Metaverse: Weshalb Facebook 10.000 Jobs in Europa schafft

Metaverse: Weshalb Facebook 10.000 Jobs in Europa schafft

Facebook will in Europa 10.000 neue Stellen schaffen. Die Fachkräfte sollen beim Aufbau von Facebooks Metaverse-Projekt helfen.

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Im Sommer kündigte Facebook eine radikale Neuausrichtung an: Es wolle binnen fünf Jahren zu einem Metaverse-Unternehmen werden und nicht mehr primär als Social-Media-Firma wahrgenommen werden.

Der Begriff des „Metaverse“ stammt aus der Science-Fiction-Literatur und steht für eine alles umspannende digitale Parallelwelt, in der Menschen sozialen Umgang pflegen, arbeiten, Handel betreiben und spielen.

Facebook sieht im Metaverse den Nachfolger des Internets, der mittels Avataren betreten statt nur betrachtet wird. Für diese neue, körperliche Dimension sollen Zukunftstechnologien wie Virtual Reality und Augmented Reality sorgen.

Das Metaverse-Konzept ist ebenso unscharf wie Facebooks Pläne und Vision und manche Kritiker behaupten, dass das Metaverse-Projekt ein groß angelegter Versuch ist, von den zahlreichen Skandalen und Kontroversen der letzten Jahre abzulenken und dem Unternehmen ein neues Image zu geben.

Facebook investiert im großen Stil in Europa

Nun gibt Facebook den nächsten großen Schritt des Metaverse-Plans bekannt: eine Großinvestition in den Standort Europa. Das Unternehmen will in den nächsten fünf Jahren 10.000 „hoch spezialisierte“ Stellen im EU-Raum schaffen, die dem Aufbau des Metaverse dienen.

„Diese Investition ist ein Vertrauensbeweis in die Stärke der europäischen Tech-Industrie und das Potenzial europäischer Tech-Talente“, schreibt Facebooks globaler PR-Chef Nick Clegg im Firmenblog. Hochspezialisierte Ingenieur:innen zu finden, sei eine von Facebooks „dringendsten Prioritäten“. Laut dem Tech-Magazin Engadget will das Unternehmen unter anderem in Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, den Niederlanden, Polen und Spanien Stellen schaffen.

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„Europa ist von enormer Bedeutung für Facebook. Von den Tausenden von Angestellten in der EU bis zu den Millionen von Unternehmen, die unsere Apps und Tools täglich nutzen: Europa ist ein großer Teil unseres Erfolgs“, heißt es.

Mehr Mitspracherecht für das soziale Netzwerk?

Zu den Vorteilen des EU-Raums zählen laut Facebook der große Konsumentenmarkt, erstklassige Universitäten und hochqualifizierte Talente. Die Region solle in den Mittelpunkt von Facebooks Metaverse-Plänen rücken.

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Es ist nicht das erste Mal, das Facebook in den Standort Europa investiert: 2015 gründete das Unternehmen in Paris eine von weltweit drei firmeneigenen KI-Forschungseinrichtungen namens FAIR (Facebook Artificial Intelligence Research) und 2019 wurde mit der TU München zusammen ein Institut für KI-Ethik ins Leben gerufen. Das Unternehmen unterhält außerdem Forschungslabore im irischen Cork und Zürich. Letzteres soll laut einem NZZ-Bericht von 200 auf 350 Fachkräfte aufgestockt, also fast verdoppelt werden.

Die neuen Investitionspläne sind allerdings von einer anderen Größenordnung und dürften auch ein Versuch sein, sich ein stärkeres politisches Mitspracherecht zu sichern. Der EU komme „eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der neuen Regeln für das Internet zu“, schreibt der ehemalige britische Vizepremier und jetzige Facebook-PR-Chef Clegg im Blog. „Europäische Entscheidungsträger führen die Verankerung europäischer Werte wie freie Meinungsäußerung, Datenschutz, Transparenz und die Rechte des Einzelnen in das Internet an.“ Facebook teile diese Werte, fügt Clegg hinzu.

Ein großes Bekenntnis zu VR und AR

In Deutschland befindet sich Facebook seit 2016 in einem Rechtsstreit mit dem Bundeskartellamt. Der Stein des Anstoßes ist die Zusammenführung von Nutzerdaten aus verschiedenen Apps und Diensten des sozialen Netzwerks sowie die marktbeherrschende Position Facebooks (siehe Facebook vs. Deutschland: Was bisher geschah).

Im Frühjahr 2021 kam der Fall vor das Oberlandesgericht Düsseldorf, das die Entscheidung wiederum an den Europäischen Gerichtshof weitergab. Mit einem Urteil, das früher oder später EU-weite Folgen für Facebook haben könnte, ist nicht vor 2023 zu rechnen.

Wegen des laufenden Prozesses ist Facebooks VR-Brille Oculus Quest 2 (Test) niemals in Deutschland erschienen und muss aus dem Ausland bestellt werden. Solange der Rechtsstreit währt, ist Facebook VR- und Metaverse-Strategie in Deutschland blockiert. Mit der EU-Investition dürfte Facebook auch auf eine Beilegung des Konflikts zugunsten eigener Interessen hinwirken wollen.

Von diesen rechtlichen Streitigkeiten abgesehen, hat das Vorhaben eine große Signalwirkung für die VR- und AR-Branche. Beim Unternehmen arbeiten bereits 10.000 Angestellte an der Entwicklung der neuen Computerplattformen, was etwa einem Fünftel der gesamten Belegschaft entspricht. Der Plan, weitere 10.000 Fachkräfte anzuwerben, ist ein beeindruckendes Bekenntnis zu den neuen Technologien und könnte mit einer teilweisen Verschiebung der Prioritäten in Richtung Europa einhergehen.

Weiterlesen über Facebook:

Oculus Quest 2 aus Deutschland bestellen

Oculus Quest 2 wird in Deutschland vorerst nicht verkauft. Wie lange dieser Verkaufsstopp anhält, ist nicht bekannt.

Bei Amazon Frankreich könnt ihr die Oculus Quest 2 ganz normal kaufen. Tipp: Rechtsklick auf die Webseite und “Übersetzen” wählen.

Oculus Quest – 128 GB | Oculus Quest – 256 GB

Hinweis: Ihr könnt bei Amazon Frankreich über euren deutschen Account bestellen. Die VR-Brille unterstützt deutsche Sprache in den Menüs. Eine regionale Sperre seitens Facebook ist derzeit nicht aktiv - Quest 2 funktioniert ganz normal. Amazon Frankreich liefert innerhalb weniger Tage, zum Teil werden die Geräte sogar aus Lagern in Deutschland verschickt.

Quelle: Facebook Newsroom, Engadget, NZZ