In den Jahren vor dem Marktstart waren die Erwartungen an Virtual Reality enorm hoch. Das zeigt der Preis, den Mark Zuckerberg für das Startup Oculus zu zahlen bereit war sowie seine krasse Fehleinschätzung, was das Verkaufspotenzial von VR-Brillen angeht.

Rund drei Milliarden US-Dollar blätterte der Facebook-Chef für Oculus hin, in der Hoffnung, die Computerplattform der Zukunft zu dominieren. Doch was waren damals seine konkreten Erwartungen?

Laut einer E-Mail an den damaligen Oculus-CEO Brendan Iribe von Anfang 2014, also ein bis zwei Monate vor der Akquisition des Startups, ging Zuckerberg für 2019 von 50 bis 100 Millionen im Umlauf befindlichen VR-Brillen aus. Das verrät Buchautor Blake J. Harris in einem Interview mit Marketplace.

Harris hatte für sein Buch “The History of the Future: Oculus, Facebook, and the Revolution That Swept Virtual Reality” (Amazon-Link) eine Zeit lang Oculus begleitet und während dieser Zeit engen Kontakt zu führenden Mitarbeitern sowie Zugriff auf eine Vielzahl vertraulicher Dokumente.

Fünf Jahre nach Zuckerbergs E-Mail und dem Ende des VR-Hypes zeigt sich ein vollkommen anderes Bild: Facebook nennt zwar keine offiziellen Verkaufszahlen, aber mehr als ein oder zwei Millionen Oculus-Brillen dürften aktuell nicht im Umlauf sein. Das ist zumindest Harris’ Schätzung.

Facebook pumpt weiter Geld in VR und AR

Diese Zahl entspräche einem Zwanzigstel des erwarteten Verkaufserfolgs. Nähme man die VR-Geräte anderer Hersteller, wie Playstation VR, HTC Vive und Samsung Gear VR in die Rechnung auf, käme man auf über zehn Millionen Geräte – was immer noch recht wenig ist gemessen an Zuckerbergs Erwartungen.

Nun mag seine Einschätzung recht weit zurückliegen. Doch noch auf der Oculus Connect 4 im Jahre 2017 gab der Facebook-Chef eine Milliarde VR-Nutzer als Ziel an, klugerweise ohne einen konkreten Zeitrahmen zu nennen.

Ein Jahr darauf reduzierte er sein Ziel überraschend um 99 Prozent und sprach von 10 Millionen VR-Nutzern pro Plattform als Ziel. Sei diese Zielmarke erreicht, solle der VR-Markt “explodieren”, da es sich ab dann für Entwickler lohnen würde, hochwertige VR-Inhalte zu schaffen.

Trotz des ausbleibenden Massenmarkterfolgs investiert Facebook weiter kräftig in VR und AR: Im Mai erschienen gleich zwei neue VR-Brillen, zudem steckt das Unternehmen so viel Geld in die XR-Forschung wie kein anderes. Das jüngste Beispiel ist der Bau eines Oculus-Campus südlich von San Francisco. Kostenpunkt: eine halbe Milliarde US-Dollar.

Titelbild: Oculus, Quelle: Marketplace

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