Auf die Bestürzung folgt das Vorhaben, den Glanz der Kathedrale Notre-Dame wiederherzustellen. In echt und in der Virtual Reality.

Mehr als 600 Millionen US-Dollar sollen bereits für die Rekonstruktion des Pariser Wahrzeichens gespendet worden sein, berichtete etwa der The Guardian.

Die vollständige Wiederherstellung dürfte einige Jahre in Anspruch nehmen. Dabei helfen könnten die 3D-Scans des mittlerweile verstorbenen Architekturhistorikers Andrew Tallon, der die Kathedrale 2015 mit einem Lidar-Scanner präzise vermaß. Das Ergebnis ist ein digitales 3D-Duplikat der Kirche.

In einem Youtube-Video erklärt Tallon den technischen Arbeitsprozess am Beispiel der Washingtoner Kathedrale.

Tallons 3D-Modell könnte auch einem Zweck dienen und zur Grundlage einer digitalen Kopie der Kathedrale werden, die man in der Virtual Reality begehen könnte. Genau diese Idee hatte Simon Che de Boer.

Der Photogrammetrie-Spezialist schuf zuvor den technisch äußerst eindrucksvollen digitalen Nachbau einer ägyptischen Grabkammer (siehe Test). Photogrammetrie beschreibt einen Prozess, bei dem mittels zahlreicher Fotografien eines Objekts oder Orts ein texturiertes 3D-Duplikat desselben hergestellt wird. Je größer und besser das Ausgangsmaterial, desto überzeugender ist das Ergebnis.

Bei Facebook ruft er Nutzer auf, Fotos von Notre-Dame in eine Datenbank hochzuladen. Aus ihnen möchte er mittels Photogrammetrie und unter Zuhilfenahme von Tallons Lidar-Daten einen “digitalen Zwilling” der Kathedrale gewinnen.

Denkmäler digital verewigen

Die Idee, ein architektonisches Wahrzeichen digital in 3D wiederherzustellen oder zu konservieren, ist nicht neu. Die Non-Profit-Organisation Arc/k Project arbeitet an einer photogrammetrischen Rekonstruktion der Ruinen von Palymra, die von der IS gesprengt wurden. Die Mitarbeiter sammeln hierfür Fotos von Touristen, Einheimischen und professionellen Fotografen.

Ganz auf die digitale Konservierung historischer Denkmäler hat sich das Unternehmen Cyark spezialisiert. Es wurde von Ben Kacyra gegründet, nachdem Taliban die Buddha-Statuen von Bamiyan sprengten. 2018 startete das Unternehmen das Open Heritage Project und schloss sich mit Google zusammen, um die 3D-Scans der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Notre-Dame in der Virtual Reality

Wer Notre-Dame mit einer VR-Brille bewundern möchte, hat derzeit mehrere Möglichkeiten.

Zum Beispiel die 360-Grad-Dokumentation “The Man Behind Notre-Dame”, die einen Tag im Leben des Notre-Dame-Domdekans Patrick Chauvet zeigt und den Zuschauer an Orte der Kathedrale führt, die Touristen normalerweise unzugänglich sind. Den achtminütigen Film gibt es bei Youtube und VR-Videoplattformen wie Within und Littlstar zu sehen.

Wer eine PC-Brille besitzt, kann Notre-Dame in Google Earth VR besuchen – allerdings nur von außen. Das 3D-Modell wurde mittels 3D-Scans und Luftfotografien erstellt. Auch Google Streetview zeigt die Kirche nur von außen. Wer Oculus Go besitzt, kann sich die Streetview-Aufnahmen mit der VR-App Wander anschauen.

Notre-Dame aus einer VR-Vogelperspektive erleben kann man in Ubisofts VR-Spiel Eagle Flight, in dem man als Falke über die Dächern von Paris Aufgaben löst (siehe Test).

Der französische Publisher schuf für das PC-Spiel Assassin’s Creed: Unity ein besonders detailliertes Duplikat der Kathedrale und will die 3D-Daten den französischen Behörden zur Verfügung stellen.

Titelbild: TARGO

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