Mit jeder neuen VR-Brille verschiebt sich die Erwartung dessen, was VR-Technologie leisten kann und sollte. Das zeigt sich besonders gut an den schwankenden Bewertungen von Oculus Rift S und Valve Index seitens der VR-Enthusiastengemeinde.

Die VR-Brillen erschienen kurz nacheinander: Am 21. Mai kam Oculus Rift S auf den Markt, am 28. Juni folgte Valve Index.

Die Geräte haben eine unterschiedliche Marktausrichtung: Oculus Rift S soll durch hohen Nutzungskomfort und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis neue VR-Nutzer ins Ökosystem locken, während Valve mit Index eine möglichst hochwertige VR-Erfahrung bieten will und dabei in erster Linie um Enthusiasten buhlt, die willens sind, für das Beste vom Besten tiefer in die Tasche zu greifen.

In Reddit-Foren wie r/ValveIndex und r/Oculus werden die VR-Systeme dennoch häufig verglichen. Interessant ist, wie sich die Wahrnehmung der beiden VR-Brillen abhängig voneinander in den letzten zwei Monaten veränderte.

Valve stiehlt Oculus die Show

Als Oculus Rift S Ende April angekündigt wurde, zeigten sich viele Enthusiasten und Kritiker enttäuscht von der VR-Brille. Ein kaum höher auflösendes Display mit schlechteren Schwarzwerten und noch dazu geringerer Bildwiederholrate, kein manueller Regler für die Einstellung des Augenabstands, ein Plastikbomberdesign Marke Lenovo, miese Lautsprecher: Oculus Rift S kam vielen wie ein Seit- oder gar Rückschritt vor, verglichen mit dem Original aus dem Jahr 2016. Davon nehme ich mich nicht aus.

Und so schwenkte der Blick vieler Enthusiasten bereits in Richtung der nächsten VR-Brille, die das Versprechen eines spürbaren technischen Upgrades halten erfüllen sollte. Ein höher auflösendes Display, eine Bildwiederholrate weit jenseits der 90 Hertz, ein größeres Sichtfeld, einen manuellen IPD-Regler, eine besonders hochwertige Audiolösung sowie revolutionäre Controller: Valve Index ließ im Vergleich zu Oculus Rift S fast keinen Wunsch offen.

Qualität hat seinen Preis

Nach Erscheinen des VR-Systems bestätigte die US-Presse mehr oder minder, was die meisten schon geahnt hatten: Valve Index ist das technisch bislang ausgereifteste VR-System am Markt.

Dieser Qualitätsstandard hat jedoch seinen Preis: Mehr als 1.000 Euro ruft Valve für das Gesamtprodukt bestehend aus VR-Brille, Basisstationen und Index-Controllern auf. Eine Oculus Rift S kriegt man für weniger als die Hälfte.

Der Preisunterschied fiel umso mehr ins Gewicht, als Index-Nutzer nach Erscheinen der VR-Brille über suboptimale Schwarzwerte, störende Lichtreflexionen und Controller-Klickprobleme klagten. Valve Index, so zeigte sich, kommt, wie jede andere VR-Brille auch, nicht ohne technische Kompromisse aus.

Rift S kommt besser an als angenommen

Das befeuerte die innerhalb des Index-Fanlagers schon von Anfang an geführte Diskussion, ob Valve Index den hohen Preis wert ist, insbesondere im Vergleich zur wesentlich günstigeren Oculus Rift S.

Von Besitzern beider VR-Brillen wird der Qualitätsunterschied mittlerweile relativiert: Das Display der Rift S sei besser als auf dem Papier, zudem wurde das Tracking per Software-Update wesentlich verbessert. Die Oculus-Brille glänze zudem nach wie vor durch grundsolide Controller, ein gutes VR-Betriebssystem und exklusive Spiele.

Kurz: Oculus Rift S steht in den Augen der Enthusiasten heute weitaus besser da, als man es vor zwei Monaten erwartet hätte, was angesichts des damaligen Aufschreis doch ziemlich überraschend ist.

Oder wie ein Reddit-Nutzer es ausdrückte: Oculus hat die für 450 US-Dollar bestmögliche VR-Brille gebaut. Den Rest muss jetzt der Markt entscheiden.

Titelbild: Facebook / Valve

Mehr erfahren über Oculus Rift S und Valve Index:


MIXED-Podcast #165: Die Zukunft von Oculus | Alle Folgen


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