Five Nights at Freddy’s: Help Wanted erschien zunächst für PC-VR-Brillen und Playstation VR. Nun folgt die Version für Oculus Quest. Lahme Jump-Scare-Sammlung oder Horrorklassiker?

Der erste Serienteil erschien 2014 für den PC und erreichte dank seiner Jumpscare-Spielmechanik und seinem Youtube-Hype rasch Kultstatus. In den nächsten Jahren folgten mehrere Fortsetzungen und Ableger.

Five Nights at Freddy’s: Help Wanted ist der erste Teil der Spielereihe, der von Grund auf für Virtual Reality entwickelt wurde. Das VR-Spiel erschien im Mai 2019 für PC-VR-Brillen und Playstation VR und wurde prompt zum Hit. Im Dezember des gleichen Jahres folgte eine 2D-Version für den PC und Playstation 4. Die Quest-Portierung erschien am 16. Juli 2020.

Lange drückte ich mich vor einem Test, da mich schon das PC-Original vor Jahren gehörig gruselte und das Schockpotenzial mit VR-Brille deutlich größer ist. Heil aus der Virtual Reality zurück, berichte ich von meinem Eindrücken und ob das VR-Spiel mehr als reine Lust an der Angst zu bieten hat.

Ein nervenaufreibender Nachtjob

Five Nights at Freddy’s VR überträgt das aus den PC-Spielen bekannte Spielprinzip in die Virtual Reality. Man schlüpft in die Rolle eines Nachtwächters, der auf die Hauptattraktion eines Pizzarestaurants aufpassen muss: Überlebensgroße Plüsch-Animatronics, die tagsüber musizieren und mit Kindern spielen.

Das Problem: Die Roboter entwickeln in der Nacht ein Eigenleben, wandern ruhelos durch das Restaurant und greifen Menschen an. Man selbst sitzt in einem Überwachungsraum und verfolgt die Bewegungen der Animatronics mit Hilfe von Überwachungskameras. Ziel ist es, die Nacht unbeschadet zu überstehen.

Kommen einem die angriffslustigen Roboter zu nahe, kann man die stahlverstärkten Türen des Überwachungsraums schließen. Dieser Schutz zehrt an einer knappen Ressource: Strom. Geht dem System die Saft aus, ist man den Monstern schutzlos ausgeliefert.

Five Nights at Freddys Help Wanted im Test

In der Nacht zeigen die Animatronics ihr zweites Gesicht. | Bild: Steel Wool Games / ScottGames

Fokus auf Schockmomente

Mit der VR-Brille (Vergleich) sitzt man zum ersten Mal direkt im schummrigen Überwachungsraum und interagiert händisch mit dem Überwachungssystemen, Lichtschaltern und Türen. Das ist eine ganze Ecke immersiver und unheimlicher, als “nur” auf einen Bildschirm zu schauen und mit Maus und Tastatur zu arbeiten.

Deshalb ist FNAF VR die ultimative Version des Horrorspiels – sofern man sich die Spannung und Schockmomente zumuten kann. Während VR-Horrorspiele wie The Exorcist, Transference (Test) und Here They Lie um subtilere Formen des Schreckens bemüht sind, läuft Five Nights at Freddy’s VR immer auf das Gleiche hinaus: Ein recht kurzer Spannungsbogen endet meist mit einem Jumpscare und dem eigenen virtuellen Ableben.

Dieser Fokus hat Vor- und Nachteile: Einerseits taugt FNAF VR dadurch als Zwischendurch-Schocker und VR-Partyspiel. Die VR-Brille herumreichen und die Reaktion von Freunden und Familienmitgliedern beobachten hat seit der VR-App Face Your Fears (Test) Tradition. Andererseits nutzt sich der Schreckeffekt schnell ab.

Five Nights at Freddys Help Wanted im Test

In FNAF VR fehlt die Abstraktion von Monitor, Maus und Tastatur und die Monster kommen einem bedrohlich nahe. | Bild: Steel Wool Games / ScottGames

Minispiele als Beigabe

Die Nachtwächtermissionen stammen aus den ersten drei FNAF-Teilen und bilden den Kern des Spiels. Darüber hinaus bietet die VR-Adaption eine Reihe von Minispielen, die ebenfalls von früheren FNAF-Titeln übernommen wurden. Sie heißen “Dunkle Räume”, “Nachtterror”, “Einzelteile und Service” und “Belüftung” und bieten mehrere Nebenmissionen.

Die ersten beiden Minispiele wirken einfallslos und beschränken sich darauf, Monster mit Taschenlampen zu finden, zwischen Punkten im Raum hin- und herzuteleportieren und Türen zu schließen.

Wesentlich spannender sind die Missionen, in denen man in der Rolle eines Servicetechnikers die Animatronics und Belüftungsysteme des Restaurants reparieren muss. In ersterem Fall sitzt man vor den riesigen Plüschrobotern und muss präzise den Anweisungen folgen. Macht man einen Fehler oder stellt sich ungeschickt an, schnappt der Roboter zu.

Five Nights at Freddys Help Wanted im Test

Im Reparatur-Minispiel muss man Fingerspitzgefühl beweisen. | Bild: Steel Wool Games / ScottGames

In den Belüftungsmissionen hantiert man ebenfalls mit den eigenen Händen, löst einfache Rätsel und muss dabei stets aufpassen, was um einen herum vorgeht. Die engen Räume und allgegenwärtige Bedrohung erzeugen eine dichte Atmosphäre.

Schade ist, dass man mit diesen Minispielen in einer guten Stunde durch ist. Hier hätte ich mir mehr Missionen mit steigendem Schwierigkeitsgrad gewünscht. So bleiben die Minispiele nicht mehr als eine nette Beigabe, die dem Hauptspiel nur wenig Substanz hinzufügen.

Fazit: Das beste Five Nights at Freddy’s – aber nicht mehr

Eine komplexe Spielmechanik darf man von Five Nights at Freddy’s VR nicht erwarten. Wer dem Spielprinzip nie etwas abgewinnen konnte und mehr sucht als Schockmomente, wird auch mit der VR-Version nicht glücklich werden.

FNAF-Fans oder Neugierige dürfen hingegen zugreifen. Die VR-Adaption setzt das Original kongenial um und macht es durch VR-Vorteile wie Präsenz und Handinteraktion noch besser. Vollkommen neue Spielmechaniken oder eine Weiterentwicklung der Marke bietet das Spiel nicht. Für das Gebotene finde ich den Preis etwas zu hoch angesetzt.

FNAF VR ist auf kurze und intensive Spielsitzungen ausgelegt und damit gut für Oculus Quest geeignet. Grafisch musste das Spiel für die autarke VR-Brille Federn lassen. Das äußert sich durch eine tiefere Auflösung und detailärmere Texturen, unter der die Atmosphäre jedoch kaum leidet.

Von der Bewegungsfreiheit der Oculus Quest profitiert das Spiel nur bedingt, da man in den virtuellen Umgebungen meist nur sitzt und nach vorne, links und rechts schaut.

Sollten die Nerven blank liegen, kann man mit der Steam- oder PS4-Version in den Bildschirmmodus wechseln. Diesen Luxus bietet Oculus Quest nicht, selbst wenn man sie per Oculus Link (Infos) an den PC anschließt. FNAF VR unterstützt übrigens Crossbuy: Wer die Rift-Version bereits gekauft hat, erhält die Quest-Variante gratis dazu und umgekehrt.

FNAF VR wird euch gefallen, wenn ihr …

  • die ultimative Version von Five Nights at Freddy’s erleben wollt,
  • eure Freunde und Familienmitglieder erschrecken möchtet und
  • VR-Horrorspiele liebt.

FNAF VR wird euch nicht gefallen, wenn ihr …

  • Jump Scares nicht ausstehen könnt,
  • abwechslungsreiche Spielmechanik erwartet und
  • ein Spiel sucht, das euch stundenlang fesselt.

Five Nights at Freddy’s: Help Wanted VR könnt ihr hier kaufen:

Unterstützte GerätePlattformPreis
Oculus Quest, Oculus Rift (S),Quest Store / Rift Store (Crossbuy: Ja)29,99 Euro
PC-VR-BrillenSteam24,99 Euro
PC-VR-BrillenViveport (Viveport Infinity: Ja)24,99 Euro
Playstation VRPlaystation Store29,99 Euro

Letzte Aktualisierung am 11.08.2020 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

Titelbild: Steel Wool Games / ScottGames

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