Nach der Facebook-Übernahme gab es große Meinungsverschiedenheiten zwischen Mark Zuckerberg und den Oculus-Gründern, was die Offenheit der Oculus-Plattform betrifft. Als besonders starker Verfechter einer offenen Plattform tat sich Palmer Luckey hervor. Er strebte eine offizielle Unterstützung von HTC Vive seitens Oculus an und arbeitete an einer Software, die es möglich machen sollte, die VR-Brille unter Umgehung von SteamVR mit der Oculus-Plattform zu nutzen. Doch so weit kam es nicht.

In seinem Buch “The History of the Future: Oculus, Facebook, and the Revolution That Swept Virtual Reality” (Amazon-Link) beschreibt Blake J. Harris, wie Luckey und Co. mit Facebook-Chef Mark Zuckerberg um die Offenheit des Oculus-Ökosystems rangen.

Zuckerberg glaubte, dass ein geschlossenes Ökosystem der beste Weg sei, um den VR-Plattformkrieg zu gewinnen, während die Oculus-Gründer vom Gegenteil überzeugt waren. Facebooks größter Herausforderer war und ist Valve, das Steam mit HTC Vive, SteamVR und einer offenen Plattform zum dominanten VR-Vetriebskanal machen wollte.

Nach reichlich Überzeugungsarbeit machte Zuckerberg den Oculus-Gründern um Luckey, Abrash und Iribe ein Zugeständnis: Sie durften in das Oculus-Programm eine Einstellung einprogrammieren (“Unbekannte Quellen erlauben”), mit Hilfe derer Rift-Nutzer VR-Apps anderer Plattformen wie zum Beispiel Steam starten können. Der umgekehrte Weg hingegen blieb versperrt: Wer eine HTC Vive besitzt, kann keine Software aus dem Oculus Store starten.

Aus diesem Grund programmierte der Entwickler Jules Blok den Oculus-Hack Revive, mit dem Vive-Nutzer Zugriff auf Oculus-Apps haben. Oculus reagierte prompt und schob Revive per Update einen Riegel vor, ruderte jedoch nach massiven Protesten der VR-Nutzer zurück. Seither duldet Facebook den Hack.

Valve will Vive-Nutzer an Steam binden

Palmer Luckey soll sich schon früh um eine Unterstützung von HTC Vive seitens Oculus bemüht haben. Blake J. Harris schreibt, dass der Oculus-Gründer im Herbst 2015 dazu mit HTC verhandelte. Bremsklotz für dieses Vorhaben war laut Luckey Valve: Das Unternehmen hatte das letzte Wort.

Später schrieb Luckey in einer E-Mail an seine Kollegen, dass man mit allen Mitteln versucht habe, HTC Vive auf dem gleichen Niveau in die Oculus-Plattform zu integrieren wie Oculus Rift. Luckey strebte eine Vive-Unterstützung ohne SteamVR-Bindung an, was Valve “aus offensichtlichen Gründen” verhindern wollte, weil sie “davon nichts hätten”.

Oculus trifft allerdings der gleiche Vorwurf. Valve führte zwar relativ früh SteamVR-Unterstützung für Oculus Rift ein, allerdings muss dafür parallel die Oculus-Betriebssoftware laufen. Oculus verzichtet bis heute auf Vive-Unterstützung via SteamVR. Unklar ist, ob aus Gründen des Nutzungskomforts, ob es Valve softwareseitig nicht erlaubt oder aus einem anderen Grund.

Enthüllung der Vive-Unterstützung war für die OC3 geplant

Harris beschreibt weiter, wie Palmer Luckey und Oculus’ Inhalte-Chef Jason Rubin eine Vive-Unterstützung seitens Oculus vorantrieben, die pünktlich zur Oculus Connect 3 im Oktober 2016 angekündigt werden sollte. Sie wollten eine Software entwickeln, die es Vive-Nutzern erlauben sollte, die Oculus-Plattform unter Umgehung von OpenVR, der SteamVR zugrunde liegenden VR-Betriebssoftware, zu nutzen.

Die offizielle Vive-Unterstützung sollte nicht von ungefähr auf der OC3 angekündigt werden: Die weltweite Aufmerksamkeit der Entwickler und VR-Nutzer sollte dazu führen, dass sich Valve gezwungen sähe, die Umgehung zu akzeptieren, so wie zuvor Oculus Revive akzeptierte. Doch dann kam alles anders.

Im Vorfeld der Entwicklermesse kam an die Öffentlichkeit, dass Palmer Luckey eine Anti-Clinton-Kampagne finanziell unterstützte. Die Politaffäre sorgte für einen großen Medienwirbel und machte den Oculus-Gründer innerhalb Facebooks zu einer Persona non grata. Luckey dufte seither nicht mehr für Oculus arbeiten, musste der OC3 fernbleiben und wurde im März 2017 aus dem Unternehmen geworfen.

Was aus Luckeys Vive-Projekt wurde, ist nicht bekannt. Da Luckey der große Treiber hinter der Idee war, dürfte das Vorhaben nach der Politaffäre fallengelassen worden sein. Zuckerbergs Segen dürfte die Vive-Unterstützung ohne nicht gehabt haben.

Letzte Aktualisierung am 18.07.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

Titelbild: Oculus

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