Riech-VR: Carmack kann sich gute Lösung vorstellen

Riech-VR: Carmack kann sich gute Lösung vorstellen

Bislang scheiterten alle Versuche, Riech-VR zu ermöglichen. Für VR-Guru John Carmack ist die Technologie damit nicht vom Tisch.

Der Begriff der Virtual Reality enthält die Vorstellung einer alle Sinne umfassenden Simulation. In der höchsten Ausbaustufe müsste man virtuelle Welten demnach nicht nur sehen und hören, sondern auch fühlen, schmecken und riechen können.

Während das virtuelle Sehen und Hören und teils auch Fühlen heute schon relativ gut umgesetzt sind, lassen sich die übrigen beiden Sinne nur äußerst schwer simulieren.

Versuche, Riech-VR zu ermöglichen, gehen weit zurück in der Geschichte der Virtual Reality. Schon 1962 baute der Erfinder Morton Heilig das „Sensorama“: einen VR-Automaten, der fast alle Sinne, einschließlich des Riechsinns, anspricht. Zu einer Massenfertigung kam es nicht und so blieb das Sensorama ein Kuriosum der Tech- und VR-Geschichte.

Diese Start-ups scheiterten an Riech-VR

Aus der jüngeren VR-Geschichte gibt es Beispiele für eine ganze Reihe von VR-Geruchssimulatoren. 2018 brachte das japanische Start-up Vaqso ein Geruchsmodul heraus, das mit handelsüblichen VR-Brillen (Vergleich) kompatibel ist und mit fünf Kapseln befüllt werden kann, die verschiedenste Gerüche verströmen: von Wald, Erde und Pflanzen über Kaffee und gebratene Hühnchen bis hin zu Zombie- und Menschengeruch – was auch immer das heißt. Leider blieb es beim 1.000 US-Dollar teuren Entwicklerkit.

Nicht viel erfolgreicher war das Start-up Feelreal, das sich an einem Geruchsmodul für VR-Brillen versuchte. Die erste Kickstarter-Kampagne von 2015 scheiterte, bei der zweiten vier Jahre später kam immerhin genug Geld zusammen, um das Projekt ernsthaft anzugehen.

Die „multisensorische VR-Maske“ sollte ähnlich wie Vaqsos Modul an der Unterseite der VR-Brille befestigt werden und neben Gerüchen auch Wärme, Dunst und Vibrationen absondern.

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Die Feelreal-Maske war mehr als nur ein Riechmodul und sollte auch Wind, Nebel und Hitze simulieren. | Bild: Feelreal

Nosulus Rift und Porno-Geruch

Ein marktreifes Produkt wurde leider nicht daraus. Ende 2020 verweigerte die US-Lebensmittelbehörde FDA die Zulassung des Geräts, weil es sich um ein Vaping-Produkt handelt, bei dem verdampfte Flüssigkeiten freigesetzt und inhaliert werden. Entsprechende Produkte wurden damals wegen gesundheitlicher Bedenken vom US-Markt genommen.

Das Feelreal-Team wollte laut eigenen Aussagen eine Modifikation an der Riechmaske vornehmen, um doch noch eine Zulassung zu bekommen. Seither hörte man jedoch nichts mehr vom Start-up.

Neben diesen beiden Versuchen gab es auch weniger ernst gemeinte Riech-VR-Produkte. Auf dem Höhepunkt des VR-Hypes stellte Ubisoft die Geruchsmaske Nosulus Rift vor, das für ein South Park-Spiel Pupsgeruch verströmte und eine Ohroma genannte Geruchsmaske sollte Darsteller in VR-Pornos riechbar machen.

Zudem gab es vor Jahren spezielle Duftkerzen für VR-Spiele wie Resident Evil 7, Skyrim VR und Fallout 4 VR zu kaufen. Die RE7-Kerze verströmte zum Beispiel den Geruch von „Blut und morschem Holz“.

Große Hürden für Riech-VR

VR-Geruchsmodul dürften es aus mehreren Gründen schwer am Markt haben. Wie man an Feelreals Beispiel sieht, können gesundheitliche Bedenken eine Rolle spielen und die Marktzulassung verhindern, da es sich in den meisten Fällen um Geräte handelt, die Nutzer aromatische Dämpfe einatmen lassen. Zum anderen müssten man Geruchskapseln wohl regelmäßig auswechseln, was mit zusätzlichen Kosten und Aufwand verbunden wäre.

Eine weitere Hürde ist, dass sich nur eine sehr begrenzte Zahl von Gerüchen simulieren ließen, wodurch sich der Mehrwert in Grenzen hält.

Wer sich mit dem Geruchssinn beschäftigt hat, weiß, dass sich Geruchsnoten nicht aus elementaren Komponenten zusammensetzen lassen, wie zum Beispiel ein Bildschirm aus den Grundfarben Rot, Blau und Grün. Das macht es schwierig, eine Bandbreite von Gerüchen zu simulieren.

Zu guter Letzt müssten VR-Spiele auf breiter Basis so programmiert oder angepasst werden, dass sie das betreffende Geruchsmodul unterstützen. Ob Entwickler diesen Aufwand für ein Nischenzubehör auf sich nähmen, ist äußerst fraglich.

Mit den offiziellen Duftkerzen soll man die nukleare Apokalpyse sowie schneebedeckte Berge und Pinienwälder riechen können.

Es muss nicht immer Highend sein: Die Skyrim VR-Duftkerze. | Bild: Numskull / Bethesda

Gute Geruchssimulation: Vorstellbar für Carmack

Für VR-Guru und Facebook-Technikberater John Carmack sind Geruchsmodule deshalb nicht vom Tisch, zumindest mittel- und langfristig.

Auf Twitter machte er kürzlich auf die Fallstricke der Technologie aufmerksam, zum Beispiel, dass sich mit herkömmlichen Methoden nur wenige, unterschiedliche Gerüche simulieren ließen und argumentierte zugleich dafür, die Technologie deshalb nicht voreilig zu disqualifizieren.

Weil selbst ein vergleichsweise primitives haptisches Feedback, etwa mittels vibrierender VR-Controller, durchaus Wert haben kann für Virtual Reality, könnte das Gleiche womöglich auch auf Geruchssimulation zutreffen.

In einem zweiten Tweet schreibt Carmack, dass er nicht an Mechanismen glaube, die auf dem Aussondern von Flüssigkeiten beruhen. Er könnte sich jedoch ein System ohne mechanische Teile vorstellen, das mithilfe elektrischer Impulse gerade so viel Moleküle einer künstlichen Substanz freisetzt, dass man etwas riechen könnte.

Mit so einem System würde selbst eine kleine Menge Substanz ausreichen, um lebenslang Gerüche zu simulieren – ohne Nachfüllbedarf.

Quelle: Twitter, Titelbild: Feelreal

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