Facebooks Realitätslabor würde mit zukünftigen XR-Brillen gerne Augenbewegungen des Nutzers lesen können.

Unter Facebooks derzeit über 400 ausgeschriebenen Jobs im XR-Umfeld findet sich eine Stelle für einen Elektroingenieur mit Spezialwissen rund ums Eye-Tracking (via Road to VR). Im Optimalfall bringen Bewerber über zehn Jahre Berufserfahrung mit.

Sie oder er soll helfen, Eye-Tracking in VR- und AR-Produkte der nächsten Generation zu integrieren. Ziel sei die Entwicklung erfolgreicher Prototypen, der Aufbau neuer Herstellungsprozesse gemeinsam mit Lieferanten, und letztlich produktreife Geräte, die in hohem Volumen hergestellt werden können.

Bekannt ist, dass Facebook an einer Augmented-Reality-Brille arbeitet und neue VR-Prototypen entwickelt. Bis ein Facebook-Produkt mit Eye-Tracking-Kameras auf den Markt kommt, dürfte es allerdings noch eine Weile dauern: Facebooks Chef-Forscher Michael Abrash schätzte 2018, dass die Technologie noch drei bis vier Jahre bis zur Reife benötigt.

Mitbewerber HTC hat mit Vive Pro Eye bereits eine Eye-Tracking-Brille am Markt, die allerdings nur für Unternehmen gedacht ist.

Den Gegner im Visier dank Eye-Tracking? Für HTC ist das offenbar ein Thema.

Den Gegner im Visier dank Eye-Tracking? Bild: HTC

Eye-Tracking: Fluch und Segen für die Nutzer?

Mit einer Eye-Tracking-Brille hätte Facebook voraussichtlich Zugriff auf einen wertvollen Datenschatz: Mit den Körper- und Augenbewegungen eines Nutzers im Kontext bestimmter Inhalte und Aussagen ließe sich ein digitales Charakterprofil zusätzlich schärfen. Der Nutzer, er würde noch gläserner.

Manch einer fragt sich vielleicht: Weshalb um alles auf der Welt würden Menschen freiwillig solche sensiblen und persönlichen Daten ausgerechnet an einen Konzern wie Facebook freigeben, der in der Vergangenheit mehrfach bewiesen hat, mit der Privatsphäre seiner Nutzer mehr als fahrlässig umzugehen?

Zu wichtig für ein Nein

Kurz gesagt: Eye-Tracking hat das Potenzial, VR und AR so viel besser zu machen, dass eine XR-Brille ohne diese Technologie nicht mehr interessant sein wird.

Wenn Entwickler wissen, welchen Punkt der Nutzer bei einer VR- oder AR-App fokussiert, können sie massiv Rechenleistung sparen, intuitive Interaktionsformen entwickeln und innovative Displaytechnologien umsetzen, mit denen digitales Gucken viel realistischer wirkt. Der technische Nutzen für die Kunden ist also hoch. Datenschutzbedenken treten dann schnell in den Hintergrund.

Facebook jedenfalls versprach im Kontext einer Datenschutzbefragung, dass Eye-Tracking-Technologie “absolut mit der Privatsphäre der Nutzer im Hinterkopf” entwickelt würde. Aus Facebooks Vergangenheit ist allerdings bekannt: Wenn ein Versprechen nicht gehalten werden kann, dann tut es auch eine anschließende Entschuldigung.

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