Für ein sicheres Metaverse: Konsortium fordert Ethik-Standards

Für ein sicheres Metaverse: Konsortium fordert Ethik-Standards

Das OASIS Consortium ist eine Non-Profit-Organisation, die sich der „digitalen Nachhaltigkeit“ des Metaverse verschrieben hat. Sie arbeitet an Ethik-Standards, die sich gegen eine Wiederholung der Social-Media-Katastrophe richten.

Der Name des Konsortiums ist eine Anspielung auf das Metaverse des Sci-Fi-Romans Ready Player One und zugleich ein Akronym für die Werte, die es fürs Metaverse einfordert: Openness (Offenheit), Accountability (Haftung), Security (Sicherheit), Innovation und Sustainability (Nachhaltigkeit).

Das Metaverse ist das jüngste Modewort des Silicon Valley und bezeichnet die noch nicht verwirklichte Vision eines neuen, alle digitalen Plattformen umspannenden räumlichen Internets, das mittels Avataren betreten wird und eine körperliche Dimension hat. Ihr liegt die Vorstellung einer schrittweisen Verschiebung des Lebensalltags in digitale 3D-Welten zugrunde, deren genaue Ausformung noch niemand kennt und die erste Vorläufer in Online-Spielen wie Minecraft, Fortnite und Roblox hat.

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Facebook will das Metaverse aufbauen

Spätestens mit Mark Zuckerbergs Ankündigung, aus Facebook ein Metaverse-Unternehmen zu machen, ist das nicht scharf umgrenzte Wort in aller Munde. Die strategische Neuausrichtung zog schon kurz nach Bekanntgabe Kritik auf sich, etwa von Niantic-Chef John Hanke, der Facebook zwar nicht beim Namen nannte, aber dessen Metaverse-Ambitionen meinte, als er eine alles umspannende VR-Welt als „dystopischen Albtraum“ bezeichnete.

Für Facebook ist das Metaverse allerdings keineswegs auf Virtual Reality und Facebook beschränkt: Es soll ebenso über Smartphones, PCs oder AR-Brillen zugänglich sein und von vielen Unternehmen gleichzeitig aufgebaut werden.

Mit Facebook Horizon will Facebook den ersten Schritt Richtung Metaverse gehen. Die für Virtual Reality ausgelegte Plattform dürfte beim Launch auch für andere Endgeräte als VR-Brillen (Vergleich) geöffnet werden und befindet sich derzeit noch immer in einer geschlossenen Beta.

Gegen die Auswüchse von Social Media

Das OASIS Consortium wurde von der Unternehmerin Tiffany Xingyu Wang mit dem Ziel gegründet, Maßnahmen gegen Belästigung, Hassrede und Desinformation im Metaverse zu treffen und Ethik-Standards für die nächste Evolution des Internets zu formulieren.

„Das Web 2.0 hat zu einem Vertrauensverlust geführt: Unsere Daten werden missbraucht, unsere Sicherheit ist gefährdet und Technologie diskriminiert Menschen“, sagt Wang im Hinblick auf Datenschutzskandale, Cyber-Attacken und KI-Vorurteile.

Die Non-Profit-Organisation hat deshalb drei Schwerpunkte definiert, die für digitale Nachhaltigkeit sorgen sollen: Sicherheit, Datenschutz und Inklusion.

Was Metaverse-Unternehmen tun müssen

Wang ist überzeugt, dass sich die Geschichte der Social-Media-Plattformen im Metaverse wiederholen wird, falls keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Da das Metaverse in seiner VR- und AR-Ausformung eine physische Dimension hat, könnten sich Belästigungen und Angriffe hier noch schlimmer auswirken.

Metaverse-Unternehmen müssten als Gegenmaßnahme entsprechendes Fachpersonal ausbilden und Führungspositionen aufbauen, die sich dieser Bedrohung bewusst sind und wissen, wie dagegen vorzugehen ist. Dabei müsse auch auf Diversität geachtet werden. „Richtlinien können nicht inklusiv sein, wenn alle Mitglieder des Teams weiß und männlich sind“, sagt Wang der Webseite Protocol.

Für das Konsortium hat Wang einen Podcast zum Thema ins Leben gerufen sowie eine Expertengruppe zusammengestellt, die aus Vertretern von Metaverse-Unternehmen, Agenturen, Regierungsbehörden und Universitäten besteht, darunter Riot Games und Roblox.

Die Gruppe will Ende 2021 gemeinsam erarbeitete Ethik-Standards fürs Metaverse formulieren, die Unternehmen als Richtlinie dienen soll. Mit Whitepapers, Blogartikeln und Veranstaltungen möchte sich das Konsortium anschließend für ein ethisches Metaverse engagieren.

Facebook plant voraus

Facebook selbst ist sich des Problems natürlich bewusst und hat für Horizon umfassende Sicherheitsmaßnahmen angekündigt (siehe Video unten), die wegen ihres Überwachungscharakters bereits Kritik auf sich zogen.

Der Stein des Anstoßes: Wird man in Facebook Horizon von einem Nutzer stumm geschaltet, geblockt oder gemeldet, kann sich ein „Sicherheitsspezialist“ hinzuschalten und das Geschehen beobachten oder für die Beweisaufnahme aufzeichnen, schreibt Facebook in einem Blogpost. Die Nutzer selbst merken nichts von all dem, da der Angestellte unsichtbar bleibt.

Der Sicherheitsaspekt dürfte mit ein Grund gewesen sein, weshalb das Unternehmen im letzten Jahr eine Facebook-Kontopflicht für die eigene VR-Brille einführte. Wem die Sperrung der eigenen App-Bibliothek und des Zugangs zum Facebook-Metaverse droht, dürfte sich auf der Plattform bedachter benehmen und wird durch Facebooks Echtnamenpflicht haftbarer als anonyme Nutzer.

Quelle: Pressemitteilung, Protocol, Titelbild: Facebook

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