AR-Brille günstig selber bauen – so geht’s

AR-Brille günstig selber bauen – so geht’s

AR-Brillen von Microsoft, Magic Leap und Nreal sind euch zu teuer? Kein Problem! Ab sofort gibt es eine günstige Alternative zum Selberbauen. Welche Technik steckt in der AR-Brille Marke Eigenbau?

Arnaud Atchimon beschreibt sich als Mensch, der gerne Dinge baut und sie mit anderen teilt. Der „Digital Designer“ verbaut beispielsweise Sprachassistentin Alexa, die normalerweise in Amazon-Geräten wie dem Echo 4 (Test) zu Hause ist, in Alltagsgegenstände wie Badezimmerlampen.

Seine neueste Kreation ist eine AR-Brille, die jeder begabte Bastler kostengünstig nachbauen kann. Er will damit zeigen, dass das Herstellen von Open-Source-AR-Brillen möglich ist und die Verbreitung der Technologie vorantreiben könnte. Die Anleitung samt Teileliste stellt er als kostenlosen Download zur Verfügung.

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AR-Brille cheApR: Von Tilt Five inspiriert

Als Inspiration für seinen Bausatz nennt Atchimon die AR-Gamerbrille Tilt Five. Die ist Teil eines Brettspiel-Sets, das die herkömmliche Spielerfahrung mit Augmented Reality kombiniert. In der Brille verbaute Projektoren werfen ein animiertes 3D-Bild auf ein speziell beschaffenes Spielbrett.

Dadurch entsteht eine dynamische Spielwelt mit animierten Figuren und Umgebungen, wie das obige Through-the-Glasses-Video zeigt. Da die Brettspiel-AR-Brille schwer zu bekommen und seiner Meinung nach relativ hochpreisig sei, entschied sich der Tüftler zum Eigenbau. Seine günstige Alternative nennt Atchimon „cheApR“.

Welche Technik steckt in der selbstgebauten AR-Brille?

Die AR-Brille zum Selberbauen benötigt wie das Vorbild Tilt Five einen externen Zuspieler. Atchimon nutzt dazu einen Mac mit einer modifizierten Open-Source-Software. Die verarbeitet die Bewegungsdaten des verbauten MPU6050-Moduls und steuert gemeinsam mit einem ESP32 Mikrocontroller die Darstellung der Bilder auf den LCDs.

Elektronische Bauteile, die zur Herstellung der Open-Source-AR-Brille "cheApR"benötigt werden.

Das ist die ganze Elektronik, die in der Open-Source-AR-Brille steckt. | Bild: Arnaud Atchimon

Auf diese Art verändert die Brille die Perspektive auf ein Objekt, wenn sich Brillenträger bewegen. Zudem erkennt cheApR Gesichter und AR-Marker in der Umgebung. Alle Bauteile für den Brillen-Rahmen stammen aus dem 3D-Drucker. Die gesamte Elektronik befindet sich in einem kleinen Gehäuse direkt oberhalb der Linsen.

Eine Konstruktionszeichnung, die die Anordnung von Linsen, Spiegel und LCDs in der AR-Brille cheApR zeigt.

Die Bilder der zwei LC-Displays werden von einem schräg montierten Spiegel auf die Linsen geworfen. | Bild: Arnaud Atchimon

Dort sitzen auch die zwei LC-Displays, deren Bilder von zwei Ein-Millimeter-starken Spiegeln auf die Linsen reflektiert werden. Apropos Linsen: Atchimon setzt auf herkömmliche Sonnenbrillengläser. Gläser mit einer leicht gewölbten Form führten in seinen Tests zu den besten Ergebnissen.

Was kann die selbstgebaute AR-Brille?

Die komplette Teileliste samt Shopping-Link und Bauanleitung findet ihr auf der Webseite Instructables. Weitere Dateien und die Software stehen zum Download auf Github zur Verfügung.

Wer über den Eigenbau nachdenkt und sich über die günstigen Einzelteile freut, sollte nicht vergessen, dass ein 3D-Drucker benötigt wird. Einsteigergeräte gibt es zwar schon für unter 500 Euro, viel mehr kostet die deutlich leistungsfähigere Nreal Light aber auch nicht. Ihr könnt 3D-Drucker natürlich auch online oder lokal für euren Druck mieten, anstatt direkt ein eigenes Gerät zu kaufen.

Was die noch recht klobige cheApR leisten kann, zeigt Atchimon in folgendem Video.

Spätestens nach Betrachtung des Videos sollte klar sein, dass cheApR nicht in Konkurrenz zu High-End-Geräten wie der Hololens 2 und Nreal Light (Test) treten oder gar Augenoperationen mit AR-Brillen ermöglichen wird. Einfache Spielereien wie AR-Filter oder Texteinblendungen sind aber ohne weiteres möglich. Zudem darf man gespannt sein, was der bastel-affine Teil der AR-Community aus Atchimons Vorarbeit noch herausholen kann.

Eine Alternative Bastel-AR-Brille gibt’s von Ultraleap (früher Leap Motion): Anleitung und Bauteile für Project North Star sind ebenfalls kostenlos bei Github verfügbar.

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