Auf der CES stellte Panasonic eine VR-Brille mit außergewöhnlich schlankem Formfaktor vor. Ich habe die Eindrücke erster Vorort-Tests zusammengefasst.

Die VR-Brille ist ein Prototyp und hat noch keinen Produktnamen. Panasonic spricht von “VR Eyeglasses” und betont damit den Formfaktor einer Brille in Abgrenzung zu ausgewachsenen VR-Headsets à la Oculus Rift oder Valve Index.

In der Pressemitteilung heißt es, dass Panasonic in Erwartung kommerzieller 5G-Dienste an einem Produkt fürs Betrachten von Sportereignissen in VR und virtuelle Reisen arbeitet.

“Wir wollten zeigen, dass es möglich ist, eine leichte, modische VR-Brille mit sehr hoher Videoqualität zu schaffen”, sagt Panasonic-Manager Joseph Cates gegenüber Techradar. Der volle Funktionsumfang und Formfaktor stehe allerdings noch nicht fest. Preislich soll sich die VR-Brille am oberen Ende des Markts für Verbrauchergeräte orientieren.

Tragekomfort & Konnektivität

The Verge konnte die VR-Brille auf der CES anprobieren und lobt den schmalen Formfaktor, der an eine Steampunk-Fliegerbrille erinnert.

Weniger erfreut war der Tester über die Vorderlastigkeit des Geräts, das ihm häufiger von der Nase zu rutschen drohte, wenn er sich nach vorne beugte. Dicke PC-Kabel verschlimmerten diese Situation noch. Techradar bemängelt ebenfalls die ungleiche Verteilung des Gewichts und die geringe Rutschfestigkeit.

Panasonic hatte einen zweiten, funktionsunfähigen Prototyp auf dem Stand, der sich am angepeilten Endprodukt orientiert, wesentlich leichter und über ein USB-C-Kabel mit einem Smartphone oder Taschencomputer verbunden wird.

Display, Optik & IPD-Regler

Eine weitere Besonderheit der VR-Brille neben dem Formfaktor sind die verbauten Micro-OLED-Displays der Marke Kopin, die Panasonic zufolge eine UHD-Auflösung bieten, was 3.840 mal 2.160 Bildpunkten entspräche. Unklar ist, ob diese Auflösung für beide Augen oder für jeweils eines gilt.

The Verge zufolge sei fast kein Fliegengittereffekt mehr zu sehen. Die Panasonic-Brille sei zudem die erste, die HDR unterstützt, was in eindrucksvollen Bildern resultiere. Ebenfalls eine Neuheit sind die verbauten Pancake-Linsen.

UploadVR zufolge unterstützt das Display lediglich 60 Bilder pro Sekunde und der Abstand der Displays und Linsen kann manuell eingestellt werden (für Augenabstände von circa 60 bis 70 Millimeter), wie folgendes Video zeigt:

Ein Fliegengittereffekt sei nicht zu erkennen gewesen, jedoch seltsame Ghosting-Effekte bei weißer Schrift oder weißem Licht. Auch Techradar erwähnt Darstellungsfehler. Sowohl UploadVR als auch Engadget waren beeindruckt von den HDR-Displays.

Bei Twitter meldet sich Oculus-Gründer Palmer Luckey zu Wort, der in seinem Leben schon so einige VR-Brillen auf dem Kopf hatte und bekanntlich sogar eigene Geräte konstruierte.

Er bezeichnet Panasonics VR-Brille als “sehr cool”, lobt die hohe Pixeldichte sowie den integrierten Mechanismus zur individuellen Scharfstellung. Luckey ist dafür bekannt, dass er die VR-Branche durchaus scharf kritisiert.

Sichtfeld, Audio & Tracking

Das Sichtfeld sei aufgrund der kleinen OLED-Displays geringer als bei herkömmlichen VR-Brillen schreibt The Verge, was in einem “rechteckigeren” Bild resultiere. Auch Engadget spricht von einem vergleichsweise “kleinen Sehfenster”. Panasonic bestätigt gegenüber UploadVR, dass das Sichtfeld des aktuellen Prototyps circa 70 Grad beträgt. Mit größeren OLED-Displays könne man jedoch ein Sichtfeld von 100 Grad erreichen, sagt Panasonic.

Von The Verge gelobt wird die Audioqualität über die integrierten Earbuds mit Panasonic-eigener Technics-Hardware.

In Sachen Tracking bietet der gezeigte Prototyp nur drei Freiheitsgrade. Gegenüber UploadVR äußerte Panasonic, dass man über Raumtracking nachdenke, eine entsprechende Option würde jedoch wiederum das Gewicht vergrößern.

So wie es aussieht, ist Panasonics Prototyp derzeit als tragbare, mit einem externen Zuspieler zu koppelnde VR-Videobrille mit hoher Auflösung konzipiert. Als Gaming-Brille ist sie eher nicht gedacht, da Raumtracking und Controller fehlen.

| Panasonic VR Brille CES 2020 Innenansicht

Die Earbuds können an den Bügeln befestigt werden. BILD: Panasonic

Fazit

UploadVR fand den Formfaktor und visuelle Qualität “verlockend”, wirklich interessant sei die VR-Brille jedoch nur, wenn das Endprodukt ein ähnlich hohes Sichtfeld wie herkömmliche VR-Brillen bietet.

Für The Verge zeigte der Prototyp, dass man VR-Brillen mit besserem Formfaktor und besserem Bild bauen kann. Ein Produkt für Verbraucher sei das Gerät noch nicht, aber die Richtung stimme.

Auch Techradar sieht das Potenzial, aber auch viele Baustellen wie die fehlende Rutschfestigkeit, Darstellungsfehler und jetzige PC-Kabelverbindung, die den mobilen Faktor stark einschränkt.

Titelbild: Panasonic, Quellen: The Verge, UploadVR, Techradar, Engadget

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