Hololens 2 ist besser als die Vorgängerbrille, aber noch lange nicht für Endverbraucher geeignet. Das räumt Hololens-Erfinder Alex Kipman ein. Die AR-Brille für jedermann sieht er auf Jahre nicht.

Für Kipman steht fest: Die Augmented-Reality-Brille wird nach PCs und Smartphones die dritte große Computertechnologie.

Die Entwicklung erfolgt allerdings in Babyschritten: Fast drei Jahre brauchte Microsoft, um die zweite Version der AR-Brille Hololens vorzustellen. Das Gerät ist rundum verbessert, für Endverbraucher aber noch immer nicht gut genug.

“Das ist das Beste, was wir derzeit bei Mixed Reality erreichen können und dennoch ist es kein Produkt für Endverbraucher”, sagt Kipman zu The Verge.

Sichtfeld zu schmal, Tragekomfort zu gering

Das nach wie vor schmale Sichtfeld (Diagonal circa 52 Grad) macht Hololens 2 uninteressant für viele Anwendungen für Endverbraucher, zum Beispiel digitale Monitore oder Spiele, wie Microsoft sie in der Vergangenheit gerne in Werbevideos zeigte.

“Das Sichtfeld ist doppelt so weit wie beim Vorgänger, aber das ist nicht gut genug für den Verbraucher”, sagt Kipman.

Der Tragekomfort wurde verbessert, die Brille bleibt jedoch groß und schwer verglichen mit einer herkömmlichen Brille. Auch das räumt Kipman ein: “Sie ist noch nicht komfortabel genug.”

Damit eine AR-Brille für jedermann eine Chance hat am Markt, muss sie laut Kipman deutlich mehr Immersion bieten bei einem viel höheren Tragekomfort und einem Preis von unter 1.000 US-Dollar.

Für Mitbewerber Magic Leap, das im Gegensatz zu Microsoft zumindest grob in Richtung Endverbraucher vermarktet, hat Kipman einen Seitenhieb parat: “Ich denke, die Leute machen sich etwas vor, wenn sie glauben, diese Produkte seien reif.”

Eine Prognose für die Marktentwicklung in den nächsten fünf Jahren will Kipman nicht abgeben. Kurz- und mittelfristig seien alle potenziell erfolgreichen AR-Brillen Industrieprodukte.

AR-Brille: Weshalb eigentlich?

Selbst wenn Apple, Microsoft und Co. eine Spitzenbrille zu einem annehmbaren Preis auf den Markt bringen könnten, wäre unklar, ob Verbraucher die Technologie annehmen würden.

Die Hürde, im Alltag einen Gesichtscomputer zu tragen – wenn man nicht ohnehin schon Brillenträger ist – dürfte riesig sein: Der Optikchef des Pleite gegangenen AR-Brillenherstellers Meta schätzt, dass eine AR-Brillen-App um den Faktor zehn nützlicher sein muss als das Smartphone-Äquivalent, damit Menschen sich die Brille aufziehen.

Mag sein, dass das nur eine Frage der Kultur ist, vergleichbar mit der heutigen Allgegenwart des Smartphones, die sich über mehr als zwei Dekaden entwickelte. Aber dieser Kulturwandel wird nicht durch Hardware erzielt, sondern durch Anwendungen, die die Menschen begeistern und die im Alltag Nutzen stiften. Die viel beschworenen Killer-Apps eben.

Die Branche weiß noch nicht, was die Killer-App für Augmented Reality für die breite Masse sein könnte. Berechtigt vermuten darf man, dass sie etwas mit Kommunikation zu tun haben wird, mit digitalen Spuren, die wir in der Realität hinterlassen und durch die Brille sichtbar machen. Eine digitale Spiegelwelt, die über der echten Welt liegt und die verändert, wie Menschen miteinander sprechen.

AR-Brille: Nur echt mit der AR-Cloud

Dieses Szenario könnte eine Sogwirkung entfalten, ist aber technisch höchst anspruchsvoll. Denn die Spiegelwelt muss erst einmal erstellt und gepflegt werden.

Möglich ist das nur, indem die reale Welt vollständig in 3D eingescannt und so digitalisiert wird. Derzeit existieren technische Konzepte, wie das zu bewerkstelligen ist, mehr aber auch nicht: Die sogenannte Augmented-Reality-Cloud wird noch viele Jahre in Entwicklung sein.

Gut für die Technologie ist, dass ein starker Wettkampf herrscht zwischen den großen Tech-Konzernen wie Google, Facebook oder Apple, die diese neue Welt (weiter) beherrschen wollen. Denn die AR-Cloud wird die nächste große Dateninfrastruktur. Für die Welt von übermorgen ist sie so wichtig wie die Internetsuche heute.

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