Ausgewählte US-Journalisten durften Facebooks Metaverse-Versuch Horizon vorab ausprobieren. Die Tester sehen noch einige Unbekannte in der Social-VR-Formel.

Nach der Ankündigung von Facebook Horizon vor knapp einem Jahr startete die VR-App im Frühling in einen Alphatest. Danach kam die Corona-Krise und es wurde ruhiger um Facebooks bislang ambitioniertestes Social-VR-Projekt.

Bis jetzt: Das soziale Netzwerk meldet, dass Horizon “in den kommenden Wochen” in die Beta startet.

Interessierte können sich für den Betatest anmelden und werden von Facebook ausgewählt. Die Beta ist derzeit Bürgern der USA und Kanadas vorbehalten, die eine Oculus Rift (S) oder Oculus Quest (Test) besitzen.

Facebook Horizon: Kreativität steht im Mittelpunkt

Wer Horizon betritt, findet sich auf dem zentralen Platz wieder, dem sogenannten Horizon Plaza. Von hier aus führen Portale in von Facebook ausgewählte Horizon-Welten. Alternativ kann man über ein Suchmenü selbst Welten finden und besuchen.

Sämtliche Welten samt Plaza sind mit einem allen Horizon-Nutzern offenstehenden Kreativwerkzeug geschaffen. Damit lassen sich aus einfachen Grundformen 3D-Objekte erstellen und texturieren.

Im Kreativmodus kann man seine Größe beliebig ändern und auf diese Weise weite Landschaften erschaffen oder an kleinen Details arbeiten. Fortgeschrittene können sogar Skripte für Spielmechaniken schreiben.

Horizon unterstützt kollaboratives Arbeiten: So können Nutzer gleichzeitig an derselben Welt werkeln und sich dabei nach Belieben Gestaltungsaufgaben teilen. Die Kreativwerkzeuge sind identisch in der Rift- und Quest-Version und funktionieren plattformübergreifend.

Auf Facebooks Techblog stellt das soziale Netzwerk vier besonders gelungene Horizon-Welten vor, die von Alphatestern gebaut wurden.

Wer nur in Horizon abhängen und von Nutzern kreierte Welten erforschen möchte, kann das alleine oder mit bis zu sieben Freunden tun. Aktuell können sich in den einzelnen Welten und deren Instanzen maximal acht VR-Nutzer aufhalten.

Unsichtbare Überwachung

Für Kontroversen sorgen dürften die Mittel, mit denen Facebook für ein harmonisches VR-Miteinander sorgen will.

Wer sich belästigt fühlt, kann sich jederzeit in eine Sicherheitszone beamen und von hier aus Störenfriede auf Stumm schalten, blocken oder melden (siehe Kurztest von Oculus Venues). So weit, so gut.

Kommt es zu einem solchen Vorfall, kann es passieren, dass sich ein für die VR-Nutzer unsichtbarer Horizon-Moderator einklinkt, die Situation beobachtet und “Beweismaterial” aufzeichnet, erklärt Facebook im Oculus-Blog. Die VR-Nutzer erfahren offenbar nicht, ob Facebook-Mitarbeiter zuschauen.

Die Facebook-Brillen zeichnen darüber stets auf, was sich in den letzten paar Minuten ereignet hat. Die Aufnahmen sollen lokal gespeichert werden und können im Fall einer Meldung an Facebook als Beweismaterial angehängt werden.

Wie diese Sicherheits- und Überwachungsmechanismen funktionieren, veranschaulicht der Konzern in einem Video. Klar ist: Im eigenen Metaverse macht natürlich Facebook die Regeln, nicht die Nutzerschaft.

Wer Facebook Horizon nutzen will, kommt nicht um ein Facebook-Profil herum. Nutzer mit bestehender Oculus ID müssen das Konto mit einem Facebook-Login verknüpfen.

In Horizon selbst wird allerdings nur das Oculus-Profil und nicht der Facebook-Name angezeigt. So ist es vorerst möglich, seine VR-Person und die reale Identität auseinanderzuhalten.

Noch nicht die große Social-VR-Vision

Einige US-Journalisten durften Facebook Horizon für rund 45 Minuten ausprobieren. Sie besuchten zwei Nutzer-Welten und testeten die Kreativwerkzeuge.

Road to VR beschreibt Horizon als eine Kreuzung zwischen Rec Room und VRChat und lobt das kreative Potenzial der VR-App. Das Weltenbauen dürfe fast so beliebt werden wie das Erforschen der Welt selbst, weil die Werkzeuge leicht zu nutzen seien und man gemeinsam etwas kreieren könne, schreibt Road to VR.

UploadVR fand sich nicht auf Anhieb zurecht mit den Werkzeugen und schreibt, dass es schwierig sei, jetzt schon zu sagen, wie intuitiv sie wirklich sind. Die Seite glaubt aufgrund vieler unbeantworteter Fragen der Interviewpartner, dass Facebook noch immer nicht recht weiß, was Horizon ist und wie die Social-VR-Zukunft aussieht. Horizon wirke nur wie ein Puzzleteil in Facebooks Social-VR-Plänen und nicht wie eine endgültige Vision.

Facebook-Metaverse: Eine Frage der Sicherheit

Facebook Horizon habe das Potenzial, ein “Multiverse-Vergnügungspark” zu werden, schreibt CNET. Die Erfahrung sei aber noch nicht genau zu definieren und die Kreativwerkzeuge seien teilweise “merkwürdig kompliziert”. Außerdem gäbe es noch Fehler.

Als Gratis-App und “große Spielwiese” sei Horizon es wert, erforscht zu werden. Das allgemeine Misstrauen gegenüber Facebook könne dem Vorhaben jedoch ein Bein stellen.

Mit Horizon sei Virtual Reality (Guide) der Oasis einen Schritt näher gekommen, schreibt Engadget. Die Social-VR-Erfahrung habe ein weitaus größeres Potenzial als frühere Experimente wie Facebook Spaces und Oculus Rooms und die Vielfalt an Werkzeugen könne zu “wahrhaft interessanten VR-Umgebungen” führen.

Die durch die Pandemie bedingten Lebensumstände gäben Horizon einen nachvollziehbaren Zweck, fraglich sei allerdings, ob und wie Facebook eine sichere Begegnungsplattform schaffen kann.

Quellen: Road to VR, UploadVR, CNET, Engadget, Titelbild: Facebook

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