VR-Koryphäe John Carmack begleitete Oculus von Anfang an und erlebte die Integration des Start-ups in Facebooks Unternehmensstruktur als Technikchef mit. Nun spricht er offen über diese Zeit.

Carmack, der 2012 zusammen mit Palmer Luckey den VR-Hype ins Rollen brachte und im Sommer 2013 als Technikchef ins Oculus-Team wechselte, gibt auf der Webseite Hacker News einen seltenen Einblick in die Oculus-Unternehmenskultur vor und nach der Facebook-Übernahme.

Das soziale Netzwerk erwarb Oculus im Frühjahr 2014 und absorbierte das Start-up in den Folgejahren vollständig. Im Sommer 2019 verließ der letzte Oculus-Gründer Facebook. Oculus selbst ist heute nur noch ein Markenname.

Chaotisches Oculus

“Ich wollte eigentlich, dass sich Facebook nach der Übernahme Oculus stärker aufprägt, weil Oculus ehrlich gesagt ein bisschen chaotisch war. Stattdessen genoss Oculus jahrelang enorme Freiheiten”, schreibt Carmack.

Dem Programmierer zufolge gab es praktisch keine Führungsstruktur. “Niemand hat mir je gesagt, was ich tun soll”, schreibt Carmack. Umgekehrt habe er selbst keine Macht gehabt, andere zu führen. Die wichtigen Entscheidungen seien ohne ihn getroffen worden, was auch mit seiner Entscheidung zusammenhing, nicht ins Facebook-Hauptquartier zu wechseln.

Carmack habe andere lediglich durch sein Beispiel und Argumente leiten können, schreibt der Programmierer. Die Argumente hätten allerdings “erst nach Jahren angehäufter Beweise” Wirkung gezeigt. Carmack war von Anfang ein Befürworter mobiler Virtual Reality und war maßgeblich an der Entwicklung von Samsung Gear VR, Oculus Go und Oculus Quest beteiligt.

“Wir brauchen nicht mehr und mehr Performance, sondern geringere Einstiegshürden”, sagte Carmack nach dem schwachen Marktstart der PC-VR-Brille Oculus Rift im Jahre 2016. Die Zukunft der Virtual Reality sei mobil, der PC solle eher das Kreativlabor für VR-Experimente werden.

Jahre später ist genau das eingetreten: Facebook setzt nun voll und ganz auf die autarke Oculus Quest, während das wenig zukunftsträchtige Rift-Produkt demnächst vom Markt genommen wird.

Carmack: Glücklich als Teilzeitberater

Schon in Steven Levys Buch “Facebook: The Inside Story” (Amazon-Link) von 2020 äußerte sich Carmack kritisch über mangelhaftes Management nach der Facebook-Übernahme. “Wir haben eine Menge Ressourcen verschwendet. Wir wurden mit reichlich Mitteln ausgestattet und es gab viele Projekte, die angefangen und aus guten oder schlechten Gründen wieder aufgegeben wurden”, sagte Carmack.

Ende 2019 trat der Programmierer von seinem Posten als Technikchef zurück und arbeitet seither als Berater für Facebook. “Ich bin heute ziemlich glücklich und effektiv als Teilzeitberater”, schreibt Carmack.

Alles in allem sei die Facebook-Übernahme “kein perfekter Märchenausgang” geworden. “Aber ich denke rückblickend immer noch, dass die Akquisition richtig war für Oculus.”

Quelle: Hacker News, Titelbild: Facebook

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