Half-Life: Alyx’ Flüssigkeitseffekt hätte es beinahe nicht ins Spiel geschafft. Ein VFX-Designer erzählt, wie er den Flaschen nachträglich Leben einhauchte.

Mit Half-Life setzte Entwickler Valve um die Jahrtausendwende neue Standards in Sachen Ego-Shooter. Bis dato war das Baller-Genre vor allem durch Level-Schläuche, unpersönliche Charaktere und vernachlässigte Storys definiert. Half-Life war anders: Valve verknüpfte die Action mit einer hervorragenden Mischung aus Ruhephasen, Storytelling und Physik-Rätseln.

Dazu kam eine überzeugende Spielwelt. Das Entwicklerstudio aus Washington schuf mit der Forschungsstation Black Mesa eine Umgebung, die sich mehr wie ein echter Ort anfühlte und weniger wie eine Aneinanderreihung von Levels. Nach dem Ende des zweiten Teils mussten sich Fans satte 16 Jahre gedulden, bis es endlich Nachschub gab.

Valve überraschte zwar mit der Ankündigung eines reinen VR-Spiels. Half-Life: Alyx (Test) wurde den großen Fußstapfen seiner Flatscreen-Vorgänger allerdings gerecht und setzte mit der immersiven City 17 und seiner grandiosen VR-Physik erneut Standards.

Flüssigkeiten in Half Life: Alyx – pure Magie

Bewegt man in Half-Life: Alyx beispielsweise eine volle Flasche, verhält sich der Inhalt verblüffend realistisch. Wie dieser Effekt entstanden ist und was der coronabedingte Lockdown Anfang 2020 damit zu tun hatte, erzählt Entwickler Matt Wilde in einem Interview mit Polygon.

Wer die grandiosen Flüssigkeitseffekte in Half Life: Alyx noch nicht gesehen hat, sollte das dringend nachholen. Betretet die Lobby des Northern-Star-Hotels, hebt eine der herumliegenden Flaschen auf und haltet sie in das durch die großen Fenster hereinströmende Licht.

Im Video-Interview mit Polygon nennt Visual-Effects-Designer Matt Wilde diesen Ort als perfektes Beispiel, um sich den Effekt genau anzusehen. Als der mit dem Update 1.04 im Frühsommer 2020 nachgereicht wurde, waren Spieler verblüfft und dachten, Valve hätte eine neue aufwendige Physik-Simulation in das VR-Spiel (Release-Übersicht) integriert.

Tatsächlich handelt es sich dabei um einen kleinen Trick, den sich Wilde für die VR-Flaschen zunutze machte: Die realistisch wirkende Flüssigkeit in den VR-Flaschen existiert nicht. Der Effekt besteht nur aus einer visuellen Veränderung der Oberfläche.

Shader sorgen für realistischen Flüssigkeitseffekt

In jede Flasche ist eine horizontale Linie programmiert. Über ihr wird die Flasche so gerendert, dass sie leer erscheint, darunter, als ob sie Flüssigkeit enthalten würde. Je nachdem, wie ihr die Flasche haltet, verändert sich also die Oberfläche und es sieht aus, als würde sich Flüssigkeit darin bewegen.

Wilde benutzt für seine Wassereffekte ausschließlich Shader. “Alles, was gerendert wird, hat einen Shader. Es ist nur so, dass einige Shader ein bisschen aufwendiger sind als andere. Sie sind aber irgendwie magisch”, sagt Wilde.

Mit Shadern verändern VFX-Designer das Aussehen von 3D-Objekten. Ursprünglich für Schattierungen konzipiert – daher der Name – haben Shader heute viele Funktionen und beinhalten beispielsweise die Attribute von Farbstrukturen von Objekten oder helfen bei der Berechnung von dynamischen Bewegungen.

Darum kamen die Wassershader in Half Life: Alyx zu spät

Wilde stieß erst gegen Ende der Entwicklung von Half Life: Alyx zum Team, als Flaschen und Lichteffekte bereits fertig waren. Die Zeit bis zur Veröffentlichung reichte nicht mehr aus, um die Effekte für die Flüssigkeiten rechtzeitig fertig zu bekommen. Wildes Shader mussten warten und Half Life: Alyx wurde mit undurchsichtigen, statischen Flaschen ausgeliefert.

Am Release-Tag, dem 23. März 2020, verordnete der US-Staat Washington aufgrund der Corona-Pandemie einen Lockdown. Valves Büros blieben geschlossen und die Mitarbeiter wanderten ins Homeoffice. “Plötzlich hatten wir Zeit”, erinnert sich Wilde. Zeit, die er nutzte, um in seinem Keller die Shader-Effekte zu perfektionieren.

Er habe täglich viele Stunden damit verbracht, Flaschen zu bewegen und das Verhalten der Flüssigkeiten zu studieren. Jede Farbveränderung, jede kleine Bewegung habe er in seinen Pixel-Shadern angepasst, bis die undurchsichtigen Flaschen der Release-Version ihr heutiges Aussehen bekamen.

Half Life: Alyx ist aktuell reduziert und für 37,49 Euro auf Steam erhältlich. Unterstützte VR-Brillen sind unter anderem die PC-VR-Brillen Valve Index, HP Reverb G2 (Test) oder HTC Vive. Wer eine Oculus Quest (2) besitzt, kann auf die Kabelverbindung Oculus Link (Infos) zurückgreifen.

Titelbild: Valve, Quelle: Polygon (YouTube)

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