR-2 Pro (Test) und die XR-1. Die VR-2 Pro hat im Gegensatz zur Standard-VR-2 ein optisches Handtrackingmodul des Herstellers Ultraleap verbaut (siehe Test der Varjo VR-2 Pro).

Die XR-1 basiert auf der Erstlingsbrille VR-1, besitzt jedoch zwei Kameras, die die Umgebung filmen und in Echtzeit auf die Displays streamen. Hier kann das Abbild der physischen Welt um digitale Elemente erweitert werden. So wird das Gerät zu einer Mixed-Reality-Brille.

Auf der CES 2020 präsentierte das Unternehmen jüngst die Software Varjo Workspace für die XR-1, die einen Mixed-Reality-Arbeitsplatz ermöglicht.

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Varjos VR-Brille bieten ein hochauflösendes Mikrodisplay, allerdings nur in der Bildmitte. BILD: Varjo

Varjos nächstes Ziel: Mittelgroße Unternehmen erreichen

Die Highend-Technik hat ihren Preis: Die VR-2 kostet 5.000 Euro, die VR-2 Pro 6.000 Euro und die XR-1 10.000 Euro. Hinzu kommen Kosten für proprietäre Software und Kundensupport. Das macht die Varjo-Brillen zu den teuersten Geräten auf dem VR-Markt, selbst im hochpreisigen B2B-Segment.

In einem Interview mit Road to VR sagt Varjo-CEO Niko Eiden, dass man die VR-Brillen in Zukunft günstiger anbieten wolle. So günstig, dass sich Angestellte für ganz spezielle Nutzungsszenarien trauen würden, ihren Arbeitgeber um ein Varjo-Gerät zu bitten.

Bislang hätte Varjo nur sehr reiche Unternehmen wie Volve, Audi und Siemens als Kunden. Varjo wolle nun, wenn möglich, auch mittelgroße Unternehmen erreichen. Eiden sagte nicht, wann die Preise fallen könnten und welche Preisspanne er erwartet.

Die Profi-Brille Varjo XR-1 bekommt ein Interface, die XR-Arbeitsumgebung "Varjo Workspace".

So sieht Varjos Vision eines Mixed-Reality-Arbeitsplatzes aus. BILD: Varjo.

Dritte Investionsrunde in Vorbereitung

Varjo beschäftigt 150 Mitarbeiter, wovon die eine Hälfte an der Hardware und die andere Hälfte an der Software arbeitet, sagt Eiden.

Das 2016 gegründete Unternehmen erhielt in zwei Investitionsrunden knapp 46 Millionen US-Dollar und laut Eiden soll demnächst noch mehr Kapital fließen. Die Rede ist von zusätzlichen 55 bis 110 Millionen US-Dollar. Die Gespräche sollen bereits laufen. Kommt die Runde zustande, dürfte Varjo zu einem der bestfinanzierten VR-Startups überhaupt werden.

Doch wie geht es danach weiter? Varjo plant laut Eiden kein eigenes Ökosystem mit digitalem Store wie Oculus und Steam. Das Unternehmen will stattdessen weiter Hardware verkaufen.

Die langfristige Zukunftsvision, das, was Varjo von anderen VR-Unternehmen und -Produkten unterscheiden soll, sei das Konzept eines Mixed-Reality-Arbeitsplatzes, in dem physische und virtuelle Welt miteinander verschmelzen.

Dies ist allerdings auch das Ziel von Facebooks XR-Forschungsleiter Michael Abrash.

Titelbild: Varjo, Quelle: Road to VR

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