Rettet ausgerechnet Microsoft VR ins Streaming-Zeitalter?

Seit Google mit dem Game-Streaming-Service Stadia im März an die Spieleöffentlichkeit trat, scheint klar: In der Zukunft werden Spiele nicht mehr lokal berechnet, sondern aus der Cloud gestreamt. Google glaubt das offensichtlich, Microsoft und Sony auch und Nintendo hat das neue Vertriebsmodell ebenso im Blick.

Das nur langsam erblühende VR-Pflänzchen könnte Game-Streaming direkt wieder zertrampeln, da die Latenzen bei der Internetübertragung deutlich höher sind als beim lokalen Gaming. Die Werte liegen weit jenseits der 20 Millisekundenverzögerung, die bei VR als Goldstandard gelten.

100 Millisekunden Verzögerung, wenn man einen Knopf drückt, ist eine Sache. 100 Millisekunden Verzögerung, wenn man seinen Kopf bewegt, eine ganz andere.

Wenn Games in ein paar Jahren jedoch nur mehr gestreamt statt installiert werden, dann würde VR Stand jetzt rein technisch betrachtet nicht mehr funktionieren – zumindest nicht in der Kombination mit Cloud-Zuspielern.

Microsoft zur Rettung?

VR-Spielen droht also ein Streaming-Dilemma. Es sei denn natürlich, es gäbe eine Methode, die Latenzen beim Game-Streaming drastisch zu verringern.

Da wäre einerseits das XR-Allheilmittel 5G, das VR-taugliches Game-Streaming mit geringer Latenz ermöglichen könnte. Aber die technische Entwicklung, Verbreitung und Kosten sind noch nicht absehbar.

Andererseits bietet ausgerechnet Microsoft womöglich einen Zwischenschritt, der das Latenzproblem durch eine lokale Helfer-Hardware beseitigen oder wenigstens reduzieren könnte. Ausgerechnet Microsoft, weil sich der Konzern in den letzten Monaten still und heimlich vom VR-Markt distanzierte.

Streaming-Box soll Latenz reduzieren

Der Microsoft-Nachrichtendienst Thurrott berichtet, dass der Konzern an einer Streaming-Box arbeitet, die den Game-Stream mit lokaler Datenverarbeitung unterstützen soll.

Das Spiel soll lokal auf der Box als auch in der Azure-Cloud parallel laufen und laut Thurrotts Quellen “vernäht” werden. Speziell bei der Controllereingabe, Bildverarbeitung und Kollisionserkennung soll die zusätzliche Streaming-Box die Latenz geringhalten. Für VR wären das die drei besonders kritischen Bereiche.

Ähnlich wie Google Chromecast soll die Streaming-Box via Plug-and-Play an Bildschirme angeschlossen werden können. Da in dem Gerät aber für eine Streaming-Box viel Hardware verbaut sein wird, soll sie teurer sein – wenn auch nicht so teuer wie eine komplette Next-Gen-Konsole.

Titelbild: Microsoft, Quelle: Thurrott.com

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