Das vor kurzem erschienene Buch “The History of the Future” beschreibt in einem bisher nicht dagewesenen Detailgrad die Entstehung des Startups Oculus und die Geschichte der jüngsten Virtual-Reality-Welle. In den ersten Kapiteln befasst sich der Autor Blake J. Harris mit den bescheidenen Anfängen des Oculus-Gründers und heutigen Multimillionärs Palmer Luckey.

Oculus’ Geschichte beginnt in einem Wohnwagen, der auf der Zufahrt eines bescheidenen Mehrfamilienhauses in Long Beach, Kalifornien steht. Er gehört dem Autoverkäufer Donald Luckey und der Hausfrau Julie Luckey, Palmers Eltern.

Der Teenager nahm den Wohnwagen in Beschlag, lebte ihn ihm und verwandelte ihn in ein Labor, in dem er ungestört seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen konnte: Er bastelte aus Spielkonsolen portable Geräte.

Als leidenschaftlicher Modder war Luckey stets auf der Suche nach exotischer Unterhaltungselektronik. Dabei stieß er eines Tages auf VR-Technologie.

Nach ersten Experimenten wurde Luckey das Potenzial der Technologie klar: Anders als alte Spielkonsolen hatte Virtual Reality das Zeug dazu, die Welt zu verändern. Der ehrgeizige Tüftler fand ein neues Ziel: Virtual Reality per Modding auf die nächste Immersionsstufe zu heben.

Ein VR-Autodidakt

In den nächsten Jahren baute Luckey die weltweit größte Privatsammlung an VR-Brillen auf. Die meisten Exemplare erwarb er über Plattformen wie Ebay, das hierzu benötigte Geld verdiente er mit Gelegenheitsjobs.

Ein besonders prunkvolles Stück seiner Sammlung war die VR-Brille “Boom 3C” der Herstellers Fakespace aus den 90er Jahren. Damals kostete das wegen seines Gewichts an einem Kran befestigte Gerät rund 90.000 US-Dollar. Luckey erwarb es für unter 100 US-Dollar.

Zwischen 2009 und 2012 schuf Luckey in seinem Labor mehr als fünfzig Brillenprototypen. Auf der Webseite Meant to be Seen in 3D (MTBS3D) tauschte er sich mit Gleichgesinnten aus dokumentierte seine Experimente.

Eine Kluft zwischen virtueller und realer Welt

Um mehr über die Funktionsweise der Boom 3C zu erfahren, kontaktierte Luckey den Fakespace-Gründer Mark Bolas, der am nahegelegenen  Institute for Creative Technologies (ICT)  der University of Southern California arbeitet. Der junge Tüftler bewarb sich im Juni 2011 um ein Praktikum und bekam die Stelle.

Etwa zur selben Zeit entwickelte Luckey “PR6”, den ersten Brillenprototyp, den er für reif genug hielt, um ihn der Welt zu zeigen. Er gab dem Gerät den Namen “Rift” (Deutsch: Kluft, Graben), “weil das Gerät eine Kluft zwischen der realen und virtuellen Welt erschafft”, wie er seinen Freunden im MTBS3D-Forum schrieb. “Ich gebe zu, das klingt ziemlich doof.”

Ein Wendepunkt

Luckey plante eine Kickstarter-Kampagne für die VR-Brille und wollte ein eigenes Unternehmen gründen. Zu dem Namen “Oculus” inspirierte ihn ein Kollege in Bolas’ Forschungslabor. Ursprünglich sollte das Startup leicht abgewandelt “Oculux” heißen, in Anspielung an das lateinische Wort “Lux” für Licht. Der Name war allerdings schon vergeben und so legte sich Luckey schließlich auf Oculus fest.

2012 war ein Wendepunkt im Leben Palmer Luckeys. Der Neunzehnjährige wollte Journalismus studieren, um Techjournalist zu werden, wurde wegen eines Computerfehlers jedoch nicht für Kurse eingeschrieben. Daraufhin bewarb sich Luckey an der USC, aber auch hier ohne Erfolg.

Luckey wusste nicht, was er machen sollte. Von der Kickstarter-Kampagne versprach er sich nicht viel. Zum damaligen Zeitpunkt glaubte Luckey, dass sich nur einige hundert Nerds für eine selbstgebaute VR-Brille interessieren würden.

Seine Zukunftsaussichten änderten sich schlagartig, als Luckey eine Nachricht von einem MTBS3D-Forennutzer erhielt, der auf seinen VR-Prototyp aufmerksam wurde und ihn zu Testzwecken ausleihen oder kaufen wollte. Sein Name: John Carmack.

Letzte Aktualisierung am 20.03.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

Titelbild: Oculus

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