Infineon: Deutscher Chiphersteller stellt Technik für Datenbrillen vor

Infineon: Deutscher Chiphersteller stellt Technik für Datenbrillen vor

Infineon wagt sich in einen neuen Markt vor und stellt eine optische Lösung für AR-Brillen vor, die besonders kompakt, leicht und energieeffizient sein soll.

Bei der neuen Produktkategorie handelt es sich um einen sogenannten MEMS-Scanner. Der Mikro-Projektor ist ein Lasersystem mit beweglichem Spiegel, der Licht auf ein Brillenglas oder direkt ins Auge projizieren kann. Das System soll gegenüber vergleichbaren Lösungen Vorteile in Sachen Performance, Größe, Stromverbrauch und Herstellungskosten haben.

In eine Brille integriert kann der Projektor ein digitales Display mit 30 Grad Sichtfeld darstellen. Die 40 Gramm schwere Batterie soll einen ganzen Tag ohne erneute Ladung durchhalten – eine wichtige Voraussetzung für massentaugliche Daten- und AR-Brillen.

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In zwei Jahren am Markt

Eine Grafik (siehe Artikelbild) veranschaulicht, wie groß das optische System ist und wie es in die Bügel einer herkömmlichen Brille integriert werden könnte. Die gesamte Technik soll nicht mehr als einen Kubikzentimeter Zusatzvolumen pro Auge veranschlagen.

Infineon arbeitet seit 2016 an dem Scanner. Die AR-Technik wurde zunächst für autonome Fahrzeuge entwickelt und sollte Windschutzscheiben mit einem AR-Display ausstatten. Inzwischen sieht das Unternehmen in Augmented Reality einen größeren Markt, der sich früher kapitalisieren ließe. Das System könnte laut Infineon in zwei Jahren in ersten Daten- und AR-Brillen Verwendung finden.

Kooperation mit TriLite

Der Chiphersteller feilt mit TriLite zusammen an der optischen Performance des Systems. Das Wiener Start-up entwickelte einen drei Gramm schweren Laserprojektor für Daten- und AR-Brillen und arbeitet mit Infineon an der Systemintegration und der Optimierung von Algorithmen, während Infineon selbst für das Design und die Herstellung des Chipsatzes verantwortlich ist.

Die Techindustrie setzt seit mehr als zehn Jahren große Hoffnungen in Augmented Reality, die sich bislang nicht materialisiert haben. Dies hat vor allem technische Gründe: AR-Brillentechnik ist äußerst komplex und teuer in der Herstellung und genügt in Sachen Formfaktor und Leistung noch nicht den Ansprüchen von Endverbrauchern.

Große Techkonzerne wie Facebook und Apple arbeiten mit Hochdruck an entsprechenden Geräten. Facebook will dieses Jahr eine erste Datenbrille auf den Markt bringen, bezeichnenderweise ohne Display, während Apple für 2023 eine experimentelle Mixed-Reality-Brille als ersten Schritt in Richtung massentaugliche AR-Hardware vorstellen soll. In Deutschland arbeitet tooz technologies an einer Datenbrille für den Konsumentenmarkt, die Anfang 2022 erscheinen soll.

Quelle: Infineon, Handelsblatt

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