Zwei Mixed-Reality-Interface-Unternehmen machen gemeinsam weiter.

Laut eigenen Angaben hat sich das Fingertracking-Unternehmen Leap Motion mit den Haptik-Spezialisten von Ultrahaptics zusammengeschlossen. Leap Motion verspricht im Zuge der Bekanntgabe “neue und aufregende Produkte”.

Das Wall Street Journal (WSJ) berichtet derweil über einen Aufkauf von Leap Motion durch Ultrahaptics. Das Haptik-Unternehmen soll für Patente und Personal rund 30 Millionen US-Dollar gezahlt haben. Das entspricht laut WSJ einem Zehntel des geschätzten Werts von Leap Motion von vor einigen Jahren.

Rund zwölf Ingenieure wechseln zu Ultrahaptics, darunter der Leap-Motion-Technikchef und Mitgründer David Holz. Der zweite Mitgründer und Geschäftsführer Michael Buckwald verlässt das Unternehmen. Bei Ultrahaptics sind derzeit 116 Personen beschäftigt.

Ein solides Produkt ohne Markt

Leap Motion wurde 2010 gegründet und sammelte in den Folgejahren rund 95 Millionen US-Dollar von Investoren ein. Ursprünglich wollte das Unternehmen mit einer optischen Trackingkamera für Hand und Finger die Computermaus ablösen. Das klappte nicht, da die Kamera zu unpräzise arbeitete.

Mit dem Hype rund um Oculus drehte Leap Motion das eigene Geschäftsmodell dann Richtung XR-Technologie und verbesserte das Tracking der eigenen Hardware durch zahlreiche Software-Updates signifikant, lizenzierte die eigene Trackingtechnologie an Brillenhersteller. Zuletzt stellte das Unternehmen sogar eine eigene Open Source AR-Brille vor.

Die Fingertracking-Spezialisten von Leap Motion verbreitern ihr Portfolio mit einer Open Source Augmented-Reality-Brille.

Mit Leap Motion dürfte wohl auch die Open-Source-AR-Brille North Star abtreten. Bild: Leap Motion / Ultrahaptics

Allerdings entwickelte sich der XR-Markt offenbar nicht so schnell, wie Leap Motion es gebraucht hätte, um signifikante Stückzahlen der Kamera zu verkaufen.

Auch Apple war dran

Das britische Startup Ultrahaptics wurde 2014 gegründet und ist spezialisiert auf die Simulation von Haptik für digitale Objekte. Das Unternehmen verkauft unter anderem kleine Ultraschallteppiche, die Konturen eines virtuellen Objekts in der Luft spürbar machen (Testbericht). Ultrahaptics ist mit etwa 85 Millionen US-Dollar finanziert, zuletzt gab es im Dezember 2018 Geld.

Ein potenziell großer Abnehmer der Haptik-Technologie ist die Automobilindustrie für die Simulation virtueller Schalter und Knöpfe im Cockpit. Produkte für die VR- und AR-Branche dürften eher ein Nischenmarkt bleiben.

Im Frühjahr 2018 soll Apple zum zweiten Mal an einer Übernahme von Leap Motion interessiert gewesen sein. Im Raum standen 30 bis 50 Millionen US-Dollar. Die Verhandlungen scheiterten in letzter Sekunde – angeblich am exzentrischen Verhalten der jugendlichen Gründer.

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