Update: 16.10.2020

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  • An welche Nutzungsbedingungen muss ich mich halten?

Die Oculus Quest 2 muss mit einem Facebook-Konto verbunden werden. Wie funktioniert die Kopplung und welche Privatsphäre-Einstellungen gibt es überhaupt?

Oculus VR gehört seit 2014 zu Facebook. Obwohl Firmen-Gründer Palmer Luckey nach der Übernahme überzeugt war, dass die Nutzung seiner VR-Brillen nie an ein Facebook-Konto geknüpft werden würde, kam diese Koppelung mit der Ankündigung der neuen VR-Brille Oculus Quest 2 (Infos) nun doch.

Da es keine Möglichkeit zum „Opt-out“ gibt, müssen neue Oculus-Nutzer mit der Erfassung und Verarbeitung ihrer Daten durch Facebook leben. In diesem Artikel zeigen wir euch, wie die Konten-Koppelung von Oculus und Facebook funktioniert, worauf ihr achten müsst und welche Möglichkeiten ihr in den Privatsphäre-Einstellungen der Oculus-App habt.

Für welche Oculus-Geräte brauche ich ein Facebook-Konto?

Seit dem 11. Oktober ist für die erstmalige Nutzung aller VR-Brillen von Oculus ein Facebook-Account erforderlich. Dazu zählen Oculus Quest, Oculus Rift, Oculus Rift (S), Oculus Go, Samsung GearVR und die am 13. Oktober veröffentlichte Oculus Quest 2 (Test).

Bestehende Oculus-Nutzer können dem Zwang zum Facebook-Account vorerst entgehen. Dazu müsst ihr Oculus-Account und VR-Brille vor dem 11. Oktober eingerichtet haben. Bis zum 1. Januar 2023 könnt ihr euer Gerät dann ohne Verbindung zu einem Facebook-Konto nutzen. Diese Ausnahme gilt nicht für Oculus Quest 2, die in jedem Fall eine Verbindung zu einem Facebook-Account voraussetzt.

Nach Ablauf dieser Schonfrist endet jeglicher Support für Oculus-Konten und ihr braucht auch für ältere Oculus-VR-Brillen ein Facebook-Konto. Andernfalls lassen sich die Geräte laut Facebook nicht mehr uneingeschränkt nutzen. Wie sich das genau auswirken wird, ist unklar.

Welche Informationen erfasst Facebook bei der Nutzung von Oculus VR?

Für Nutzer, die beide Konten verbinden, gelten bei der Erhebung und Verwendung der Daten durch Facebook zwei Richtlinien: die Datenrichtlinie von Facebook und die ergänzenden Datenrichtlinie von Oculus. Letztere wurde am 11. Oktober aktualisiert. Demnach verarbeitet Facebook unter anderem folgende Daten des Nutzers:

  • Physische Eigenschaften wie die Größe eurer Hände und Körpermaße
  • Umgebungs-, Dimensions- und Bewegungsdaten
  • Von euch erstellte Inhalte wie Avatare, gepostete Bilder, Audioaufnahmen, kreative Inhalte wie Skulpturen oder Zeichnungen usw.
  • Informationen über die Oculus-Browser-Nutzung
  • Informationen von Drittanbietern und Marketingpartnern, die eure Daten mit Oculus / Facebook teilen
  • Technische Systemdaten wie Absturzprotokolle, Nutzer-ID, IP-Adresse, Dateipfade auf dem lokalen Computer (sofern verbunden), Dauer von Ladevorgängen etc.

Mit diesen Informationen sollen nach Facebooks Angaben die eigenen Dienste und Produkte verbessert und personalisiert werden. Wahrscheinlicher ist aber, dass die erhobenen Daten in die Bereitstellung von Unternehmens-Services wie Mess- und Analyse-Tools fließen, die unter anderem bei der Erstellung von Werbeanzeigen helfen, die dem Nutzer personalisiert ausgespielt werden. Darüber hinaus gibt es noch eine ganze Menge weiterer Szenarien, die durch die VR-Datensammlung möglich werden.

Sicherheit und Schutz der User, Integration und Verbesserung von Social Features und die Weiterentwicklung von XR-Funktionen wie dem Oculus Handtracking (Infos) sollen angeblich ebenfalls von der Datensammlung profitieren.

An welche Nutzungsbedingungen muss ich mich halten?

Als Grundlage für die Nutzung von Oculus VR-Brillen gelten die Facebook Gemeinschaftsstandards, aus denen Oculus seine Richtlinien zum Verhalten in der VR ableitet. Verbotenes Verhalten ist unter anderem Belästigung, Mobbing, Stalking und das Verfolgen von Nutzern gegen deren Willen sowie die Ermutigung zu Fehlverhalten dieser Art. Ebenso wenig dürft ihr in den persönlichen Raum eines Nutzers eindringen, ohne dessen Zustimmung.

Ein Ausschnitt einem Video zu den Facebook Gemeinschaftsrichtlinien.

Facebooks Gemeinschaftsstandards liefern die Grundlage für Oculus’ Verhaltensregeln in VR. | Bild: Facebook

Beleidigendes oder missbräuchliches Verhalten ist ebenfalls untersagt. Wer in VR jemanden auf sexuelle Weise berührt oder sexuelle Gesten macht, verstößt gegen den Verhaltenskodex. Kommt es zu Sexualisierung von Minderjährigen in irgendeiner Form, leitet Oculus den betreffenden Inhalt an das National Center of Missing and Exploited Children weiter.

Auch Hass-Ideologien oder feindselige Gruppen werden nicht geduldet. Angriffe auf Menschen aufgrund ethnischer Zugehörigkeit, Herkunft, Behinderung, Krankheit, Religion oder sexueller Orientierung werden genauso geahndet.

Ein kleiner, aber nicht unwesentlicher Punkt in Oculus‘ Richtlinien ist das „fälschliche Ausgeben für einen Mitarbeiter, Partner oder Vertreter von Facebook oder für eine andere reale Person oder das Ermutigen anderer Nutzer dazu“. Diese Richtlinie fußt auf Punkt 17 der Facebook Gemeinschaftsstandards: der „Falschdarstellung“.

Facebook verlangt von seinen Nutzern, dass sie „den Namen verwenden, unter dem sie in ihrem Alltag bekannt sind“. Das Unternehmen sei überzeugt davon, „Menschen würden mehr Verantwortung für ihre Aussagen und Handlungen übernehmen, wenn sie ihre Klarnamen verwenden“.

Tatsächlich dürfte diese Vorschrift mehr mit der eindeutigen Zuordnung von Nutzerdaten zusammenhängen. Wie dem auch sei, klar ist, dass das Erstellen eines „Zweit- oder Fake-Accounts“ für die Anmeldung in einer Oculus-VR-Brille geahndet werden kann.

Facebook und Oculus behalten sich vor, bei Verstößen gegen die Verhaltensrichtlinien euer Konto temporär einzuschränken oder zu sperren. Laut den Richtlinien kann ein Konto dauerhaft deaktiviert werden, falls ihr den „Verhaltenskodex wiederholt oder entscheidend verletzt“. Wie aus aktuellen Berichten zu schließen ist, bleiben die Begründungen für Sperren jedoch meistens unspezifisch. Eine Nachvollziehbarkeit, warum Facebook seine umfassende Macht hier benutzt, ist kaum gegeben.

Das gilt für Oculus-Konten und Facebook-Accounts gleichermaßen. Eine wie auch immer zustande gekommene Sperrung eures Facebook-Accounts kann also dazu führen, dass ihr eure Quest und die damit verbundenen Spiele überhaupt nicht mehr nutzen könnt.

Wie verbinde ich meinen Oculus-Account mit dem Facebook-Konto?

Wollt – oder müsst –  ihr euch mit einem bestehenden Facebook-Konto anmelden, wählt auf dem Startbildschirm der Oculus-App die Option “Weiter mit Facebook”. Um Facebook- und Oculus-Konto zusammenführen, meldet euch im nächsten Schritt bei Oculus an.

Danach wählt ihr in den Einstellungen “Mit Facebook anmelden” aus. Diese Zusammenführung ist dauerhaft und kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Außerdem könnt ihr nur einen Oculus-Account mit einem Facebook-Account koppeln. Die Oculus-Kontoinformationen werden nun mit eurem Facebook-Namen aktualisiert.

Welche Privatsphäre-Einstellungen kann ich über die Oculus-App vornehmen?

Mit der Verbindung beider Konten erscheint euer Facebook-Name in der Oculus-VR-Umgebung. Im Menü „Privatsphäre-Einstellungen“ der Oculus-App habt ihr verschiedene Möglichkeiten zur Regulierung eurer Sichtbarkeit innerhalb des Oculus-Ökosystems. Stellt im Menüpunkt „Facebook-Name“ die Einstellung auf “Nur ich”, wenn ihr in VR ausschließlich unter eurem Oculus-Nutzernamen auftreten möchtet.

Koppelung von Oculus und Facebook Accounts auf dem Smartphone.

Die Koppelung von Oculus- und Facebook-Accounts kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. | Bild: Facebook

Mit der Beschränkung auf Freunde zeigt ihr euren Facebook-Namen nur Nutzern, mit denen ihr in Oculus und Facebook befreundet seid. Zu den sichtbaren Aktivitäten zählen unter anderem, welche Oculus-Geräte ihr nutzt, welche Apps ihr aus dem Oculus-Store geladen habt und die darin erreichten Fortschritte und Ziele.

Auch Einträge in Highscore-Listen oder Teilnahmen an Partys und Events sieht jeder Oculus-Nutzer, wenn ihr die Einstellung auf “öffentlich” setzt. Ihr könnt die Sichtbarkeit aber auf eure Oculus-Freunde oder euch selbst beschränken. Möchtet ihr nur Aktivitäten von bestimmten Apps teilen, dürft ihr unter “Deine App-Aktivität” filtern. Wählt hier die Apps aus, von denen ihr keine Aktivitäten veröffentlichen wollt.

Wie kann ich Facebook-Funktionen über Oculus nutzen?

Facebook gibt an, ohne eure vorherige Einwilligung keine VR-Aktivitäten über Facebook zu teilen. Wollt ihr das selbst tun, klickt im Menü eurer Oculus-VR-Brille auf den Teilen-Button am unteren Bildschirmrand. Hier könnt ihr Foto- oder Videoaufnahmen eures Sichtfelds machen und sie anschließend in eurer Chronik, einer Gruppe oder dem Messenger teilen.

Ein Livestream in eure Chronik oder eine Facebook-Gruppe ist ebenfalls möglich. Legt im Auswahlmenü vorher fest, ob der Stream Aufnahmen des integrierten Mikrofons übertragen soll und ob Reaktionen und Kommentare auf Facebook erlaubt sein sollen.

Welche Social-VR-Apps bietet Facebook an?

Facebook will euch laut eigenen Angaben „Zugriff auf mehr VR-Features und ein unkomplizierteres Nutzererlebnis in allen Facebook-Produkten“ bieten. Dazu gehört auch, dass sich Nutzer leichter für Multiplayer-Erlebnisse in VR verbinden können oder gemeinsam Zeit in Social-VR-Apps verbringen.

In Facebooks hauseigenen Social-VR-Apps “Horizon” und “Oculus Venues” trefft ihr euch gemeinsam mit Freunden in Virtual Reality (Guide) und geht verschiedenen Unterhaltungsangeboten nach. Beide Apps setzen die Verbindung mit einem Facebook-Account voraus. In Venues könnt ihr beispielsweise gemeinsam Videostreams von Live-Events verfolgen.

In Horizon (noch nicht veröffentlicht) sollt ihr hingegen deutlich aktiver werden und eure Kreativität ausleben können. Mit entsprechenden Werkzeugen baut ihr aus einfachen Grundformen 3D-Objekte, texturiert sie, schreibt Skripte für Spielmechaniken und schafft so eigene VR-Welten. Wie das aussehen kann, zeigt der Trailer oben. Erste Tester der Horizon-Beta bezeichnen das Erlebnis unter anderem als „Multiverse-Vergnügungspark“ mit großem Potenzial.

Oculus Quest 2 aus Deutschland bestellen

Oculus Quest 2 wird in Deutschland vorerst nicht verkauft. Wie lange dieser Verkaufsstopp anhält, ist nicht bekannt.

Bei Amazon Frankreich könnt ihr die Oculus Quest 2 ganz normal kaufen. Tipp: Rechtsklick auf die Webseite und “Übersetzen” wählen.

Oculus Quest – 64 GB | Oculus Quest – 256 GB

Hinweis: Ihr könnt bei Amazon Frankreich über euren deutschen Account bestellen. Die VR-Brille unterstützt deutsche Sprache in den Menüs. Eine regionale Sperre seitens Facebook ist derzeit nicht aktiv – Quest 2 funktioniert ganz normal. Amazon Frankreich liefert innerhalb weniger Tage, zum Teil werden die Geräte sogar aus Lagern in Deutschland verschickt.

Weiterlesen über Oculus und Facebook:

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