Second Life: Ab ins Metaverse – Gründer will es noch mal wissen

Second Life: Ab ins Metaverse – Gründer will es noch mal wissen

Der Second-Life-Miterfinder Philip Rosedale kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Mit ihm und im Zuge des Metaverse-Hypes soll Second Life wieder Fahrt aufnehmen.

Mit Werbeeinnahmen bezahlen wir unsere Redakteur:innen.
Mit einem MIXED-Abo kannst Du unsere Seite werbefrei lesen.

Second Life wird häufig als Flop bezeichnet. Zu Unrecht, betrachtet man die Zahlen: Der Metaverse-Vorreiter hat laut Brett Linden, Marketing-Chef des Entwicklungsstudio Linden Lab, mehr als 70 Millionen registrierte Nutzer:innen. Zehntausende von ihnen sind nach aktuellen Statistiken noch immer monatlich aktiv.

Laut Linden Lab hat Second Life im 19. Jahr seit dem Go-live gerade „eines der stärksten Jahre aller Zeiten hinter sich“. Das Unternehmen spricht von „einer wachsenden Nutzerbasis und einer boomenden Wirtschaft, die ein jährliches BIP von 650 Millionen US-Dollar mit 345 Millionen Transaktionen von virtuellen Waren, Immobilien und Dienstleistungen aufweist.“

Der Marktplatz in Second Life soll mehr als zwei Milliarden von Nutzer:innen generierte Güter und acht Millionen einzigartige Güter bieten.

Ab ins Metaverse: Aller guten Dinge sind drei?

Dass Second Life in der Außenwirkung häufig dennoch als Misserfolg gilt, liegt wohl an zu hochgesteckten Ansprüchen. Als der Second-Life-Wirbel circa 2007 seinen Höhepunkt erreichte, proklamierte unter anderem Miterfinder Philip Rosedale bereits das Metaverse-Zeitalter: „Das 3D-Web wird sich schnell durchsetzen und jeder wird einen Avatar haben“, sagte Rosedale damals.

Heute wissen wir, dass es anders kam: Second Life gibt es zwar noch immer, aber unseren Alltag dominieren leicht zu bedienende Social-Media-Dienste auf dem Smartphone. Es geht um Videos, Fotos, kurze Nachrichten – nicht um Begegnungen zwischen Avataren in einer ausladenden digitalen Parallelwelt.

Sine_Wave_Breakroom_3D_Audio

High Fidelity sollte eine 3D-VR-Version von Second Life werden – aber scheiterte laut Rosedale an unausgereifter VR-Technik. | Bild: High Fidelity

Im Zuge des VR-Hypes startete Rosedale 2013, nach seinem Rückzug bei Linden Lab, einen zweiten Metaverse-Versuch. Doch seine Virtual-Reality-Plattform High Fidelity scheiterte trotz Millionen-Investitionen kolossal. Schuld an dieser Misere hatte für Rosedale insbesondere die klobige, unausgereifte VR-Brille. Auch Linden Labs eigene VR-Welt Sansar war nicht erfolgreich.

Philip Rosedale: Ein zweites Leben mit Second Life

Jetzt gibt Rosedale überraschend bekannt, dass er zu Linden Lab zurückkehrt – für ein zweites Leben mit Second Life. Bei seinem alten Studio will er als strategischer Berater agieren und es im Zuge des Metaverse-Hypes bei der Expansion unterstützen.

logo
  • checkMIXED.de ohne Werbebanner
  • checkZugriff auf mehr als 9.000 Artikel
  • checkKündigung jederzeit online möglich
ab 2,80 € / Monat
logo

Mit Werbeeinnahmen bezahlen wir unsere Redakteur:innen.
Mit einem MIXED-Abo kannst Du unsere Seite werbefrei lesen.

Bradford Oberwager, Vorsitzender der Second Life-Muttergesellschaft Linden Research, will Second Life mithilfe von Rosedale neuen Schwung verleihen. Kommende Upgrades der Digitalwelt sollen sich auf soziale und wirtschaftliche Komponenten konzentrieren. Second Life soll wieder wachsen.

Als Motivation für seine Rückkehr nennt Rosedale das aus seiner Sicht kritische Werbe-Geschäftsmodell von Konzernen wie Meta, das sich im Metaverse-Kontext als noch schädlicher erweisen soll. „Ich glaube, dass es ein echtes, existenzielles Risiko durch die Art und Weise gibt, wie es umgesetzt wird“, sagt Rosedale dem Wall Street Journal.

„Niemand ist auch nur annähernd in der Lage, eine virtuelle Welt wie Second Life aufzubauen“, sagt Rosedale bei seiner Rückkehr. „Big Tech, das VR-Brillen verschenkt und auf werbegesteuerte, verhaltensmodifizierende Plattformen ein Metaversum aufbauen will, wird keine magische, einheitliche digitale Utopie für alle schaffen.“

Second Life hingegen sei eine „positive, bereichernde Erfahrung für seine Bewohner“, biete Platz für Millionen weitere Nutzer:innen und habe ein „florierendes Abonnementgeschäft“. „Virtuelle Welten müssen keine Dystopien sein“, sagt Rosedale.

Er bringt neben seinem Erfahrungsschatz eine kleine Gruppe Entwickler:innen, eine Reihe von Patenten sowie eine nicht näher bezifferte finanzielle Beteiligung über seine eigene Firma High Fidelity mit.

Dass Rosedale, ähnlich wie Meta, bei Second Life verstärkt auf Virtual Reality setzt, ist eher unwahrscheinlich. Anfang Dezember 2021 äußerte er sich noch kritisch über Metas Metaverse-Pläne und VR-Technik generell: „Die Leute wollen nicht den ganzen Tag mit einer VR-Brille als Cartoon-Avatar herumlaufen“, sagte Rosedale. Über seine Meta-Kritik sprechen wir ausführlich im MIXEDCAST #276.

Weiterlesen und hören über das Metaverse:

Quellen: Linden Lab, Daniel Voyager