Computerbrillen, noch dazu sehr teure und große, sind schwer zu verkaufen. Das Smartphone hingegen steckt ohnehin schon in jeder Tasche. Das versteht jetzt auch Magic Leap.

In einer neuen Stellenausschreibung (via Variety) sucht Magic Leap einen erfahrenen Entwickler, der die Magic-Leap-Plattform auf Smartphones und mobile Geräte portiert.

Wohlgemerkt geht es nicht um einen mobilen Store für Magic Leap One oder irgendeine Assistenz-App, sondern explizit um “im großen Maßstab teilbare AR-Erfahrungen zwischen mobilen Geräten”.

Der neu einzustellende Entwickler soll schnelle, hochwertige Algorithmen für AR und Computer Vision programmieren und das mobile Magic-Leap-Entwicklerkit gestalten.

Verlangt werden mindestens fünf Jahre Berufserfahrung, insbesondere bei der Entwicklung von Smartphone-Apps sowie beim Umgang mit Apples ARKit, Googles ARCore und gängigen Engines wie Unity und Unreal.

Strategiewechsel bei Magic Leap?

Die Stellenausschreibung überrascht insofern, da Magic Leap sich zu Hochphasen des Hypes mit teils markigen Worten als Smartphone-Killer aufgestellt hat. Mit einer AR-Brille könnten Menschen endlich die Köpfe wieder hochnehmen und den Blick vom Display auf die richtige Welt lenken.

Seit der eigenen Entwicklerkonferenz im Herbst schwenkt das Unternehmen langsam um. Dafür gibt es einen einfachen Grund: wirtschaftlicher Zwang. Trotz Milliardeninvestitionen und fünf Jahren Entwicklungszeit wurde die Erstlingsbrille Magic Leap One verhalten angenommen.

Das Gerät bietet gegenüber Microsofts Konkurrenzbrille Hololens kaum Vorteile – und deren Nachfolger steht schon in den Startlöchern. Magic Leap nennt keine Zahlen, dürfte aber nur wenige Tausend Geräte verkauft haben.

Alles andere wäre eine Überraschung: Die One-Brille ist nur für experimentierfreudige Entwickler interessant, ein App-Ökosystem existiert nicht. Der Hype ist weg und hat sich im schlechtesten Fall sogar ins Gegenteil gekehrt. Das Unternehmen wird nach vielen leeren Versprechungen deutlich kritischer bewertet.

Dennoch hat Magic Leap über 1.600 Mitarbeiter, die über mehrere Standorte verteilt sind, muss also monatlich massive Unterhaltskosten stemmen, um den Laden überhaupt am Laufen zu halten.

Magic Leap braucht Cash

Außerdem müssen weitere Milliarden fließen, damit die AR-Technologie über die kommenden Jahre hinweg signifikant weiterentwickelt werden kann. Insbesondere bei AR-Displays muss noch Grundlagenforschung betrieben werden.

Selbst wenn das Geld fließt, ist es fraglich, ob jemals eine Brille mit Massenmarktpotenzial entsteht. Microsoft beispielsweise positioniert Hololens 2 so wie die erste Version weiter als Profigerät für die Industrie.

Potenzielle Investoren jedenfalls dürfte diese Marktentwicklung eher abschrecken. Nicht mal Magic Leap selbst wird seriös vorhersagen können, ob und wann und in welchem Umfang ein signifikanter Geldstrom entsteht.

Ein zusätzliches Angebot für Mobile-AR ergibt in diesem Kontext Sinn: Hier gibt es zumindest Potenzial für ein lukratives Geschäftsmodell, Pokémon Go macht es vor.

Womöglich braucht Magic Leap diese Neuausrichtung hin zu Smartphone-AR jetzt, um neue Investoren zu gewinnen und das Unternehmen so langfristig am Leben zu halten. Gründer Rony Abovitz zog in der Vergangenheit sogar einen Börsengang in Betracht – auch dieser dürfte nur mit einem funktionierenden Geschäftsmodell realisierbar sein.

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