Facebook Ray-Ban Stories: Wie die Datenbrille entstand

Facebook Ray-Ban Stories: Wie die Datenbrille entstand

Mit Ray-Ban zusammen will Facebook schaffen, was Google misslang: eine Datenbrille etablieren, die Menschen gerne tragen. In einem Podcast erfährt man, wie die beiden Unternehmen zusammenarbeiteten und von welchen Design-Prinzipien sie sich leiten ließen.

Als Mark Zuckerberg Anfang September die Ray-Ban Stories (Infos) in einem Trailer vorstellte, saß ein junger Italiener neben ihm: Rocco Basilico, der Wearables-Chef von EssilorLuxottica.

Basilico hat Karriere gemacht beim italienischen Brillen- und Linsenhersteller Luxottica, der 2018 mit einem weiteren mächtigen Optikspezialisten namens Essilor fusionierte. Das daraus hervorgegangene Unternehmen EssilorLuxottica gilt auf dem Brillenmarkt als Quasi-Monopolist, ähnlich wie Facebook im Social-Media-Bereich. EssilorLuxottica gehören eine Vielzahl Brillenmarken, darunter Oakley, Persol und nicht zuletzt Ray-Ban.

Facebooks Andrew Bosworth, seines Zeichens Leiter der Facebook Reality Labs und baldiger Facebook-Technikchef, lud Basilico anlässlich der Vorstellung der Ray-Ban-Stories in seinen Podcast „Boz to the Future“. Dort sprach er mit Rocco Basilico über die Vision des gemeinsam entwickelten Produkts, den Schnittbereich von Mode und Technologie und die Anwendungsszenarien der Kamera- und Audiobrille, die Facebooks erster Schritt in Richtungen Daten- und AR-Brillen ist.

Enge Formvorgaben seitens Ray-Ban

Es war Basilico, der die Kooperation zwischen Facebook und EssilorLuxottica anstieß, als er Mark Zuckerberg eine E-Mail schrieb und zur Zusammenarbeit an einer Datenbrille einlud. Eine Gruppe von Facebook-Managern reiste daraufhin nach Italien und steckten mit Rocco Basilico die Ziele des Projekts ab: Ray-Ban sollte das Design, Facebook die Technologie liefern.

Das Aussehen und Design einer Brille sei immens wichtig, weil sich die Menschen gut fühlen wollen mit etwas, das sie im Gesicht tragen, sagt Basilico. Beim Bau von Techbrillen müsse zuerst diesem Umstand Rechnung getragen werden und erst danach der Technologie.

Ray-Ban-Designer gaben Facebook deshalb vor, an welchen Stellen die klassischen Brillengestelle etwas größer werden könnten, um Technologie in sich aufzunehmen. Ausschlaggebend war, dass die Wiedererkennbarkeit des Ray-Ban-Designs und der Tragekomfort nicht leide.

Ray-Bans technologische Anfänge

Basilico sieht das Aufkommen von Datenbrillen als einen weichen Übergang und nicht etwas vollkommen Neues, da Brillen schon immer eine technologische Funktion für ihre Träger:innen erfüllten und nicht nur modisches Accessoire seien.

Der Wearables-Chef verweist auf Ray-Bans Entstehungsgeschichte und macht auf die Anfänge der Brillen als Militärtechnologie aufmerksam. Die in den 1930er-Jahren im Auftrag des US-Militärs entwickelten ersten Ray-Ban-Brillen wurden mit einer speziellen Beschichtung versehen, die Ultraviolett- und Infrarot-Lichtstrahlen blockt und Kampfpiloten besser sehen lässt.

Daher kommt auch der Markenname Ray-Ban (Deutsch: „Strahlen-Bann“). Erst in den 50er- und 60-Jahren wurden die Brillen weltberühmt, als Hollywoodstars begannen, sie in Filmen und in der Öffentlichkeit zu tragen.

Basilico ist überzeugt, dass Verbraucher sich mehr Funktionalität von Brillen wünschen – sofern diese nicht der Form und dem Tragekomfort schadet.

Ray-Ban Stories: Wer braucht sie wofür?

Die Ray-Ban Stories bieten einige Zusatzfunktionen: Die Techbrille kann Videos drehen, Fotos schießen und Audio abspielen. Die Frage ist, ob diese Features ein Kaufgrund für Konsumenten sind, die schon ein Smartphone in der Tasche haben oder Bluetooth-Kopfhörer in den Ohren.

Richtig interessant wäre die Brille wohl erst mit einem integrierten Display. Ob Verbraucher:innen zugreifen, muss sich deshalb erst zeigen. Erste Tests der Ray-Ban Stories fallen zwiespältig aus, zumindest was den Nutzen der Techbrille angeht.

Basilico sieht das schlagende Anwendungsszenario der Ray-Ban Stories in der Möglichkeit, im Moment präsent zu bleiben: Man könne sich voll und ganz auf die Menschen und die Umgebung konzentrieren, während man filme oder Fotos mache.

Mit einem Smartphone sei das nicht möglich, weil sich das Gerät zwischen Welt und Nutzer:in schiebt. Außerdem hätten die Filme und Fotos eine besondere Qualität, da sie die Blickperspektive der Brillenträger:innen wiedergeben.

Klar ist, dass Konsumenten erst an diese Art von Brille herangeführt werden müssen. In funktioneller und insbesondere datenschutztechnischer Hinsicht.

Den Boz to the Future Podcast mit Rocco Basilico findet ihr bei Apple Podcasts, Spotify und Facebook.

In der MIXED.de-Podcast Folge #264 unterhielten wir uns ebenfalls über Ray-Ban Stories, die Anwendungsszenarien und Marktchancen. Spezifikationen und weitere Informationen zur Techbrille findet ihr im Artikel Ray-Ban Stories: Facebooks erste Datenbrille.

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Quelle: Boz to the Future Podcast