Die US-Presse konnte Oculus Quest 2 vor Launch ausführlich testen. Wie fällt das Urteil der Tech-Profis aus?

Am 13. Oktober 2020 kommt der Nachfolger der Oculus Quest in den Handel. Die VR-Brille bietet auf dem Blatt wesentlich bessere Technik als das Original und kostet dennoch 100 Euro weniger. Gibt es einen Haken oder bekommt man mit Oculus Quest 2 wirklich so viel Virtual Reality wie noch nie geboten? Die ersten Tests geben Aufschluss.

Eines vorweg: Beinahe alle Tester geben mahnend zu bedenken, dass Oculus Quest 2 ein Facebook-Produkt ist, weisen auf die damit zusammenhängende Datenschutzproblematik hin und kritisieren das Unternehmen wegen seiner mit Quest 2 eingeführten Facebook-Pflicht.

Dass die VR-Brille bis auf weiteres nicht in Deutschland verkauft wird, dürfte etwas damit zu tun haben. Bekannt ist, dass Facebook sich in einem Rechtsstreit mit dem Bundeskartellamt befindet. Die Gerichtsverhandlung ist für November angesetzt.

 

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Alle technischen Infos zur VR-Brille findet ihr in unserem Oculus Quest 2-Infohub.

Fliegengitter “praktisch unsichtbar”

Ben Lang von Road to VR geht in seinem Test der Reihe nach auf alle Aspekte der VR-Brille ein, beginnend beim Display. Der Sprung in Sachen Auflösung und Bildwiederholrate mache das Erlebnis “realer”, schreibt Lang. Der Fliegengittereffekt sei “praktisch unsichtbar”, während der Schwarzwert erwartungsgemäß schlechter ausfalle, da es sich um LC-Display handelt.

Bei den Linsen habe sich nicht viel getan. Es handle sich um Fresnel-Linsen, die in kontrastreichen Szenen nach wie vor Lichtreflexionen erzeugen, die jedoch nur in Ausnahmefällen stören. Das Sichtfeld und der Sweet Spot sei identisch zur Oculus Quest. Visuelle Artefakte seien ihm nicht viel aufgefallen.

Der für drei unterschiedliche Augenabstände optimierte Linsenabstandsregler habe ihm keine Probleme bereitet, allerdings müsse man das Feedback der Nutzer abwarten. Bei der maximalen Einstellung von 68 Millimeter werde das Sichtfeld leicht beschnitten, da das Einzeldisplay nicht mitbewegt wird und die Linse an dessen Rand gerät.

“Beste Oculus-Kopfhalterung” kostet zusätzlich

Die in die Brillenbügel integrierten Lautsprecher befinden sich nun näher an den Ohren und sind in Sachen Lautstärke und Soundqualität verbessert worden, aber noch immer kein Ersatz für richtige Kopfhörer.

Die Quest 2 sehe weniger klobig aus als die Vorgänger-Brille, aber auch weniger wertig wegen seiner Plastikschale. Das neue Kopfband sei ein Downgrade und erhöhe den Druck auf die Stirn. Das Elite Strap-Zubehör bezeichnet der Autor als “exzellent” und als Oculus’ bislang beste Kopfhalterung.

Der Autor findet es schade, dass Oculus Quest 2 nicht von Haus aus mit der Kopfhalterung ausgeliefert wird und sieht hinter dieser Entscheidung ein Kostenkalkül seitens Facebook.

Lang findet es toll, dass sich die neuen Touches wieder stärken an den Original-Controllern der Oculus Rift orientieren. Sie seien sogar noch etwas größer als jene, was vor allem Menschen mit größeren Händen gefallen dürfte. Die Batterien halten dem Autor zufolge viel länger als bei den Touch-Controllern der Quest und Rift S.

Kein PC-VR-Ersatz für Enthusiasten

Das neue System zur Einstellung des Linsenabstands findet Lang umständlich. Er bezweifelt, dass die Mehrheit der Nutzer die korrekte Einstellung finden und nutzen werden. Der Grund: Quest 2-Nutzer müssen die VR-Brille abnehmen, um die Einstellung vorzunehmen und können die Auswirkung so nicht direkt wahrnehmen.

Das 3D-Tracking sei nach wie vor robust, selbst unter herausfordernden Bedingungen.

Die Spielebibliothek bietet zum Launch über 200 Titel und laut Lang eine “solide Zahl guter Spiele”. Der Tester bedauert, dass viele der neu angekündigten VR-Spiele erst nach dem Launch erscheinen und dass die PC-Verbindung Oculus Link (alle Infos) noch nicht ihr volles Potenzial entfaltet hat oder jedenfalls noch nicht gut genug ist, um PC-VR-Enthusiasten zufriedenzustellen.

Quest 2: Alles besser, aber nichts Neues

Lohnt der Kauf am Ende? Quest 2 ist laut Lang die beste autarke VR-Brille am Markt und zugleich die erschwinglichste zum Preis von 350 Euro. Um das Optimum aus ihr herauszuholen, müsse man sich jedoch die Elite Strap-Kopfhalterung dazukaufen.

Quest 2 sei in fast allen Belangen besser als der Vorgänger, aber biete nichts wirklich Neues. Beide VR-Brillen haben Zugriff auf die gleiche Software und neue Funktionen suche man vergebens.

Wäre “Quest S” daher nicht der treffendere Name für Oculus Quest 2? Der Autor glaubt, dass das volle Potenzial der VR-Brille sich erst noch entfalten muss, zumal sie einen wesentlich leistungsfähigeren Chip verbaut hat. Dann erst würde sie den Namen “Quest 2” verdienen.

Wenn die VR-Brille nicht aufs Gesicht passt

Jamie Feltham von Upload VR geht ebenfalls im Detail auf die Vor- und Nachteile der Oculus Quest 2 ein.

Rein optisch fühle sich die VR-Brille weniger wertig an, da der Stoffbezug durch Hartplastik ersetzt wurde. Überraschend sei, dass Oculus Quest schlechter auf sein Gesicht passe als das Original. Es sei schwierig für ihn gewesen, den perfekten Sitz zu finden und nach zehn bis 15 Minuten drücke die VR-Brille unangenehm gegen das Gesicht.

Mit der separat erhältlichen Elite Strap-Kopfhalterung habe man die VR-Brille binnen Sekunden angepasst und könne sie länger tragen, perfekt sei das Tragegefühl aber auch mit dem Zubehör nicht.

Kritik an fehlendem WLAN-Streaming

Der Unterschied in Sachen Auflösung sei “überwältigend” und der Fliegengittereffekt zum ersten Mal mit einer autarken VR-Brille “beinahe verschwunden”. Selbst die über 1.000 Euro teure Valve Index (Test) übertreffe die Quest 2 knapp, zumindest, was das Bild betrifft.

Als “beste PC-VR-Brille” will der Autor die Quest 2 nicht bezeichnen. Zum einen, weil Oculus Link eine schlechtere Bildqualität liefert als native PC-VR-Pendants. Zum anderen, weil Valve Index noch immer das beste Gesamtpaket biete. Dass Facebook kein Wireless-Streaming vom PC unterstützt, sei eine verpasste Chance.

Der Sound aus den integrierten Lautsprechern klänge jetzt tiefer und reicher, sei aber dennoch keine dramatische Verbesserung.

Der richtige Zeitpunkt, in VR einzusteigen

Der wesentlich schnellere Chip mache sich noch nicht bemerkbar, außer dass Spiele weniger stark auf Fixed Foveated Rendering angewiesen seien. Bei dieser Technik werden die Inhalte an den Rändern des Sichtfelds mit weniger Details berechnet, um Rechenleistung zu sparen.

Sehr zufrieden zeigt sich der Autor mit dem Tracking und den verbesserten Controllern. Der Daumen habe nun ausreichend Ablagefläche und das Batteriefach öffne sich nicht mehr beim Spielen. Die Verlängerung der Batterielaufzeit bezeichnet Feltham als “beeindruckend”.

In seinem Fazit schreibt der Autor, dass Oculus Quest 2 ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Es gebe schlechthin keine Alternativen in diesem Preissegment und auf diesem Qualitätsniveau. Für Skeptiker und Zögerer sei jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, in Virtual Reality einzusteigen.

Bereit für ein größeres Publikum

Oculus Quest sei der neue VR-Standard, “sofern man mit Facebook klar komme”, schreibt Adi Robertson von The Verge.

Als positiv streicht Robertson das scharfe Display, den niedrigen Preis und das starke Ökosystem heraus. Als Negativpunkte genannt werden der Facebook-Zwang, die Kosten für essentielles Zubehör wie die verbesserte Kopfhalterung und dass die VR-Brille noch immer klobig und sozialunverträglich ist.

Die Oculus Quest 2 sei zwar “spottbillig”, aber es sei frustrierend, dass eine richtige Kopfhalterung und Kopfhörer fehlten. So wüssten VR-Anfänger nicht, was sie verpassten. Der neue IPD-Mechanismus werde besonders dann zum Problem, wenn man die VR-Brille herumreichen wolle.

Auch die Quest 2 werde noch immer durch die großen Schwächen dieser Generation VR-Brillen zurückgehalten: Das Bild ist im Vergleich mit Smartphones und Laptops körnig und das Gerät wuchtig und sozial nicht akzeptiert.

Für die, die wirklich an Virtual Reality interessiert sind, biete die Quest 2 die beste Kombination aus Hardware, Features und Preis und es sei das erste Gerät, dass man einem größeren Publikum empfehlen könnte. Besitzer der Original-Quest zwinge sie nicht zum Upgrade.

Komfortmängel und das F-Wort

Sam Machkovech von Ars Technica fällt ein negatives Urteil und empfiehlt nicht zuletzt wegen der Facebook-Bindung, die Finger von Oculus Quest 2 zu lassen.

Der Autor schreibt, er habe jeden Tag neue Kompromisse und Mängel im Design entdeckt, die erst mit einem verbesserten Modell ausgeräumt werden könnten.

Machkovech bemängelt unter anderem einfallendes Licht, die fehlende Rutschfestigkeit und das hohe Gewicht der Controller, die billig wirkende und schlecht sitzende Stoff-Kopfhalterung und die Mechanik zur Linsenabstandsregelung. Die erlaubt eine weniger präzise Anpassung an den eigenen Augenabstand und führte beim Autor zu einem unscharfen Bild und Schwindelgefühlen.

Lobend hingegen erwähnt er das höher auflösende Display und die verbesserte Audio-Lösung. Die VR-Brille biete keine neuen Features wie Wireless-Streaming vom PC und verzichte auf viele Komfortfunktionen, die die Original-Quest noch geboten hätte.

Keine wirklich guten Spiele

Wired-Autorin Jess Grey bezeichnet Oculus Quest 2 als beinahe makellose Verbesserung der Original-Quest und nennt als Glanzpunkte unter anderem den Preis, das Gewicht und den Tragekomfort sowie das futuristische Design.

Gestört hat sich die Autorin an der Kopfhalterung und dessen Inkompatibilität mit Pferdeschwanzfrisur und dem neuen IPD-Mechanismus, der ein Absetzen der VR-Brille erzwingt.

“Die Quest 2 erfüllt die Versprechen der VR auf eine Art und Weise, die andere VR-Brillen niemals vermochten”, schreibt Grey in ihrem Fazit.

Einen erfrischenden Blick von außerhalb der VR-Blase bietet Brian X. Chen von der New York Times. Er nennt Quest 2 eine “solide VR-Brille mit wenig Spielen“.

Viele Titel seien ihm zu schnell zu repetitiv geworden oder führten zu Ermüdung der Augen. Er spiele lieber auf der Playstation oder Nintendo-Konsole, die viel bessere Spiele böten. Beat Saber, Phantom: Covert Ops und Cook-Out haben ihn nicht beeindruckt, nur das Fitness-Spiel FitXR seien ihr Geld wert gewesen.

Chen lobt immerhin die simple Einrichtung des Systems, das geringe Gewicht und das klare Bild.

Oculus Quest 2: Die flexibelste VR-Brille

Oculus Quest 2 sei die “flexibelste VR-Brille auf dem Markt” und verbessere das Original in vielerlei Hinsicht, schreibt Devindra Hardawar von Engadget. Die Displays seien schärfer, der Tragekomfort größer und der Chip leistungsfähiger. An einen PC angeschlossen, könne sich das Gerät mit teureren PC-VR-Brillen messen.

Der Autor bemängelt ebenfalls, dass der neue IPD-Mechanismus ungeeignet sei für VR-Anfänger. Außerdem habe die eigene Brille weniger Platz im Gehäuse als vom alten Modell her gewohnt – trotz installiertem Abstandhalter.

Das Kopfband erfordere reichlich Fummelei, um den perfekten Sitz zu finden. Danach sei die VR-Brille “weniger schmerzhaft” als Oculus Quest über längere Spielesitzungen zu tragen. Ein Vorteil des Stoffbands sei, dass man damit den Kopf auf ein Kissen stützen könnte.

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Oculus Quest – 64 GB | Oculus Quest – 256 GB

Hinweis: Wie lange die Bestellung über Amazon Frankreich möglich sein wird, ist noch nicht bekannt, auch nicht, ob die VR-Brille tatsächlich ausgeliefert wird. Amazon Großbritannien liefert die Quest 2 beispielsweise nicht nach Deutschland. Die Funktion nach einem Login mit einem deutschen Facebook-Account ist ebenfalls nicht garantiert – auch wenn eine regionale Sperre seitens Facebook zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich ist.

Doch nicht mehr als ein Gadget?

Die Quest 2 sei eine phantastisches Stück Hardware, schreibt Lucas Matney von Techrunch. Das Gerät fühle sich bedeutend kleiner und auch das geringere Gewicht merke man. Die Plastikschale mache anders als bei Oculus Rift S nicht den Eindruck, dass man ein billiges Gerät vor sich habe. Im Gegenteil, das Gehäuse sei ein “Highlight” des neuen Designs.

Der Autor findet die integrierten Lautsprecher “in Ordnung”, das Kopfband hingegen sei eine Verschlechterung.

Das größte Problem der Quest sei, dass es noch immer zu wenig Inhalte abseits des Gamings gebe. Matney wünscht sich Zugriff auf Apps und Funktionen, die man vom Smartphone kennt und die man zwischen Spielen und dem Medienkonsum nützen könnte. Die Plattform scheine bereit, sich in diese Richtung zu bewegen.

“Die Frage, mit der ich kämpfte, ist, ob eine phantastische VR-Brille dennoch nicht mehr als ein tolles Gadget ist”, schreibt Matney. “Quest 2 richtet sich größtenteils an Gamer und läuft noch immer Gefahr, Mainstream-Nutzer für einige Wochen zu begeistern und danach im Schrank zu verschwinden.”

Klares Upgrade, aber kein PC-VR-Ersatz

Norman Chan von Tested bekräftigt vieles von dem, was andere Tester sagen. Zur vollen Quest-Ausstattung gehöre das Elite Strap-Zubehör, das in Sachen Komfort einen Unterschied wie Tag und Nacht mache. Mit dem Kopfband sei es allerdings leichter, die VR-Brille zu transportieren.

Der Sound sei leicht verbessert worden, aber insgesamt noch immer schwach im Vergleich zu richtigen Kopfhörern. Das Display und die Linsen seien herausragend, während das Sichtfeld gleich bleibt. Chan lobt außerdem die verbesserten Touch-Controller und das nach wie vor gute Tracking.

Derzeit greife man noch auf die gleichen Inhalte zurück, egal, welche Quest man besitzt. Das sei ein weiterer Grund, weshalb sich die neue VR-Brille eher wie eine Quest Plus oder Quest Pro anfühlt. Von einer Oculus Quest 2 zu sprechen, sei “ziemlich aggressives Marketing” seitens Facebook. Das könne sich jedoch dank Software-Updates und App-Optimierungen ändern.

Dennoch fühle sich die VR-Brille wie ein richtiges Upgrade zur Original-Quest an und sei zu dem Preis ein phantastisches Angebot. PC-VR-Nutzern kann er die Oculus Quest 2 (noch) nicht empfehlen. Native PC-VR-Brillen seien Quest 2 und Oculus Link in Sachen Bildqualität und Latenz klar überlegen.

Quellen:

Titelbild: Facebooksteady2

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