HTC setzt auf eine modulare Cosmos-VR-Brillen-Plattform. Vive Cosmos Elite ist für Präzision und hier besonders Gaming gedacht. Sinnvolle Investition?

Sollte die Vive Cosmos im letzten Jahr mit Inside-Out-Tracking und einem knackscharfen Bild endlich neue Maßstäbe setzen, sorgten Tracking-Probleme bei nicht optimalen Lichtverhältnissen für signifikante Probleme.

Glücklicherweise konnte dieses Problem durch Software-Updates stark verringert werden. Darüber hinaus hatte HTC aber leider vergessen, sich aktuellen Entwicklungen auf dem Markt anzupassen: Die Einrichtungszeiten sind durch engen Sweetspot und stark von der Kopfform abhängige Halo-Halterung enorm und ich musste mich persönlich zwischen Komfort oder Bildschärfe entscheiden – beides zusammen ging nicht.

Nun möchte HTC mit austauschbaren Faceplates, also der Tracking- bzw. Kameraplatte vorn auf den Cosmos-Brillen, Modularität und Flexibilität schaffen. Das soll eine ganze Vive Cosmos-Plattform (Infos) begründen, die für individuelle Bedarfe die richtige Lösung anbietet. Teil dieser Plattform ist die für Präzision und auf Gamer ausgerichtete Vive Cosmos Elite. Wie schlägt sich diese Variante im Test?

Auch die Elite ist eine Vive Cosmos

Um es ganz klar zu machen: Die Elite ist eine Cosmos, es hat sich nur das Tracking verändert. Sie bringt sämtliche Vor- und Nachteile der Vive Cosmos (Test) mit, die ihr im Detail im verlinkten Test nachlesen könnt: Superscharfes Bild, enger Sweetspot, unkomfortable und schlecht einzustellende Halo-Kopfhalterung, unterdurchschnittliche Cosmos-Controller.

Es bleibt also eigentlich nur die Frage, ob verändertes Tracking hier einen Unterschied macht.

SteamVR-Tracking bleibt Spitze

Die Faceplate der Vive Cosmos Elite kommt mit zwei Tracking Kameras weniger als die ursprüngliche Vive Cosmos. Die beiden Tracking-Kameras an der Unter- und Oberseite der VR-Brillen-Front, die für ein deutlich größeres vertikales Trackingvolumen des ursprünglichen Inside-Out-Trackings sorgen, werden nicht mehr benötigt.

VR-Brille Vive Cosmos aus der Nähe, Frontplatte mit SteamVR Sensoren ist gut zu erkennen
Die Vive Cosmos Elite unterscheidet sich von der Vive Cosmos durch die Frontplatte, die anstelle zweier zusätzlicher Kameras SteamVR-Sensoren verbaut hat.| Bild: MIXED

Stattdessen sind insgesamt 32 Sensoren für SteamVR-Tracking darin enthalten, eine Reihe davon sichtbar durch die bekannten Sensor-Mulden, der Großteil der Sensoren befindet sich aber hinter der Faceplate. Im Test mit verschiedenen VR-Anwendungen, darunter Beat Saber (Test) im Expert-Modus, zeigt sich die Klasse des SteamVR-Trackings: Die Vive-Controller und das Headset werden perfekt nachverfolgt und auch schnellste Bewegungen präzise dargestellt.

Das SteamVR-Tracking ist einfach eine Wucht.

Vive-Controller: Die VR-Steinzeit wird mitgeschleift

Den Spaß an präziser Virtual Reality (Guide) haben mir aber die Controller nachhaltig versaut. 2016 waren die klobigen Vive Wands noch vertretbar, allerdings schafften sie es nie, Vorzeige-Controller für VR zu werden. Sie sind groß, unhandlich und kommen sich gern gegenseitig in die Quere. Vor allem aber bei schnellen Bewegungen, etwa Beat Saber, muss ich signifikant Kraft aufwenden, damit die Vive Controller nicht aus den Händen rutschen.

Hand hält HTC Vive Controller
Die Vive Controller, auch Vive Wands genannt, sind einfach überholt und längst nicht mehr zeitgemäß. | Bild: MIXED

Auch allgemeine Interaktion in anderen Spielen machen die Vive Controller im Vergleich zum Ausschlusskriterium: Wer mit Oculus Touch oder sogar Valve Index-Controllern die fein ausgearbeiteten Interaktionsmöglichkeiten in Half-Life: Alyx (Test) genossen hat, kommt sich mit den Vive Wands vor, als hätte man Boxhandschuhe angezogen – nur ohne den festen Halt.

Vive Cosmos Elite Test-Fazit: Für den Preis keine Alternative

Es ist schade, dass HTC entweder am Markt vorbei entwickelt oder nicht die Möglichkeiten besitzt, wenigstens den aktuellen Stand von Virtual Reality abzubilden. Auf einer mit vielen Unzulänglichkeiten behafteten VR-Brille (Vergleich) eine Plattform aufzubauen, ist in etwa so, als hätte man ein Einfamilenhaus auf Sand gebaut: Weil aufgrund verschiedener Mängel niemand einziehen will, baut man jetzt drumherum neue Zimmer an und diverse Stockwerke obendrauf.

Das Fundament bleibt aber das alte und die Konkurrenz rechts und links bietet deutlich mehr für weniger oder gleiches Geld. Im gleichen Preissegment ist die Valve Index (Test) deutlich bequemer, hat eine höhere Bildrate, besseren Sound und ausgefeilte VR-Controller. Außerdem kommt die Index direkt mit den SteamVR-Basisstationen 2.0, während HTC die Cosmos Elite-Kunden nur mit den 1.0-Versionen versorgt. Fairerweise muss ich sagen, dass das für den Normalanwender in der Funktion keinen Unterschied macht – allerdings bekomme ich bei der Index einfach mehr fürs Geld.

Wer zur Oculus Quest (Test) greift, bekommt für deutlich weniger Geld eine autarke VR-Brille mit sehr gutem Inside-Out-Tracking, kann innerhalb von wenigen Minuten losspielen, hat sehr gute VR-Controller dabei und kann via Oculus Link (Infos) fast alle PCVR-Spiele zocken, die Oculus oder Steam zu bieten haben. Dazu kommt mit der HP Reverb G2 im Herbst weitere vielversprechende Konkurrenz.

Nach meinem zweiten Test einer Cosmos-VR-Brille, habe ich starke Zweifel daran, dass HTC eine valide Marktstrategie verfolgt. Allein die VR-Controller-Keulen seit vier Jahren von Headset zu Headset mitzuschleppen, zeigt, dass sie entweder nur noch im Konsumentenmarkt mitnehmen, was zufällig ins Boot springt, und ihre Fokuskundschaft ganz woanders liegt, oder dass HTC über die letzten Jahre völlig aus den Augen verloren hat, worauf es bei Virtual Reality ankommt: solide Technik und Zugänglichkeit.

Mein Fazit zur Cosmos Elite: Top-Tracking reicht nicht aus, schon gar nicht, um satte 1.000 Euro aufzurufen. Dass ich die Faceplate abnehmen und auf Inside-Out-Tracking wechseln kann ist nett, aber dürfte für die wenigsten Nutzer ein regelmäßiges Anwendungsszenario darstellen, zumal vorher noch in die Cosmos-Controller investiert werden müsste. Das Preis-Leistungs-Verhältnis steht daher in keinem Verhältnis zu den attraktiveren Konkurrenzangeboten. Das HTC-Märchen von der Premium-Zielgruppe ist endgültig auserzählt.

Vive Cosmos Elite ist für euch geeignet, wenn …

  • ihr Top-SteamVR-Tracking wollt, aber keine Valve Index,
  • ihr eine reine PCVR-Brille mit Inside-Out-Tracking auch mal abseits der Basisstationen nutzen wollt,
  • und der Vive Wireless Adapter (muss zusätzlich gekauft werden) für euch interessant ist.

Vive Cosmos Elite ist für euch nicht geeignet, wenn …

  • ihr eine VR-Brille wollt, die als Gesamtpaket überzeugt,
  • gute VR-Controller für euch essenziell sind,
  • ihr ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis wünscht.

Die Vive Cosmos Elite bekommt ihr hier

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