Pico Neo 3 Pro Test: B2B-VR-Brille zieht teilweise mit Quest 2 gleich

Pico Neo 3 Pro Test: B2B-VR-Brille zieht teilweise mit Quest 2 gleich
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10.06.2022

  • Allgemeine Überarbeitung
  • DisplayPort-Kabellösung funktionierte im neuerlichen Test
  • Datenschutzrisiko durch Pico-Übernahme durch Bytedance (TikTok) thematisiert
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Pico Neo 3 Pro ist in erster Linie eine VR-Brille für Unternehmen. Wie gut ist die B2B-Brille und ist sie auch privat zu gebrauchen?

Der VR-Markt wird derzeit von der Quest 2 beherrscht – zumindest was den Konsumentenmarkt angeht. Im Businessbereich kommt das Gerät nicht gut an: Einerseits können sich Vorgesetzte in Unternehmen vor Lachen kaum halten, wenn ihnen ein Facebook-Gerät mit Kameras vorgeschlagen wird. Auf der anderen Seite hat die Business-Version der Quest 2 neben deutlich höheren Kosten keinen Zugang zu Quest Store oder App Lab. Das grenzt Demo-Nutzungen stark ein.

HTC hat mit der Vive Focus 3 eine Business-VR-Brille im Portfolio, die aber satte 1.400 Euro kostet. Eine gute Gelegenheit für den chinesischen VR-Brillen-Hersteller Pico, sich im B2B-Bereich noch weiter zu etablieren?

Ich habe die Pico Neo 3 Pro getestet. Wie schlägt sich die neue VR-Brille? Ist sie auch für Privatanwender:innen eine Lösung? Wie gut ist die WiFi-6-Wireless-Lösung für VR-Streaming, wie gut funktioniert das DisplayPort-Kabel-System?

Pico Neo 3 Pro Test in aller Kürze

Pico Neo 3 Pro ist derzeit die Lösung für Virtual Reality im Business: Schnell eingerichtet, intuitiver Zugriff auf eigene Dateien und Apps, keine Anmeldung nötig (außer für den Pico App Store), ausgezeichnetes Bild und endlich auch gute VR-Controller.

Pico hat sich sehr an der Oculus/Meta Quest 2 orientiert: Das Tracking ist einwandfrei, Bildklarheit und Sweetspot hervorragend und der Augenabstand kann in drei Stufen eingestellt werden.

Die native VR-Übertragung des Bildsignals über DP-Kabel funktioniert gut (wenn man es technisch zum Laufen bringt), das Wireless-Streaming lief nur bei geringer Datenübertragung einwandfrei. Nutzer:innen müssen dabei deutliche Einbußen in der Bildqualität hinnehmen. Der Store-Inhalt ist zudem nicht wirklich interessant – für den Privatgebrauch ist Pico Neo 3 Pro deshalb derzeit nicht zu empfehlen. Dafür hat Pico die Pico Neo 3 Link auf den Markt gebracht, die mit der Neo 3 Pro fast identisch ist.

Die Pico Neo 3 Pro ist für euch geeignet, wenn …

  • ihr VR im Business schnell und einfach einsetzen und
  • eine mit Quest 2 vergleichbare VR-Brille sucht,
  • eine bezahlbare Alternative auch für kleinere Unternehmen benötigt und
  • Kiosk-Modus-Anwendungen entwickelt.

Die Pico Neo 3 Pro ist eher nicht für euch geeignet, wenn …

  • ihr einen vollwertigen Quest-2-Konkurrenten für Privatanwendungen sucht,
  • euch im SteamVR-Streaming die Lösung gegen Facebook erhofft,
  • auf Datenschutz Wert legt und
  • ein bugfreies System erwartet.

Einrichtung, Konfiguration und Akku

Die Einrichtung funktioniert – auch wegen der neuen Pico-App – so einfach wie bei Quest 2: Die gesamte Prozedur der Einrichtung des Spielbereichs wurde nahezu eins zu eins übernommen. Das funktioniert perfekt bis in die virtuelle Menü-Umgebung.

Der externe Akku hinten an der Kopfhalterung hält rund zwei bis drei Stunden, abhängig von der Intensität der Anwendung.

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Pico Neo 3 Pro: Auflösung, Farben, Bildwiederholrate

Interessanterweise löst das Display der Pico Neo 3 Pro etwas geringer auf als das der Pico Neo 2 (1.920 × 2.160 pro Auge): Das TFT-Display bringt pro Auge 1.832 × 1.920 Bildpunkte mit. Der leistungsfähige XR2-Chip von Qualcomm werkelt unter der Haube, die Bildwiederholrate liegt bei 72 oder 90 Hz. Erstere ist voreingestellt, letztere kann aktiviert werden.

Blick auf die Linsen der VR-Brille Pico Neo 3 Pro

Ein wenig komfortables Gesichtspolster rahmt dreifach verstellbare Fresnellinsen ein. | Bild: MIXED

Das Bild ist klar und scharf, die geringere Auflösung gegenüber der Neo 2 fällt nicht auf – zu marginal ist der Unterschied. Die Farben sind kräftig und klar. Die Schwarzwerte sind in dunklem Grau angesiedelt und erreichen nicht die Schwärze eines OLED-Panels.

Sichtfeld, Sweetspot und Augenabstand

Das Sichtfeld bietet auf dem Papier mit 98 Grad angeblich drei Grad mehr als die Quest 2. Glückwunsch, wer den Unterschied sieht. Der Augenabstand lässt sich exakt wie bei der Facebook-VR-Brille in drei Stufen durch Verschieben der Linsen einstellen: Die IP-Distanzen liegen bei 58, 63.5 und 69 mm.

Die VR-Brille muss kaum zurechtgerückt werden, der Sweetspot ist groß und scharf. Ich muss die Augen schon recht weit hoch oder zu den Seiten bewegen, bevor eine gewisse Unschärfe einsetzt. Das ist besser umgesetzt als bei der Quest 2.

Pico Neo 3 Pro: Tragekomfort

Am Tragekomfort haben die Chinesen im Vergleich zur Neo 2 kaum etwas verändert. Der obere Headstrap ist kaum ernsthaft justierbares Gummi. Ich kann die VR-Brille nur über das Rad an der Hinterkopfhalterung stabilisieren. Das wiederum bedeutet: Die VR-Brille benötigt für einigermaßen guten Sitz ordentlich Anpressdruck im Gesicht.

Ich sage einigermaßen, weil die Hinterkopfhalterung, an der sich auch der Akku befindet, eine wenig gepolsterte, an den Seiten gebogene Plastikplatte ist. Abgesehen davon, dass das schnell unbequem wird, rutscht die Pico Neo 3 Pro dadurch bei schnellen Kopfbewegungen etwas hin und her. Liebes Pico-Team: Wenn ihr schon bei Quest 2 abschaut, dann empfehle ich einen Blick auf den Elite-Strap.

VR-Brille Pico Neo 3 Pro von hinten, Blick auf Akku, Kopfhalterung

Der Akku ist hinten verbaut, die seitliche Kopfhalterung mit Drehrad justiert. Die obere Halterung ist kaum sinnvoll verstellbar.

Auch das Standard-Gesichtspolster ist suboptimal: Es passt sich dem Gesicht so gut wie nicht an und lässt an den Seiten und unten Lücken, durch die Licht dringt. Immerhin passen Brillen einigermaßen gut unter das Polster.

Der eingebaute Lüfter ist deutlich hörbar. Ob das stört oder nicht, muss jede:r Nutzer:in für sich entscheiden – ich empfand es als okay. Allerdings würde ich im Vergleich den Punkt bei der Quest 2 sehen, die ohne zusätzliches Lüftersurren auskommt.

Tracking und VR-Controller

Controller und das zugehörige Tracking sind die eigentlichen großen Verbesserungen im Vergleich zur Neo 2, die nur über üble Magnet-Tracking-Controller verfügte. Vier Kameras an den Ecken sorgen für die Controller-Nachverfolgung.

Die neuen Controller sehen den Touch-Controllern ähnlich, der Griff ist allerdings länger. Zwar bleiben die Controller so auch bei schnellen Bewegungen gefühlt sicherer in meiner Hand, dafür liegen sie nicht so gut in der Hand wie die Touchies. Der Tracking-Ring ist allerdings höher angebracht als bei Touch und sorgt für häufigere Kollision der beiden VR-Controller in Anwendungen. Die Controller benötigen außerdem jeweils zwei AA-Batterien für den Betrieb.

Pico Neo 3 Pro Controller neben Oculus Touch Controllern

Jeweils außen die neuen Pico-Controller, innen Oculus Touch. | Bild: MIXED

Das Tracking war in meinem Test über jeden Zweifel erhaben: Schnelle Bewegungen, sich gegenseitig verdeckende Controller oder die Bewegung aus dem Kamerasichtfeld hinaus und wieder hinein, machten keine Probleme. Es gab kein Nachziehen, keine spürbare Latenz und nur selten kurze Aussetzer. Ein paar Mal schwebten die Controller im Raum, etwa wenn ich die Hände einfach baumeln ließ. Gegebenenfalls liegt das an der etwas tieferen Einlassung der Kameras in die Ecken der VR-Brille.

Sound, Software & Pico Store

Die eingebauten Lautsprecher im Plastik-Headstrap haben mehr Power als die Quest-2-Speaker und ich finde auch den Klang besser. Wer richtigen Sound will, muss natürlich trotzdem zu Kopfhörern greifen, die über Klinke angeschlossen werden.

Im Pico App-Store gibt es diverse Titel, die schon für die Neo 2 portiert wurden, etwa Gadgeteer oder Apex Construct. Das Angebot ist nicht ansatzweise mit Quest-Store oder Viveport vergleichbar. Allerdings könnte Pico diesen Store ausbauen, wenn sich die VR-Bekenntnisse von Neubesitzer ByteDance (TikTok) bewahrheiten.

Apps laden schnell, hauptsächlich Business-Apps sind sofort da und nutzbar. Dateien und APKs (Android Package Kit) sind nur zwei Controller-Klicks entfernt. In Verbindung mit dem guten Sweetspot kommt das VR-Entwickler:innen sehr entgegen.

Leider hat das Betriebssystem der Pico Neo 3 Pro noch nicht die Stabilität einer Quest 2. Gelegentlich zwang mich ein komplett fragmentiertes oder schwarzes Bild zum Neustart.

Pico Neo 3 Pro: Wireless und kabelgebundenes SteamVR-Streaming

Pico Neo 3 Pro unterstützt den Wi-Fi-6-Standard für kabellose Datenübertragung. Schon die Neo 2 konnte über ein Desktop-Streaming-Tool SteamVR-Apps abspielen.

Die Einrichtung ist einfach: Ist ein passender WLAN-Router oder ein Access Point mit dem PC verbunden, muss die Streaming-Software „Streaming Assistant“ auf dem PC installiert und SteamVR gestartet werden. In der Pico-Brille öffne ich dann die entsprechende App und kann sofort loslegen. Ich verwende einen Unify 6 Access-Point mit 5G-Netz, der durchschnittliche unverbaute Abstand zur VR-Brille beträgt weniger als zwei Meter. Die Verbindung steht in Sekunden und es gibt keinerlei Verbindungsprobleme – zumindest unter Windows 10. SteamVR lädt auch ohne Probleme.

Drei Qualitätseinstellungen sind über den Streaming Assistant möglich: Fast, Standard und HD. Auf „Fast“ ist die Auflösung ziemlich gering, dafür gibt es keine wahrnehmbaren Latenzen. Selbst Half-Life: Alyx (Test) lässt sich flüssig spielen. Allerdings ist die Bildqualität auf unterem Niveau, sehr unscharf und in der Ferne nur noch Grafikmatsch.

Pico Neo 3 Pro und Oculus Quest 2 samt VR-Controllern und Link-Kabeln

Pico Neo 3 Pro (rechts) und Quest 2 mit Controllern und Streaming-Kabeln. | Bild: MIXED

„Standard“ liefert eine deutlich bessere visuelle Qualität. Half-Life: Alyx sieht gut aus, Beat Saber ist hübscher als die native Quest-Version. Aber die Datenübertragung kommt ans Limit, Latenzen sind immer wieder deutlich spürbar. Beat Saber (Test) auf Hard ist gerade noch so spielbar – wer auf fehlerfreie Tracks wert legt, wird damit nicht glücklich.

Und „HD“? Vergesst das gleich wieder – hier hat schon das simple SteamVR-Menü (nicht die Umgebung, nur das VR-Menü!) derartige Latenzen, dass eine Bedienung fast unmöglich ist.

Insgesamt gilt: Pico steht im Vergleich zu Facebooks Air Link (Test) oder Virtual Desktop ganz am Anfang. Bei Bildqualität und Latenz kommt die Pico Neo 3 Pro nicht an die Platzhirsche heran.

Wie gut ist denn Picos Kabellösung? Es gibt ein Oculus/Meta Link-ähnliches Kabel, das allerdings neben einem USB-2.0-Port auch einen DisplayPort benötigt. Vorteil hier: Die Datenübertragung funktioniert nativ, die Neo 3 Pro wird also wie ein Monitor direkt angesteuert, während Metas Link-Lösung nur komprimierte Daten mit Qualitätsverlusten beim Bild durchs USB-Kabel senden kann. Beide Anschlüsse der Neo 3 Pro münden in ein einzelnes Kabel, das etwas steifer als das offizielle Oculus Link-Kabel ist. An der Pico Neo 3 Pro wird das Kabel an einem eigenen USB-C-Slot angebracht.

Blöd nur, dass die VR-Brille bei vielen Verbindungsversuchen darauf beharrte, das USB-Kabel sei nicht angeschlossen. Auch der Wechsel verschiedener USB-Ports konnte das Problem nicht lösen.

Update: Erst viel später und nach diversen Deinstallationen und Updates der Pico-Software sowie SteamVR ließ sich das DP-Kable anschließen und SteamVR-Apps spielen. Das funktionierte im Test einwandfrei: Das Bild ist superscharf, es gibt keinerlei Kompressionsverluste und die VR-Brille lässt sich sinnvoll für diesen Anwendungsbereich nutzen.

Pico Neo 3 Pro Test-Fazit: (Sehr) Gute B2B-VR-Brille, aber beim Datenschutz nicht mehr risikolos

Warum steht das „Sehr“ in Klammern? Weil die Pico-Software noch nicht die Stabilität hat, die ich erwarte. Die Kabel-Erkennung sollte immer sauber funktionieren und außerdem gibt es immer wieder Bugs, die zum Neustart zwingen.

Davon abgesehen liegen die Vorteile der Pico Neo 3 Pro für Business-Anwendungen auf der Hand: Schnelle Einrichtung, schneller Zugriff auf Apps und Dateien, klares und scharfes Bild mit weitem Sweetspot, Kioskmodus. Ein Login ins Pico-Konto ist nur bei App Store-Nutzung nötig.

Update: Nach dem Kauf von Pico Interactive durch TikTok-Mutterfirma Bytedance ist das Vertrauen der Unternehmen in Pico dahin. Immer mehr Unternehmen wenden sich von Pico ab, da die chinesische Firma große Datenschutz-Bedenken auslöst und die Daten in China von der Regierung kontrolliert und möglicherweise auch verwertet werden. Dieses Risiko können Unternehmen, die eine vorsichtige Distanz zum chinesischen Markt pflegen wollen, nicht eingehen.

Die neuen VR-Controller sind beim Tracking gleichauf mit den Quest-2-Controllern. SteamVR-Streaming macht die Pico Neo 3 Pro theoretisch auch für Privatpersonen interessant, allerdings nur unter eingeschränkten Bedingungen: SteamVR-Apps lassen sich in suboptimaler Auflösung performant abspielen, oder aber in ordentlicher Auflösung, mit regelmäßigen, kleineren Latenzproblemen. High Definition ist derzeit unmöglich. Dafür muss das DP-Kabel verwendet werden, was neben dem höheren Konfigurationsaufwand nicht immer sauber funktioniert. Wenn es funktioniert, ist es aber eine gute Alternative und spielt SteamVR-Spiele in herausragender Qualität ab. Außerdem gibt es für Privatanwender keinen Support.

Für Unternehmen jedoch, die in VR entwickeln oder investieren möchten, bietet die Pico Neo 3 Pro aus meiner Sicht derzeit das beste Preis-Leitungsverhältnis. Wie erfolgreich das Gerät wird, hängt jetzt von Bytedance, der Weiterentwicklung und der Vermarktungsstrategie ab.

Für Privatanwender:innen hat Pico die Neo 3 Pro in einer neuen Version auf den Markt gebracht: Pico Neo 3 Link ist exakt die gleiche VR-Brille, aber mit größerem Store.

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Die Pico Neo 3 Pro ist in erster Linie für Unternehmen, Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie Organisationen gedacht.

Pico Neo 3 Pro – 256 GB

Pico Neo 3 Pro Datenblatt

Pico Neo 3 Pro und Meta Quest 2 Vergleich: Daten