Pico Neo 3 Link Test: Gute Quest-2-Konkurrenz mit Abstrichen

Pico Neo 3 Link Test: Gute Quest-2-Konkurrenz mit Abstrichen

Mit der VR-Brille Pico Neo 3 Link will Bytedance (TikTok) Meta im B2C-Markt Konkurrenz machen. Wie gut funktioniert das?

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2021 brachte Pico Interactive die VR-Brille Pico Neo 3 Pro heraus. Dabei handelt es sich um eine der Quest 2 ähnliche autarke VR-Brille, allerdings ist die Zielgruppe auf Unternehmen beschränkt. Dann wurde Pico vom chinesischen Social-Media-Konzern Bytedance gekauft. Die machen Meta bereits mit TikTok harte Konkurrenz – jetzt wollen sie auch im Rennen ums Metaverse und immersive Technologien angreifen.

Pico Neo 3 Pro zeigte sich damals als ausgezeichnete VR-Brille für den B2B-Bereich: Schnell eingerichtet, intuitiver Zugriff auf eigene Dateien und Apps, keine Anmeldung nötig (außer für den Pico App Store), klasse Bild und endlich auch gute VR-Controller. Für den Privatgebrauch war die Neo 3 Pro allerdings nicht zu empfehlen: Diverse Bugs, Probleme beim Anschluss eines PCs als Zuspieler und ein nahezu leerer Store machten das Gerät für Heimanwender:innen uninteressant.

Das soll sich mit der Pico Neo 3 Link ändern. Die VR-Brille ist für Heimanwender:innen gedacht – allerdings auch nicht viel mehr als eine Neo Pro 3 mit neuem Aufkleber. Lohnt sich das VR-Headset trotzdem?

Pico Neo 3 Link Test in aller Kürze

Ja – die Neo 3 Link ist eine Alternative zur Quest 2 – wenn auch mit Abstrichen. Die Einrichtung ist dank neuer Mobil-App einfach, Bild und Sweetspot hervorragend, VR-Controller funktionieren gut – auch wenn sie nicht so handlich sind wie die Touch-Controller von Meta. Beim Komfort kann Neo Link 3 nicht mit dem Elitestrap der Quest 2 mithalten.

Funktioniert der Anschluss des Displayport-Kabels reibungslos (was nicht immer der Fall ist), könnt ihr eine scharfe, verlustfreie Darstellung eurer SteamVR-Apps genießen. Das Wireless-Streaming überzeugt mich hingegen nicht: Nur in minderer Qualität läuft es ruckelfrei. Das VR-App-Angebot im neuen Pico Store ist okay, aber im Vergleich zum Quest-Store gering. Herunterladen und spielen funktionierte bei meinen Stichproben problemlos.

Ich kann das Headset insbesondere für die Link-Verbindung über DisplayPort für SteamVR-Streaming empfehlen. Darüber hinaus ist es an vielen Stellen noch nicht richtig ausgereift.

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Pico Neo 3 Link ist für euch geeignet, wenn …

  • ihr eine mit Quest 2 vergleichbare VR-Brille sucht und
  • vorwiegend SteamVR-Apps mit verlustfreier Darstellung spielen wollt.

Die Pico Neo 3 Link ist eher nicht für euch geeignet, wenn …

  • ihr einen vergleichbar gut gefüllten Store für native VR-Apps wie den Quest-Store braucht,
  • euch der Zusatzaufwand mit DisplayPort und USB 2.0-Anschluss stört,
  • ihr eine ähnlich gute Wireless-Lösung wie Air Link erwartet und wenn
  • euch Bugs, etwa bei der Kabelverbindung, den Spaß verderben.

Pico Neo Link 3 ist Pico Neo 3 Pro mit B2C-Aufkleber

An dieser Stelle würde ich jetzt auf Auflösung, Sichtfeld und allerlei technische Dinge eingehen, die ihr zur Neo 3 Link wissen müsst. Da die Neo 3 Link aber identisch mit der Neo 3 Pro ist, lest einfach meinen aktualisierten Test zur Pico Neo 3 Pro.

Nachfolgend gehe ich auf die für Heimanwender:innen interessanten Punkte sowie kleinere Unterschiede zur Pro ein.

Leicht verbesserter Komfort und endlich mit Mobile-App

Die Pico Neo 3 Link kommt mit einem verbesserten Gesichtspolster. Es ist nicht mehr aus steifem Gummi, sondern aus (Schaum)Stoff und passt sich dadurch besser an mein Gesicht an. Dadurch schließt es besser ab und lässt weniger Licht durch. Das ist übrigens auch das einzige klare Unterscheidungsmerkmal zwischen Link und Pro – ansonsten sehen sie exakt gleich aus und sind mit 682 Gramm gleich schwer.

Blick auf die Innsenseite der VR-Brille Pico Neo 3 Link

Das Gesichtspolster ist neu, der Rest ist ebenfalls exakt wie bei der Pico Neo 3 Pro. | Bild: MIXED, Benjamin Danneberg

Der Komfort hat sich durch das neue Gesichtspolster nur wenig verbessert. Es ist immer noch recht hoher Anpressdruck nötig, damit die VR-Brille sitzt. Doch selbst dann rutscht die Brille bei schnellen seitlichen (Kopf)-Bewegungen immer ein wenig hin und her.

Bei der Einrichtung hat sich was getan: Es gibt jetzt eine Mobile-App, mit der ich etwa Zahlungsdaten oder WLAN-Passwort eingeben kann. Zugriff auf den Pico-Store gibt es in der App noch nicht. Alles andere ist fast gleich der Quest-2-Einrichtung und funktioniert tadellos. Allerdings muss ich mich – anders als bei der Pro – jetzt direkt zu Beginn mit einem Pico-Konto anmelden.

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Pico Link: Wenn es funktioniert, ist es super

Die Pico Link-Software ist mit besser Nutzerführung etwas professioneller geworden.  Allerdings kann es vorkommen, dass die Software SteamVR nicht erkennt. Dann sind diverse Neuinstallationen und gegebenenfalls Updates der Link-Software und SteamVR nötig.

Funktioniert die Verbindung, funktioniert auch die DisplayPort-Nutzung einwandfrei. Die Ladezeit, bis SteamVR im Headset angezeigt wird, ist zwar recht lang, ab diesem Punkt kann ich aber verlustfreie und knackscharfe Wiedergabe meiner SteamVR-Spiele genießen. Es gibt keine Latenzen, auch die VR-Controller funktionierten in meinen Tests, etwa mit Half-Life: Alyx, bestens. Nervig ist allerdings die Steuerung, etwa fürs Abschalten der Link-Verbindung. Mal funktioniert es, mal nicht – dann ist ein Neustart des Headsets nötig.

VR-Brille Pico Neo 3 Link mit Controllern auf einem Tisch

Das Displayport-Kabel der Pico Neo 3 Link (oben auf dem Headset zu sehen) funktioniert – wenn die Software mitmacht, einwandfrei. | Bild: MIXED, Benjamin Danneberg

Die Wireless-Lösung kann ich übrigens weiterhin nicht empfehlen – nur auf niedrigster Qualitätsstufe läuft es flüssig genug. Hier muss Pico/Bytedance noch einige Arbeit investieren.

Nachteil an der DisplayPort-Lösung ist – wie bei allen VR-Brillen, die die Anschlussart besitzen – das Stecker-Puzzle am PC. Wer ein Multimonitor-Setup hat, muss gegebenenfalls den Anschluss tauschen. Das USB-Kabel kann zudem beim Anschluss Ärger verursachen: Es ist für USB 2.0 vorgesehen, bei einigen USB-Ports an meinem PC wurde die Verbindung nicht erkannt. Etwas blöd: Das DP-Kabel wird am Headset mit einer Schraube befestigt. Dafür liegt dem Paket sogar ein Schraubenzieher bei…

Mäßiger Store-Umfang und diverse kleinere Bugs im Betrieb

Insgesamt ist das System für die Beta, in der es sich befindet, befriedigend stabil. Während der Nutzung von Anwendungen hatte ich keine Abstürze. Allerdings traten immer mal wieder direkt beim Start oder bei Beendigung von Programmen Probleme auf, etwa Black Screens oder nicht klickbare Buttons. Manchmal reichte ein Neustart der jeweiligen App, manchmal musste ich die Neo 3 Link ganz neu starten.

Das Store-Angebot für native Apps umfasst laut Pico über 100 verschiedene VR-Spiele und Anwendungen. Der Store funktionierte bei meinen Stichproben gut. Spiele wie Superhot, Walkabout Mini Golf, Smash Drums oder Eleven Table Tennis laufen bis auf die oben genannten gelegentlichen Bugs ebenfalls gut. Hier muss sich zeigen, wie schnell Bytedance mehr Inhalt nachlegen kann, denn derzeit kommt das Angebot nicht an den Quest-Store heran. Meta-Spiele wie Beat Saber oder Resident Evil 4 gibt es nicht.

Pico Neo 3 Link Test-Fazit: Gute B2C-VR-Brille, aber noch nicht ausgereift

Wie bei der Pico Neo 3 Pro hat Pico/Bytedance vieles richtig gemacht – oder, wie böse Zungen sagen, vieles gut kopiert. Die Ähnlichkeiten im Aussehen der VR-Brille und im Einrichtungsprozess zur Quest 2 sind schon frappierend.

Wer mit diversen kleineren Bugs leben kann und lieber eine direkte, nicht durch Kompression beeinträchtigte Bildübertragung vom PC wünscht, findet hier eine ausgezeichnete VR-Brille für SteamVR-Spiele. Der native Store bietet zwar auch schon eine Reihe VR-Apps, die Auswahl ist aber noch begrenzt. Ob und wie schnell Pico/Bytedance hier nachlegen kann, bleibt abzuwarten.

Allerdings muss auch klar gesagt werden: Wer aus Datenschutzgründen auf Pico gehofft hat, sieht sich durch die Übernahme der chinesischen TikTok-Macher von Bytedance enttäuscht. Dass Bytedance im Virtual Reality-Sektor keine Daten sammelt, ist höchst unwahrscheinlich und die eigenen Daten einer Firma anzuvertrauen, an der die chinesische Regierung beteiligt ist und so direkten Zugang zu allen Daten hat, ist auch eine heikle Entscheidung. Vor allem Unternehmen ziehen sich deswegen derzeit reihenweise von Pico zurück.

Schlussendlich bleibt eine gute VR-Brille, die noch einige Zeit oder eine Nachfolger-Brille benötigt, um optimal zu werden. Die Anstrengungen und das viele Geld, das Meta in die Quest 2 gesteckt hat, lassen sich nicht einfach in kürzerer Zeit und mit weniger Ressourcen nachbilden. Benutzerführung, Stabilität und Sicherheit (die Pico-Webseite für Benutzerkonten verwendet nicht einmal das HTTPS-Protokoll) haben noch Luft nach oben. So fehlen beispielsweise Handtracking, Objekterkennung oder Bluetoothverbindungen, etwa zu Tastaturen. Auch kann ich den Store nicht im Internet einsehen. Möglicherweise kommt hier einiges im Verlauf des Link-Beta-Programms nach.

VR-Brille Pico Neo 3 Link kaufen

Via Link-Kabel oder WLAN-Streaming (Wi-Fi 6) habt ihr Zugriff auf viele SteamVR-Spiele. VR-Apps können auch direkt aus dem Pico Store auf die VR-Brille geladen werden.

Pico Neo 3 Link mit DP-Link-Kabel – 256 GB

Pico Neo 3 Link Datenblatt

Pico Neo 3 Link und Meta Quest 2 Vergleich: Daten