Zukunft mit Tech-Brillen: Würdet ihr damit euer Smartphone ersetzen?

Zukunft mit Tech-Brillen: Würdet ihr damit euer Smartphone ersetzen?

Mit TCL meldet ein weiteres chinesisches Technologie-Unternehmen Anspruch auf die Datenbrillenzukunft an. Ein erstes Konzeptvideo zeigt, wie wir in Zukunft mit einer Tech-Brille statt dem Smartphone durch den Alltag navigieren.

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Videobotschaften beim Frühstück ansehen, dem Hund im Smart Home die Tür öffnen, ins Büro navigieren und dort auf digitalen Displays die Arbeit verrichten – das und mehr soll TCLs prototypische Thunderbird-Brille eines Tages leisten können.

Das Smartphone? Bleibt in der Tasche. Der Blick? Ist stets nach vorne gerichtet.

Thunderbird Smart Glasses Pioneer Version von TCL vorgestellt

Kurz nach Xiaomis AR-Konzeptvideo legt TCL mit einer eigenen Zukunftsbrillen-Vision nach: Die „Thunderbird Smart Glasses Pioneer Version“ sollen seit rund drei Jahren in Entwicklung sein. Gebaut wird das Gerät von Thunderbird Innovations, einem von TCL finanzierten Tech-Start-up.

Besonders viel Arbeit floss in die Entwicklung des vier Mikrometer kleinen MicroLED-basierten Wellenleiter-Displays, das anders als Xiaomis Displaytechnik das gesamte Farbspektrum abdecken kann.

TCL und Thunderbird heben die selbstentwickelte MicroLED-Wellenleiter-Technologie besonders hervor. Sie soll eine gute Bildqualität bei geringem Energieaufwand bieten.

TCL und Thunderbird heben die selbst entwickelte MicroLED-Wellenleiter-Technologie besonders hervor. Sie soll eine gute Bildqualität bei geringem Energieaufwand und vollem Farbumfang bieten. | Bild: TCL

Thunderbird und TCL schreiben, dass optische Wellenleiter in Kombination mit MicroLED die Schlüsseltechnologie für zukünftige schlanke AR-Brillen ist. Die beiden Unternehmen beanspruchen algorithmische Innovationen, die bei der Entwicklung der Anzeigetechnologie und deren Bildqualität geholfen haben sollen.

Der Formfaktor erinnert an eine gewöhnliche Brille mit etwas dickeren Bügeln. Im Nasenbügel ist eine Kamera für Fotos und Videos eingelassen, in den Brillenbügeln sitzen Lautsprecher und Touchflächen für die Bedienung. TCL verspricht insgesamt eine gelungene Balance aus Funktion, Formfaktor und Energieverbrauch.

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TCLs Datenbrillen-Vorschlag sieht, abseits der ziemlich großen Gläser und etwas dickeren Bügeln, recht gewöhnlich aus. Bei Datenbrillen ist das eine gute Sache. | Bild: TCL

TCLs Datenbrillen-Vorschlag sieht, abseits der ziemlich großen Gläser und den etwas dickeren Bügeln, recht gewöhnlich aus. Bei Datenbrillen ist das eine gute Sache. | Bild: TCL / Thunderbird

Fortschrittliche AR-Funktionen wie Raumtracking sind nicht vorgesehen, die Thunderbird-Brille funktioniert derzeit wie ein Smartphone-Display für die Nase. Ein Veröffentlichungszeitpunkt oder ein Preis für das prototypische Gerät sind nicht bekannt. TCL gibt als Zeithorizont für die Brillen-Zukunft drei bis fünf Jahre an.

Der Gesichtscomputer als Standard-Interface

In einem Video zeigt TCL, wie es sich unseren zukünftigen Datenbrillen-Alltag vorstellt, in der das Smartphone fast keine Rolle mehr spielt. Der Brillenträger im Video steuert alles per Gesichtscomputer: von der Haustür im Smart Home über Fotos und Videos bis zur E-Mail im Büro.

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Bei einigen der gezeigten Anwendungsszenarien hat der Gesichtscomputer klar die Nase vorne, gerade dann, wenn keine Hand frei ist fürs Smartphone, zum Beispiel bei der digitalen Navigation auf dem Fahrrad.

Auch digitale Bildschirme im Büro sind praktisch, jedenfalls dann, wenn man den Bildschirminhalt nicht mit Kolleg:innen vor Ort teilen muss. Oder es tragen eben alle Datenbrillen. Für Brillenträger:innen ist eine Tech-Brille wahrscheinlich eine einfache Wahl im Vergleich zum Smartphone.

Smartphone, Brille, Smartphone & Brille?

Als Nicht-Brillenträger stelle ich mir die Frage, ob ich als Alltagscomputer eine Tech-Brille dem Smartphone vorziehen würde: Das Argument, nicht ständig runter aufs Smartphone schauen zu müssen, ist ein gutes. Allerdings habe ich dafür permanent eine Brille auf der Nase, deren Nutzen sich mir nur dann erschließt, wenn ich gerade Zugriff auf digitale Inhalte benötige – was zwar oft am Tag ist, aber eben nicht durchgehend.

Wenn ich mein Smartphone bewusst nur gelegentlich nutzen möchte, dann liegt es daher meines Erachtens beim Nutzungskomfort vorne: Ich kann es praktischer und schneller in die Hand nehmen als die Brille auf- und abziehen. Häufig teile ich Inhalte zudem mit Menschen um mich herum, indem ich mein Smartphone-Display zeige oder das Gerät herumreiche. Auch solche Annehmlichkeiten fielen mit einer Datenbrille weg oder sie würden zumindest komplizierter (es sei denn, siehe oben, alle tragen eine Datenbrille).

Andere Aspekte wie Rechenleistung, Bild- und Fotoqualität, bei denen der Taschencomputer den Gesichtscomputer auf absehbare Zeit schlagen wird, kämen auf der Argumentationsliste Pro-Smartphone noch hinzu. Eine mögliche Datenschutzdiskussion über Kamerabrillen erwähne ich an dieser Stelle nur am Rande.

Ein ergänzendes Miteinander zwischen Smartphone und Tech-Brille – ähnlich wie bei Smartphone und smarter Uhr – halte ich daher für wahrscheinlicher als die eine Tech-Alltagsbrille, die das Smartphone weitgehend ablöst. Es gibt für beide Geräte gute Argumente und sinnvolle Anwendungsszenarien. Das gilt für TCL ebenso wie für Apple oder Facebook.

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