Neue Hinweise auf Meta VR-Brille mit Retina-Auflösung

Neue Hinweise auf Meta VR-Brille mit Retina-Auflösung

Dataminer haben in Metas Quest-Firmware neue Hinweise auf ein VR-Headset gefunden, das den Fliegengitter-Effekt ausradieren könnte.

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Seit Jahren tüfteln Hersteller von VR-Brillen daran, die Auflösung näher an die Wahrnehmung des menschlichen Auges zu bringen. Um keine einzelnen Bildpunkte mehr zu erkennen, wäre in etwa eine Pixeldichte von 60 Pixels per Degree (PPD) nötig, so der Konsens in weiten Teilen der Industrie. Der Leiter von Metas Forschungslaboren, Michael Abrash, geht sogar von 120 PPD aus.

Schon im Oktober 2021 posierte Meta-Chef Mark Zuckerberg mit einem VR-Prototyp mit „Retina-Auflösung“, den er in den Redmonder Forschungslaboren ausprobierte.

Kürzlich deuteten zudem neue Code-Zeilen im Betriebssystem der Meta Quest 2 an, dass Meta am Retina-Thema forscht. Die Dataminer „Samulia“ und „Basti564“ stießen im Bereich der Grafikpipeline auf die Begriffe „super resolution“ und „SuperResClient.cpp“, die offenbar häufig in Kombination mit einem „T-REX“-System auftauchen.

Wackeltechnik für Retina-Auflösung

VR-Analyst Brad Lynch berichtet über die Funde der beiden Dataminer und stellt die Theorie auf, dass es sich dabei um die gleichnamige Technologie des Wellenleiter-Herstellers Digilens handeln könnte: Der „Transparent Resolution Expander“ (TREx) von Digilens verdoppelt die Auflösung mit dem technischen Trick „Wobulation“. Das holografische Material auf einer Linse schaltet sehr schnell (50 Mikrosekunden) zwischen zwei Zuständen um, sodass das Auge unter einer Bildzeile stets eine zweite Zeile zu sehen bekommt.

Im Idealfall werden die Lücken geschlossen und das Pixelraster unsichtbar. Im Hintergrund arbeitet eine proprietäre Software von Digilens. Sie berechnet zwei Versionen des benötigten Bildes und legt sie übereinander.

Schon 2020 habe Meta an einer mechanischen Umsetzung getüftelt, berichtet Lynch. Damals „wackelte“ ein mechanischer Aktuator ein OLED-Microdisplay so umher, dass doppelt so viele Zeilen untereinander dargestellt wurden.

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Daher stammt auch der Begriff „Wobulation“, abgeleitet von „to wobble“ (wackeln). Die Technik ist bekannt: In älteren Rückprojektionsfernsehern und DLP-Projektoren kommt sie schon seit Jahrzehnten zum Einsatz.

Digitales Wackeln gegen das Fliegengitter

Digilens entwickelte allerdings eine modernere, digitale Alternative der Methode: „T-REx“ kommt weitestgehend ohne Verschleiß und mechanische Probleme aus. Laut Hersteller gibt es weder „Gewackel“ noch unnötigen Energieverbrauch oder eine starke Hitzeentwicklung.

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Lynch mutmaßt, dass sich Meta einen Exklusiv-Deal für „T-REx“ gesichert haben könnte. Seit August habe Digilens schließlich einen Bereich von der Website gelöscht, der die Technik öffentlich anbot. Und das, obwohl sie damals schon für die Massenfertigung angepriesen worden sei.

Außerdem habe Meta mit „Seabright“ einen idealen Prototyp für „TREx“ in seinen Laboren. Diese mutmaßliche Variante des kommendem VR-/AR-Headsets Cambria bietet gerüchteweise zwei Micro-OLED-Screens mit 3K-Auflösung pro Auge und rund 100 Grad Sichtfeld.

Mit der Verdopplung der Zeilen würden die Konstrukteure also die eingangs beschriebene Retina-Auflösung von 60 PPD erreichen, so Lynch. Bei all dem handelt es sich natürlich vorerst um Spekulation.

Sollte Meta die Technik in einem zukünftigen VR-Headset einbauen, wäre das allerdings ein klarer Pluspunkt, um es mit hochwertigen Brillen der Konkurrenz aufnehmen zu können. Sowohl Apple als auch Google mit Iris arbeiten vermutlich an VR-Headsets mit zusätzlicher Video-AR-Funktion, also ähnlich wie bei Meta Cambria.

Digilens bedient die XR-Industrie

Es gibt Anzeichen für das Vertrauen in Digilens seitens der XR-Industrie. Am 7. April 2022 verkündete der Wellenleiter-Hersteller die bereits siebte Finanzierungsrunde in Höhe von 50 Millionen US-Dollar. Seit der Gründung 2003 sammelte Digilens insgesamt 160 Millionen US-Dollar von Investoren ein. Ein Großteil des Geldes stammt aus den Finanzierungsrunden zwischen 2019 und heute – das zeigt die zunehmende Relevanz der Displaytechnologie für die VR- und AR-Zukunft.

Zu den Investoren zählt neben dem „Gorilla-Glas“-Hersteller Corning auch Goerteks Investmentsparte „Optimas Capital“. Goertek ist einer der wichtigsten Hersteller von VR- und AR-Brillen. Auch Samsung gehört zu den Digilens-Investoren. Anfang März bestätigte Samsung einen Wiedereinstieg in den XR-Bereich, ohne allerdings Details zu einer möglichen Hardware oder einem Zeitplan zu nennen.

Falls euch die umschaltbaren Linsen für die „Wobulation“-Methode bekannt vorkommen: Meta experimentiert mit einer vergleichbaren Technik an seinen Varifokallinsen. Auf dem Event „Oculus Connect 6“ zeigte das Unternehmen 2019 eine VR-Brille, bei der sich mehrere übereinanderliegende Linsen umschalten ließen. Im Zusammenspiel entstanden so zahlreiche Fokusebenen.

Quellen: Youtube: Brad Lynch, Reddit: Samulia, Twitter: Basti564, Digilens.com, Vimeo: DigiLens, Youtube: Meta Quest