Facebook Ray-Ban Stories: Kamerabrille in der Datenschutz-Kritik

Facebook Ray-Ban Stories: Kamerabrille in der Datenschutz-Kritik

Mit Ray-Ban Stories schickt Facebook einen ersten Testballon für eine Kamerabrille auf die Reise. Es könnte ein kurzer Flug werden: EU-Datenschutzbehörden haben die Flinte bereits angelegt.

Anfang September stellte Facebook die Kamerabrille Ray-Ban Stories vor und veröffentlichte sie unmittelbar nach der Vorstellung in den USA, Australien, Kanada, Irland, Italien und in UK.

Schon bei der Vorstellung widmete sich Facebook – für die eigenen Verhältnisse – ausführlich dem Thema Datenschutz. So würde der Aufnahmemodus der Brille durch eine gut sichtbare LED am Brillengestell gekennzeichnet.

Außerdem gibt der Datenkonzern den ersten Käufer:innen fünf gut gemeinte Datenschutz-Ratschläge mit auf den Weg: Sie sollten sich etwa an geltendes Gesetz halten, nicht auf öffentlichen Toiletten filmen und die Aufnahme-LED nicht abkleben, da dies gegen die Nutzungsbedingungen verstoße.

Facebooks Grundsätze für eine verantwortungsvolle Ray-Ban Stories-Nutzung sind sicher gut gemeint.

Facebooks Grundsätze für eine verantwortungsvolle Ray-Ban Stories-Nutzung werden die EU-Datenschutzbehörden nicht befriedigen. | Bild: Facebook / Ray-Ban

Datenschutzproblem gelöst? Wohl kaum.

Irland: Datenschutzbehörde kritisiert „sehr kleine“ Aufnahme-LED

Die irländische Datenschutzbehörde Data Protection Commission (DPC) kritisiert insbesondere die „sehr kleine“ Aufnahme-LED an der Brille. Auch erste Tests zu Ray Ban Stories erwähnen, dass die weiße LED schlecht zu erkennen sei.

Die DPC beschreibt die LED als möglicherweise unzureichenden Mechanismus, um Personen davon in Kenntnis zu setzen, dass sie gerade gefilmt werden. Außerdem habe Facebook die mögliche Datenschutzgefährdung durch die Kamerabrille nicht in Praxistests ausgeschlossen.

Entsprechend fordert die DPC Facebook zu einem Nachweis auf, dass die LED-Leuchte ihren Zweck erfüllt. Außerdem solle Facebook eine Informationskampagne starten, die die Öffentlichkeit „alarmiert“, dass die Stories-Brille zu „weniger offensichtlichen Aufnahmen“ führen könne.

Bei Smartphones oder herkömmlichen Kameras sei es für unbeteiligte Personen offensichtlich und bekannt, dass sie aufgenommen werden könnten, begründet die Behörde ihre spezielle Anforderung an die Kamerabrille. Bei ihrem Vorstoß wird die DPC von der italienischen Datenschutzaufsichtsbehörde Garante unterstützt.

Ray-Ban Stories: Facebooks großer Augmented Reality Akzeptanztest?

Da Facebooks EU-Firmensitz ebenfalls in Irland ist, kommt der DPC eine besondere Rolle zu bei der Regulierung von Facebooks Datengeschäften. Eine Entscheidung in Irland könnte wegweisend sein für den europäischen Umgang mit Kamera- und Sensorbrillen.

Facebook gibt sich in einer ersten Stellungnahme kooperativ: „Wir wissen, dass die Menschen Fragen zu den neuen Technologien und ihrer Funktionsweise haben, und es ist uns wichtig, dass wir an diesem Gespräch teilhaben. Wir werden mit unseren Regulierungspartnern zusammenarbeiten, einschließlich der irischen DPC als unserer federführenden Regulierungsbehörde, um den Menschen zu helfen, mehr darüber zu erfahren, wie diese neue Technologie funktioniert und welche Kontrollmöglichkeiten sie bietet.“

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg will eines Tages mit fortschrittlichen AR-Brillen das Smartphone ablösen. Dafür muss er eine schwierige Datenschutzdebatte führen. Ist die eher nutzlose Kamerabrille Ray-Ban Stories nur ein Diskussionsaufhänger? | Bild: Facebook

Wer sich nun wundert, weshalb Facebook eine eher nutzlose Kamerabrille auf den Markt bringt, die sich aller Voraussicht nach schlecht verkaufen wird und noch dazu schwierige Diskussionen mit Datenschutzbehörden auslöst: Wahrscheinlich ist genau diese Debatte das eigentliche Ziel von Ray-Ban Stories.

Denn anhand der Markteinführung von Stories lernt Facebook für die Veröffentlichung zukünftiger, fortschrittlicher AR-Brillen, die mit noch mehr Kameras und Sensoren ausgestattet sein werden als Stories. Projet Aria ist ein Beispiel für so eine Sensorbrille. Mit Stories schafft Facebook so einen ersten Trampelpfad für Kamerabrillen und bereitet womöglich den Weg für die eigene AR-Zukunft.

Facebook Ray-Ban Stories – Podcast zur Kamerabrille

Über Facebooks Pläne mit Ray-Ban Stories sprechen wir ausführlich im MIXED.de Podcast #264. Wir überlegen, für wen die Stories-Brille interessant ist, ob sie das Potenzial hat für einen Verkaufsschlager und weshalb es Facebook wahrscheinlich ziemlich egal ist, ob sich die Stories-Brille häufig verkauft oder nicht.

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Quelle: Techcrunch