Ray-Ban Stories: So urteilen Tester über die Facebook-Brille

Ray-Ban Stories: So urteilen Tester über die Facebook-Brille

Mit Ray-Ban Stories betritt Facebook den Markt für Datenbrillen. Die US-Presse durfte das Wearable bereits ausprobieren. Wie lautet deren Fazit? 

Die Datenbrille wurde in enger Zusammenarbeit mit Ray-Ban entwickelt und kommt in zwanzig Varianten. Mit dem Wearable kann man aus der Blickperspektive Videos drehen und Fotos schießen, Musik und Podcasts hören und Anrufe entgegennehmen. Ein Display für AR-Funktionen fehlt (noch).

Vertrieben wird die Datenbrille von Ray-Bans Mutterfirma EssilorLuxottica. Das Facebook-Logo ist auf der Brille selbst nicht zu sehen. Die Datenbrille ist vorerst in den USA, Australien, Kanada, Irland, Italien und in UK erhältlich. Der Preis beträgt 299 US-Dollar.

Mehr Informationen zu Facebooks erster Datenbrille stehen in unserem Ray-Ban Stories Info-Artikel.

The Verge: Die bequemste, unauffälligste Datenbrille

Alex Heath konnte die Ray-Ban Stories eine Woche lang tragen und testen. Er zeigt sich beeindruckt von der hohen Verarbeitungsqualität und davon, wie gut die Datenbrille funktioniert: Die Kopplung mit dem Smartphone sei leicht und das Übertragen von Videos in die separate Facebook View-App dauere lediglich Sekunden via Wi-Fi.

Die integrierten Lautsprecher klängen laut und voll. Für das Entgegennehmen von Anrufen und das Hören von Podcasts sei die Datenbrille nützlich, fürs Musikhören bevorzugt Heath richtige Kopfhörer. Der Audio-Output sei vernehmbar für Personen, die in der Nähe stehen.

Die Kameras sind nicht so hochwertig wie die moderner Smartphones, schreibt Heath.

Das Beste an den Ray-Ban Stories sei ihr Formfaktor. Heath hat viele Wearables dieser Kategorie getestet und findet, Facebooks Datenbrille sei bei Weitem die bequemste. Die Technik sei so gut versteckt, dass man kaum merkt, dass überhaupt eine Kamera eingebaut ist.

Das weiße LED-Signallicht ist Heath zufolge recht schwach, was Bedenken hinsichtlich Privatsphäre aufwerfen könnte, wenn Unbeteiligte nicht erkennen, dass die Brille Fotos oder Videos aufnimmt.

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Die Datenbrille kommt in drei ikonischen Ray-Ban-Designs: Wayfarer, Meteor und Round. | Bild: Ray-Ban

Techchrunch: „Ein sehr wichtiges Produkt“

Für Lucas Matney setzt die Ray-Ban Stories den Traum um, den Snaps Spectacles nur träumten, dank unauffälligem Design und der Audio-Zusatzfunktion. Facebooks erste Datenbrille fühle sich nicht wie ein Facebook-Produkt an, da das Logo nirgends zu sehen sei.

Sie trage sich ziemlich unauffällig: Die Kameras würden eher auffallen als die geringfügig dickere Fassung und Bügel. Das allein sei ein revolutionärer Fortschritt.

Die Foto- und Videoqualität der Brille bezeichnet Matney als mittelmäßig, was angesichts der Größe des Geräts verzeihbar sei. Die Qualität liege in etwa auf dem Niveau, auf dem sich Smartphone-Kameras vor etwa zehn Jahren befanden. Es bestehe also noch viel Verbesserungsbedarf. Auch Matney findet, dass das Signallicht ein schwacher Indikator für Unbeteiligte ist.

Die Lautsprecher seien überraschend gut in stillen Räumen und unbefriedigend in lauten Umgebungen. Da man die Datenbrille vor allem draußen trage, sei das ein Problem. Als AirPods-Ersatz würden sie ohnehin nicht taugen. Die Mikrofone ließen zu viel Hintergrundgeräusche durch, was das Telefonieren beeinträchtigen könne. Die Batterielaufzeit sei überraschend solide, dass die Brille nicht wasser- oder spritzfest ist hingegen bedauerlich.

Alles in allem sei die Ray-Ban Stories ein „sehr wichtiges Produkt“, dass von der Idee eines Gesichts-Wearables überzeugt. Die Brille habe ein schickes Design und sei unauffällig. Facebook habe für diesen Formfaktor allerdings viele Opfer gebracht, da die Brille nichts besonders gut mache.

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Facebook-CEO Mark Zuckerberg trägt die Datenbrille während der Vorstellung. | Bild: Facebook

CNET: „Enttäuschend vertraut“

Scott Stein findet Facebooks erste Datenbrille „enttäuscht vertraut“. Das Wearable sei eine Mischung aus Snaps Spectacles und den Bose Frames mit einem großen Fragezeichen, was danach komme. Der CNET-Redakteur ist überrascht, dass Facebook technologisch nicht weiter gegangen sei.

Das Interessanteste an den Ray-Ban Stories sei, dass sie Ray-bans sind. Und beinahe normal wirken, wären die Bügel nicht etwas dicker. Freunde und Verwandten wären überrascht gewesen, als sie hörten, dass es sich um eine Tech-Brille handelt.

Stein ist wie seine Kollegen wenig beeindruckt von der Audioqualität, die jedoch ihren Zweck erfülle: Fürs Hören von Podcasts oder etwas Musik seien die Lautsprecher gut genug. Wenn man nahe genug stehe, könne man mitlauschen, was Brillenträger:innen hören oder mit wem sie sprechen. Die Kameras seien qualitativ kein Ersatz für Smartphone-Kameras.

Der Redakteur findet die Unauffälligkeit des LED-Signallichts problematisch. „Dies in Kombination mit den abgedunkelten Kameralinsen macht diese Brille verstohlener, als ich erwartete. Die meisten Menschen würden nicht mitbekommen, dass Kameras verbaut sind“, schreibt Stein.

PC Mag: Datenbrille auf der Suche nach Anwendungen

Für Will Greenwald ist Ray-Ban Stories das bislang beste Beispiel einer kombinierten Audio- und Kamerabrille.

Trotz fehlender Bässe böten die Lautsprecher ein erfreuliches Hörerlebnis, während bei guter Beleuchtung aufgenommen Fotos und Videos ordentlich aussähen. Greenwald ist überrascht, wie gut die Datenbrille Szenen rahmt und einfängt, aber bemängelt die schlechte Bild- und Videoqualität in Situationen mit schwachem Licht.

Die Ray-Ban Stories könne zwar nicht mit guten Kopfhörern oder einer modernen Smartphone-Kamera konkurrieren, aber sie sei die bislang vielseitigste Datenbrille und ein Schritt in die richtige Richtung. Der Brillenrahmen sei praktisch ununterscheidbar von echten Ray-Bans und fühle sich hochwertig und bequem an.

Eine eindeutige Kaufempfehlung kann der Redakteur dennoch nicht aussprechen. Solange Datenbrillen wie die Ray-Ban Stories nichts wirklich großartig können, würden sie eine technische Novität bleiben, die weder das Smartphone noch richtige Kopfhörer ersetzen können.

„Die Ray-Ban Stories sind gut gemessen an dem, was sie sind, aber was sie sind, muss sich erst noch herausstellen.“

Greenwald vergibt 3,5 von 5 möglichen Punkten.

Weiterlesen über Datenbrillen:

Quelle: The Verge, Techcrunch, CNET, PC Mag