KOMMENTAR

Meta-Bashing ist cool, bringt Applaus – und ist völlig daneben

Meta-Bashing ist cool, bringt Applaus – und ist völlig daneben

Meta versucht etwas radikal Neues und wird dafür von Branchengrößen ausgelacht. Doch der Spott ist substanzlos.

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Der Name des Unternehmens hat sich geändert. Was sich nicht geändert hat, ist die Geringschätzung, die ihm entgegenschlägt: Facebook, jetzt Meta, ist noch immer das meistgehasste Unternehmen der Welt und es zu verspotten ist nach wie vor in Mode.

Das jüngste Beispiel lieferte der ehemalige Präsident von Nintendo Amerika, Reggie Fils-Aimé. Auf der Bühne der SXSW wurde er gefragt, was er von Metas Metaverse-Vision halte. Fils-Aimé ließ sich die Chance nicht entgehen und setzte zu einem Rundumschlag gegen Meta an.

Meta ist ein Innovationsmotor

Das Unternehmen habe Innovation stets eingekauft, aber sei selbst nie innovativ gewesen, findet Fils-Aimé: ein Spruch, den man immer wieder hört und der ihm im Publikum Applaus einbrachte.

Dass sich Meta anschickt, ein komplett neues Interface zu etablieren und jahrzehntealte Gaming-Gewohnheiten aufzubrechen, würdigt Fils-Aimé mit keinem Wort.

Man mag von Meta halten, was man will. Dem Unternehmen Innovationsarmut vorzuwerfen, ist deplatziert. Mark Zuckerberg wettet radikal auf unerprobte Technologien wie VR und AR und sein Unternehmen leistet wertvolle Pionierarbeit in Feldern, die völlig neue Möglichkeiten eröffnen.

Das ist innovativer, kühner und größer gedacht als alles, was Nintendo und andere alteingesessene Branchengrößen jemals auch nur versuchten. Dass Gaming-Veteranen wie Fils-Aimé das anders sehen und abwehrend reagieren, ist verständlich: VR und AR stellen etablierte Paradigmen infrage.

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VR pfui, AR hui? Nicht ganz.

Ein anderes, weitverbreitetes Klischee, das Fils-Aimé in dem Gespräch bedient: Meta trachte danach, das Leben durch Virtual Reality zu ersetzen. Dieser dystopischen Vision stellt er Augmented Reality gegenüber, die das Leben nur anreichert und dessen Potenzial er deshalb schon eher sieht.

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Was Fils-Aimé bewusst oder aus Ignoranz unterschlägt: Wir haben es hier nicht mit einem Entweder-oder zu tun. Die Trennung zwischen VR und AR ist künstlich und die gegenwärtige Grenze wird in den nächsten Jahren durch Geräte verwischen, die das gesamte Mixed-Reality-Spektrum abdecken. Virtual Reality und Augmented Reality: Sie werden Modi ein- und derselben Sache sein.

Fils-Aimé haut in die gleiche Kerbe wie sein Niantic-Kollege John Hanke, der Meta zuerst VR-Dystopien unterstellt, um das Unternehmen im nächsten Schritt zu diskreditieren. Das ist reine Polemik.

Ein Gaming-Gigant verspottet den Nachwuchs

Nicht falsch, aber herablassend ist Fils-Aimés Äußerung zum Status Quo der VR-Industrie: Unter seiner Führung hätte Nintendo in einem guten Jahr so viel Hardware verkauft wie die ganze VR-Industrie bisher.

Ein unfairer Vergleich, wenn man bedenkt, dass Nintendo seit knapp vierzig Jahren im Konsolengeschäft ist. VR-Gaming fing vor sechs Jahren bei null an. Die Spieleindustrie benötigte Jahrzehnte, um in der Mitte der Gesellschaft anzukommen und die Bedeutung zu erhalten, die sie heute hat. Weshalb sollte es mit Virtual Reality anders sein, deren Hardware und Gaming-Vokabular noch in den Kinderschuhen steckt?

Fils-Aimé hat laut eigenen Aussagen fast jede VR-Erfahrung ausprobiert, die es gibt und keine überzeugte ihn davon, dass Virtual Reality reif fürs Rampenlicht ist. Das ist eine krasse Abwertung der Leistung jener Menschen, die in den letzten Jahren neuartige, bewegende, kreative VR-Spielkonzepte entwickelten, die mit klassischen Gaming-Medien nicht umsetzbar wären.

Das Video mit den Aussagen von Reggie Fils-Aimé findet ihr bei Bloomberg.

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