Magic Leap: „Wir kommen wieder“

Magic Leap: „Wir kommen wieder“

Magic Leaps neue Chefin Peggy Johnson legt den Fokus auf Augmented Reality im B2B-Geschäft. Eine zeitnahe Rückkehr zum Konsumentenmarkt hält sie für möglich.

Mehr als 120 Magic-Leap-Brillen sollen derzeit weltweit in Kliniken im Einsatz sein: Im Zusammenspiel mit der 3D-Visualisierungssoftware des Münchner Unternehmens Brainlab sollen Ärzte mit den AR-Brillen medizinische Daten in 3D betrachten.

Chirurgen sollen so ihre Operationen besser planen können, weil sie beispielsweise genauer sehen, an welcher Stelle ein Tumor sitzt. Auch das Training der Nachwuchsärzte soll mit AR anschaulicher und somit wirksamer werden.

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In Deutschland kommt die AR-Technik im Diakonie Klinikum Jung-Stilling zum Einsatz: Laut des Krankenhauses wurden 80.000 Euro investiert. „Wir haben festgestellt, dass wir das Risiko chirurgischer Komplikationen für fast jeden Fall effektiv senken können, wenn wir die Mixed-Reality-Viewer-Software für Magic Leap 1 für die Planung verwenden“, sagt Prof. Dr. Veit Braun, Chefarzt der Neurochirurgie am Jung-Stilling-Krankenhaus Siegen.

Und weiter: „Wir sehen weniger starke Komplikationen, wie wir sie vor dem Einsatz dieser Technologie gesehen haben. Sie trägt auch dazu bei, die Operationszeiten und die Patientenzeit unter Narkose zu verkürzen, was ein großer Vorteil ist.“

So sieht es aus, wenn sich ein Chirurg mit AR-Brille auf die OP vorbereitet. | Bild: Via Diakonie in Südwestfalen

So sieht es aus, wenn sich ein Chirurg mit AR-Brille auf die OP vorbereitet. | Bild: via Diakonie in Südwestfalen

Details zum Einsatz von Magic Leap in der Medizin mit Fallstudien stehen im offiziellen Magic Leap Blog.

AR für alle in drei bis vier Jahren: „Wir kommen wieder“

Neben medizinischer Visualisierung sieht Johnson Anwendungsszenarien im militärischen Bereich und in der Telekommunikation. Noch immer verkauft Magic Leap dafür Magic Leap 1 (Test), die Launch-Brille aus 2018.

Ein Nachfolgemodell ist laut Johnson in Entwicklung: „Unser Produkt der nächsten Generation wird leichter sein und ein größeres Sichtfeld haben, wir sind also gespannt, wohin die Reise geht“, sagt Johnson.

Trotz des aktuellen Fokus auf den B2B-Markt hat Johnson den Konsumentenmarkt nicht aufgegeben. Sie erwartet bei AR-Brillen ähnliche Fortschritte wie bei Mobiltelefonen – auch diese hätten erst deutlich kleiner werden müssen, bevor ein neues Ökosystem daraus erwuchs.

Ihr eigenes Unternehmen sieht Johnson in diesem Wettrennen in einer guten Position: Magic Leap habe viel Gewicht aus der AR-Brille genommen und in den Taschencomputer verfrachtet. Für den Massenmarkt müsse das Gewicht und der Stromverbrauch weiter reduziert werden.

„Das sind die Haken, die wir setzen müssen, die uns zurück zu den Konsumenten bringen und wir sind in einer sehr guten Position. Wir kommen zurück“, sagt Johnson. Als Zeitrahmen nennt sie drei bis vier Jahre.

Magic Leap musste Ende April 2020 aus finanziellen Gründen einen Großteil der Angestellten entlassen. Ende Mai 2020 trat Johnsons Vorgänger Rony Abovitz zurück, der viele Jahre zeitnah AR-Brillen für jedermann versprach.

Der Unternehmenswert von Magic Leap fiel in diesem Jahr rapide: Von einer Bewertung von bis zu 6,5 Milliarden US-Dollar sind derzeit weniger als 500 Millionen US-Dollar übrig.

Quellen: CNBC, Wired

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