F1 22 im VR Test: Prachtvolle Virtual-Reality-Rennen mit Startproblemen

F1 22 im VR Test: Prachtvolle Virtual-Reality-Rennen mit Startproblemen

Endlich startet auch die Formel 1 in Virtual Reality. Im Test zu F1 22 nehme ich die Umsetzung für PC-VR-Brillen (und Quest 2 mit Link) unter die Lupe.

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Wer einmal mit der VR-Brille über die Piste gerast ist, kann hinterher nur schwer zum Monitor zurückkehren. Diese Regel gilt auch für F1 22 der Codemasters: Das freie Umschauen mit der VR-Brille vermittelt mir den Pistenverlauf und meine Position viel plastischer als der Monitor. Auch Abstände, Kurven und Curbs schätze ich viel intuitiver ein.

Die Königsklasse des Motorsports ist dieses Jahr am PC erstmals in Virtual Reality spielbar. Playstation-Spieler:innen müssen dagegen auf eine PSVR-Umsetzung verzichten. Auch im Epic Games Stores ist Vorsicht geboten: Laut dem neuen Publisher EA bieten das Rennspiel nur auf Steam und Origin den VR-Modus, nicht aber in Epics Download-Store.

Hier noch eine Warnung, bevor ich tiefer in den Test einsteige: Nach der Installation des Day-One-Patches auf meinem PC ließ sich der VR-Modus nicht mehr starten. Nur eine Neuinstallation und das Löschen der Datei „hardware_settings_config_VR“ unter „Documents\My Games\F1 22“ beseitigte das Problem. Laut Rückfrage bei Codemasters handelt es sich um einen bekannten Bug bei Nvidia-Nutzer:innen, an dem derzeit gearbeitet werde.

F1 22 im Test – Review in aller Kürze

Habt ihr euch in F1 22 erst einmal durch einige Bugs und umständliche Menüs gekämpft, kann der Fahrspaß beginnen. Mit einem einigermaßen aktuellen Spiele-PC bekommt ihr die derzeit ansehnlichste Rennspielkulisse in Virtual Reality. Trotz Streichung der Story bieten sich umfangreiche, motivierende Karriere-Modi rund um Formel-1-Rennen und das Team-Management.

F1 22 ist für dich geeignet, wenn

  • du ein umfangreiches VR-Rennspiel mit Originallizenzen suchst,
  • gerne in einer grafischen Edel-Kulisse fahren willst
  • und ein glaubhaftes Fahrgefühl möchtest.

F1 22 ist nicht für dich geeignet, wenn

  • dich Bugs, eine umständliche Nutzerführung und Menü-Ruckler nerven
  • und du schnell und unkompliziert ins Spiel einsteigen möchte

Üppiges Formel-1-Rennspiel in Virtual Reality

Der Umfang von F1 22 überzeugt. Enthalten sind unter anderem die sehr umfangreichen und vielschichtigen Karrieren als Fahrer oder Teambesitzer (Konstrukteursmeisterschaft) sowie eine Zweispielerkarriere. Ebenfalls verfügbar sind die Formel 2 (Saison 2021), Online-Rennen mit Ranglisten und wöchentlichen Events, Solo-Modi wie Zeitfahren oder ein eigenes Rennwochenende.

Nicht ganz so gelungen wirkt die Umsetzung der zusätzlichen Herausforderungen mit Supercars. Ihr Handling fühlt sich einfach nicht so glaubhaft an wie das der Formel-1-Boliden. Etwas enttäuschend ist auch die Streichung des passablen Story-Modus aus dem vergangenen Jahr. Stattdessen konzentriert sich der neue Bereich „F1 Life“ stärker aufs Angeben.

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Online-Besucher:innen können neuerdings meinen ausgestellten Fuhrpark oder erworbene Kosmetik-Gegenstände aus den zwei Season-Pass-Varianten begutachten (eine davon kostenpflichtig). Die auf Wunsch gegen Echtgeld erhältliche Spielwährung „Pitcoins“ spielt dabei ebenfalls eine Rolle.

Solche verhältnismäßig kleinen Mankos treten aber schnell in den Hintergrund, sobald es mit einem authentischen Fahrgefühl auf die Piste geht – auf Wunsch mit diversen Force-Feedback-Lenkrädern. Es handelt sich zwar eher um ein Rennspiel statt um eine Simulation. Expert:innen (und Einsteiger) finden aber trotzdem viele Optionen für den gewünschten Grad an Realismus.

F1 22: Der schönste SteamVR-Racer?

Im Kern dreht sich dieser Test aber um die VR-Umsetzung, die für die Entwickler nichts Neues sein dürfte. Die Codemasters lieferten Rally-Begeisterten schon mehrmals VR-Unterstützung, etwa in Dirt Rally 1 und 2 oder Project Cars 3 von der Tochterfirma Slightly Mad Studios.

Wie bereits erwähnt, ist die Immersion in Virtual Reality großartig: Dank der räumlichen Darstellung schätze ich um mich herum viel natürlicher Abstände ein und treffe die Bremspunkte genauer. Riskante Überholmanöver, die am Monitor vielleicht zu einer Kollision führen würden, kann ich in VR mit viel mehr Übersicht und selbstbewusster einfädeln. Das hilft insbesondere bei der nach wie vor manchmal übermütigen KI. Falls es doch mal kracht, hilft die (begrenzt verfügbare) Rückspulfunktion.

Die Kulisse ist in Virtual Reality ein echter Augenschmaus. Im Vergleich zu Project Cars 2 wirken insbesondere die Vegetation und Rasenflächen viel räumlicher und authentischer. Auch Bauwerke, wie am Rande des neuen Miami International Autodrome, sind aufwendiger modelliert.

Im Gegenzug werden entfernte Fahrzeuge hier einen Deut unruhiger als in Project Cars 2 dargestellt. Es wird allerdings nicht ansatzweise so verwaschen wie im missratenen Project Cars 3. Stellt die Kantenglättung am besten nur auf „TAA“ ein, damit die Konkurrenz am Horizont möglichst scharf bleibt. Insgesamt bietet F1 22 erfreulich viele grafische Optionen für eine bessere Performance.

Auch gegenüber den hübsch umgesetzten Dirt Rally 1 und 2 gibt es eine grafische Steigerung. Sie macht sich vorwiegend im Cockpit bemerkbar: An den Instrumenten und der Kleidung erkenne ich selbst kleine Maschen und Unebenheiten, passend zu den mittlerweile gestiegenen Auflösungen aktueller VR-Headsets.

Formel-1-Wagen drängeln sich in der Kurve.

Zuschauer:innen müssen auf dem Monitor mit einem hässlich gequetschten Social-Screen Vorlieb nehmen. | Bild: Electronic Arts

F1 22 PC-Anforderungen: Saubere Rennen, fehlerhaftes  Rahmenprogramm

Offiziell unterstützt werden Rift, Vive und Index. Im VR-Rechner empfiehlt EA einen Intel Core i5 9600K oder AMD Ryzen 5 2600X sowie eine Nvidia RTX 2070 oder AMD RX 6700 XT. Bei mir lieferte ein Spiele-PC der gehobenen Mittelklasse ein ansehnliches Ergebnis. Ich habe mit einem Intel Core i7-8700K sowie einer GeForce RTX 2080 Ti getestet, jeweils mit 120 % Supersampling in SteamVR und bei 90 Hertz (Rift S: 80 Hertz).

Meine gute alte Rift S erreicht sogar auf hohen bis sehr hohen Einstellungen ein flüssiges Ergebnis. Mit der Valve Index muss ich hingegen auf Mittel herunterregeln. Die mit dem PC verbundene Quest 2 benötigt aufgrund ihrer höheren Auflösung sogar größtenteils die zweitniedrigste Stufe (niedrig). Das Ergebnis bleibt aber auch dann noch relativ ansehnlich – trotz etwas gröberer Schatten und Texturen sowie reduzierter Effekte.

In der Box und beim Pausieren des Spiels kam es leider mit allen VR-Brillen zu Menü-Rucklern, selbst auf niedrigeren Einstellungen. Hier sollte Codemasters endlich nachbessern – das Problem trat schließlich schon in Project Cars 3 auf. Vor dessen Kalibrierungsproblemen beim Rennstart blieb ich in F1 22 aber verschont.

So viel also zum insgesamt mitreißenden Erlebnis auf der Strecke. Vor und nach dem Rennen musste ich mich hingegen mit der heillos veralteten Nutzerführung herumärgern. Eine virtuelle Tastatur? Gibt es hier nicht. Unterstützung von VR-Controllern: Fehlanzeige! Nicht einmal die schon 1963 erfundene Maus wird in den Menüs unterstützt.

Unfreiwilliger VR-Sport dank katastrophaler Menüführung

Falls euer PC auch in der Zimmerecke steht, solltet ihr vorsichtshalber ein paar Dehnübungen machen. Bei der Anmeldung zum Online-Dienst wechselte ich praktisch im Spagat zwischen Spielfläche, echter Tastatur, VR-Controllern und dem im Spiel unterstützen Xbox-Controller.

Selbst beim Spicken auf den Monitor gibt es Probleme. Ziehe ich die VR-Brille nur ein Stückchen zu weit vom Kopf, verschwinden sämtliche VR-Optionen vom Monitor und werden von einem Warnbildschirm ersetzt. Brillant! Ich kann mich also auch nicht in Ruhe vor den PC setzen, um vorab alles für die spätere VR-Fahrt einzustellen.

Hinzu kommen gelegentliche Server-Probleme und fiese Bugs, wie die eingangs beschriebenen Startprobleme. EA und Tochterfirma Codemasters haben Glück, dass sie mit F1 22 solch ein geduldiges Publikum ansprechen. Beim Kampf durch Menüs und Config-Dateien sind VR- und Rennspielfans schließlich deutlich leidensfähiger als Ottonormalspieler:innen.

Neue VR-Fans dürfte EA so nicht gewinnen, vor allem nicht im Jahr 2022! Das Spiel macht deutlich, wie wichtig die Playstation VR 2 auch für Virtual Reality am PC werden könnte. Wenn Sonys Qualitätskontrolle bessere Menüs erzwingt, haben auch Spieler einer PC-VR-Umsetzung etwas davon.

Ein Formel-1-Fahrer wartet im Wagen auf den Start.

Vorm Start zeigt sich die Bildrate überfordert, auf der Strecke bleibt es bei passenden Grafikeinstellungen aber angenehm flüssig. | Bild: Electronic Arts

VR-Komfort ohne viele Optionen

Apropos Optionen: Der Komfort lässt sich nur geringfügig anpassen, zum Beispiel bei Effekten wie dem blendenden „Bloom“ oder der störenden Bewegungsunschärfe. Eine schwarze Vignette am Bildrand fehlt. Andere Spiele schmälern mit solchen „Scheuklappen“ auf Wunsch bei schnellen Bewegungen das Sichtfeld, weil ein engeres Sichtfeld zu weniger Übelkeit führt.

Das VR-Spiel erweist sich dennoch als sehr magenfreundlich, selbst für mich als mittelmäßig empfindlichen VR-Gamer. Ein Grund dafür dürfte sein, dass die Flitzer wie ein Brett auf der Fahrbahn liegen, statt wie bei Rally-Drifts auszubrechen. Außerdem begrenzt in der tiefen Sitzposition das Cockpit die Sicht. Das vermittelt ebenfalls ein wenig Sicherheit.

F1 22 Test-Fazit: Der ultimative VR-Rennspaß?

Ich bin verblüfft über das altbackene Nutzererlebnis in F1 22. Hier muss ich nicht nur ständig zwischen ruckelnden Menüs, Controllern und der echten Tastatur wechseln. Nach dem Day-One-Patch verweigerte der VR-Modus sogar komplett seinen Dienst. Hier geht es zum Workaround im offiziellen Forum, der das Problem schließlich ausräumte.

Zu sehr solltet ihr euch aber auch nicht davon abschrecken lassen. Im Gegensatz zum unsauberen Drumherum überwiegt auf der Strecke der pure Fahrspaß mit flüssiger Performance. Mit der VR-Brille fühlen sich die Rennen herrlich immersiv an und sehen so hübsch aus, wie ich es bisher in keinem anderen Rennspiel erlebt habe.

Die verbesserte Fahrphysik und die authentisch einstellbare Surround-Abmischung sorgen bereits vor dem Monitor für ein tolles Rennerlebnis. Falls ihr die Wahl habt, solltet ihr aber unbedingt in Virtual Reality fahren.

Die Empfehlung gilt auch für Neueinsteiger: Trotz mangelnder Komfortoptionen hat sich mein Magen bisher in kaum einem Rennspiel so wohlgefühlt wie in F1 22.

F1 22 mit VR-Modus könnt ihr hier kaufen

Stores Unterstützte Geräte Preis
Steam PC-VR-Brillen, Oculus Quest (2) 59,99 (Standard Edition) bzw. 79,99 Euro (Champions Edition)
Origin PC-VR-Brillen, Oculus Quest (2) 59,99 (Standard Edition) bzw. 79,99 Euro (Champions Edition)

Hinweis: Die im Epic Games Store erhältliche PC-Fassung unterstützt laut EA nicht den VR-Modus.