Barmak Heshmat ist Optikchef beim finanziell angeschlagenen AR-Brillenhersteller Meta. In einem aktuellen Ted-Talk erklärt er, weshalb AR-Brillen auf lange Sicht keine Smartphones ersetzen werden – und teilt kräftig gegen Magic Leap aus.

In seinem Vortrag über die Gegenwart und Zukunft der Augmented Reality nimmt Heshmat kein Blatt vor den Mund: “Es tut mir leid, euch das sagen zu müssen, aber AR-Bildqualität wird für lange Zeit richtig schlecht sein”, sagt Heshmat.

Seinen Standpunkt begründet er mit Physik: AR-Brillen könnten Smartphones weder bei Darstellungsqualität (Kontrast, Transparenz) noch beim Tragekomfort (Gewicht) schlagen. Moore’s Law gelte nicht für optische Systeme.

Er wolle Augmented Reality nicht kleinreden, sagt Heshmat, aber Kunden, Investoren und Ingenieure für die Schwachstellen der Technologie sensibilisieren.

Denn unabhängig davon, so Heshmat, wie viele Milliarden US-Dollar in Hype fließen: “Diese Dinger werden euer Smartphone nicht ersetzen.” Der Seitenhieb dürfte Magic Leap gelten, dem AR-Brillenhersteller, der in der Vergangenheit wiederholt eben dieses Ziel formulierte.

“Vergleiche mit der Smartphone-Entwicklung sind falsch”

Vergleiche aktueller Brillentechnologie mit den Anfangstagen der Mobiltelefone seien falsch, da Handys einerseits ein grundlegendes Problem lösten – mobile Erreichbarkeit – und sich andererseits nicht gegen eine konkurrierende Technologie durchsetzen mussten. AR-Brillen hingegen müssten gegen Smartphones antreten.

Heshmat sieht die Stärke der AR-Technologie nicht in der Immersion: “Ich muss verdammt noch mal nicht in meine E-Mails oder Fox News eintauchen oder in Videospiele, wenn ich schon einen 4K-HDR-Beamer für die Hälfte des Geldes einer AR-Brille im Wohnzimmer stehen habe.” 3D-TVs hätten gezeigt, dass Immersion nicht überbewertet werden dürfe.

Sein Ziel sei es, mit einer AR-Brille Arbeitsprozesse zehnmal einfacher und schneller zu gestalten sowie Erinnerungsvermögen und Kreativität zu unterstützen. “Ich muss mir keine Laser ins Auge projizieren, damit ich weiß, wie das Wetter draußen ist.”

Super-Mixed-Reality-Brille in fünf bis zehn Jahren

Noch fünf bis zehn Jahre ist laut Heshmat die Eierlegende Wollmilchsaubrille entfernt. Sie soll mit einem 8K-Lichtfelddisplay ausgestattet sein, ein Sichtfeld über 100 Grad bieten und zwischen AR und VR umschalten können – und das bei einem vertretbaren Formfaktor. Diese Brillenklasse ist laut Heshmat vergleichbar mit aktuellen Desktop-Computern.

Für unterwegs sieht Heshmat eine zweite Brillenklasse, die beim Formfaktor herkömmlichen Brillen gleicht. Inhalte kommen vom Smartphone. “Diese Brillen werden keine aufwendige Grafik oder ein weites Sichtfeld zeigen, aber dafür sind sie die Mobilgeräte der AR”, sagt Heshmat.

Heshmat und "andere in der Branche" sehen zwei AR-Geräteklassen, vergleichbar mit Desktop-Computern und Smartphones. Bild: Heshmat

Heshmat und “andere in der Branche” sehen zwei Typen AR-Brillen, vergleichbar mit Desktop-Computern und Smartphones. Bild: Heshmat

Es sei eine Herausforderung, derart schlanke Brillen mit Technologie darin zu bauen. Aber Heshmat geht davon aus, dass Smartphone-Giganten wie Apple oder Samsung die Geräte perfektionieren.

Mit der Hardware ist es laut Heshmat nicht getan: Es brauche dringend eine Killer-App.

Entwickler müssten Inhalte finden, die nur in Augmented Reality und sonst mit keiner anderen Technologie funktionieren – und das bei einem zehnmal höheren Mehrwert und der Hälfte des Nutzungsaufwands. So hoch ist laut Heshmat der zu überwindende Widerstand, wenn sich Menschen einen Brillencomputer aufsetzen sollen.

Heshmats finaler Appell: “Augmented Reality ist eine spannende Technologie. Aber noch mehr Hype wird das öffentliche Vertrauen zerstören und die Entwicklung ausbremsen.”

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