Amazons Echo 4 ist der neue Alexa-Standard. Überzeugen die Features des vielseitigen Smart Speakers im Test?

2004 gründete Amazon ein Forschungslabor mit dem Ziel, eigene Hardware-Produkte zu entwickeln. Drei Jahre später brachte das „Amazon Lab126“ den Amazon Kindle eReader auf den Markt und läutete die Erfolgsgeschichte der Amazon-Geräte ein. Es folgten die Fire Tablets, Fire TV und der wenig ruhmreiche Versuch, in den Smartphone-Sektor einzusteigen.

Der Misserfolg des Fire Phones führte dazu, dass Amazon ein anderes ambitioniertes Projekt samt Augmented-Reality-Funktionen, Bewegungstracking, Gesten- und Sprachsteuerung nahezu einstampfte. Einzig die Idee mit der Sprache als einziges Befehlsinstrument überlebte und „Alexa“ war geboren. 2015 erblickte sie im Smart Speaker „Echo“ das Licht der Welt. Die erfolgreichen Echo-Speaker mit Amazons Sprachassistentin werden seitdem kontinuierlich weiterentwickelt.

Im September dieses Jahres hielt Amazon ein Hardware-Event ab und kündigte die mittlerweile vierte Generation von Echo Smart Speakern in einem deutlich veränderten Design an. Neben den Äußerlichkeiten wurden auch die inneren Werte der Alexa-Box angepasst. In der Produktbeschreibung der jetzt erstmals kugelförmigen Speaker stehen unter anderem verbesserte Lautsprecher und neue Funkschnittstellen, die es bislang nur in deutlich teureren Geräten gab. Ein Energiesparmodus soll Kunden beim Sparen helfen und neue Datenschutzoptionen das Vertrauen in die Sprachassistentin stärken.

Das Highlight stellt allerdings der von Amazon selbst entwickelte KI-Chip „AZ1 Neural Edge Processor“ dar. Er soll für beeindruckende neue Alexa-Features sorgen und damit eine neue Ära der intelligenten Sprachassistenz einläuten. Warum das nur zum Teil geglückt ist und vieles davon vorerst ein Versprechen auf die Zukunft bleibt, erfahrt ihr in diesem Test.

So sieht die Testumgebung aus

Zur Verbindung und Einrichtung des Echo 4 verwenden wir ein gängiges Mittelklasse-Smartphone mit Android-Betriebssystem. Die WLAN-Verbindung arbeitet im 5-GHz-Band mit einer Fritz Box 7530 AA und einem Fritz Repeater 3000 auf einer circa 120 Quadratmeter großen, ebenerdigen Wohnung.

Lieferumfang: das steckt in der Schachtel

Geliefert wird der Smartspeaker in der typisch blauen Amazon-Verpackung. Zwei Symbole auf der Innenseite des Deckels weisen darauf hin, die Alexa-App herunterzuladen und den Echo ans Stromnetz anzuschließen. Mehr Anleitung braucht ein Echo scheinbar nicht.  

Mit dabei ist ein 30-Watt-Netzteil, das fest mit einem circa 150 Zentimeter kurzen Kabel verbunden ist. Hier spart Amazon 30 Zentimeter wertvolle Kabellänge ein. Der Vorgänger brachte es noch auf 180 Zentimeter und war somit ein gutes Stück flexibler. Das Kabel des Echo 4 ist zudem immer weiß, egal, welche Farbe das Gerät hat.

Das mag bei den helleren Gerätefarben passen, bei der anthraziten Kugel sticht das optisch allerdings deutlich hervor. Störend ist aber vor allem, dass das Kabel ziemlich starr daher kommt und nach dem Auspacken und Anschließen stark an eine Telefonschnur erinnert.

Design, Verarbeitung & andere Äußerlichkeiten

Der neue Echo unterscheidet sich äußerlich grundlegend von seinem Vorgänger. Seit der ersten Generation waren Amazons Smartspeaker zylinderförmig und wurden mal schmaler, mal höher oder bekamen einen schicken Stoffüberzug. Mit Echo 4 entfernt sich Amazon komplett vom ursprünglichen Design und baut seine Smart Speaker jetzt kugelförmig. Einzig der Stoffanteil bleibt erhalten.

Der neue Amazon Echo Smart Speaker in drei verschiedenen Farben

Zu den ursprünglich angekündigten Farben gesellt sich mittlerweile auch eine rote Echo-Kugel. | Bild: Amazon

Das soll moderner und schicker sein, vor allem aber den neu ausgerichteten Lautsprechern zugutekommen. Dazu später mehr. Echo 4 ist 14,4 x 14,4 x 13,3 Zentimeter groß und in den Farben Anthrazit, Blaugrau, Rot und Weiß erhältlich. Die Oberfläche der knapp ein Kilo schweren Kugel ist etwa zur Hälfte mit Stoff überzogen. Das sieht schön aus, lässt sich aber nur mühsam von Staub befreien. Der Rest kommt in schlichtem, pflegeleichtem Plastik.

Auch neu ist die Platzierung des Leuchtrings an der Unterseite des Speakers. Das tut zum einen der optischen Gesamtkomposition des Geräts gut. Zum anderen sehen die Oberflächenreflexionen auf der Standfläche nett aus und machen das Signallicht entgegen vorheriger Befürchtungen gut sichtbar. Die Verarbeitung des Echo 4 ist durchgehend hervorragend und das Design in sich stimmig.

Einzig die Bedienelemente wirken etwas unrund. Die vier Knöpfe an der Oberseite des Geräts regeln die Lautstärke oder schalten das Mikrofon an oder aus. Mit der Aktionstaste weckt man Alexa auf oder lässt sie in den Konfigurationsmodus wechseln. Der Druckpunkt der Tasten ist angenehm und sie fühlen sich wertig an. Da sich die Plastikknöpfe aber von der Stoffoberfläche abheben, wirken sie von nahem wie aufgeklebt und stören das Gesamtbild.

Zwar haben sie so den Vorteil, gut fühlbar zu sein. Eine elegantere Lösung wäre aber gewesen, sie in die Oberfläche einzuarbeiten. Am hinteren Ende der Kugel sind der Stromanschluss und eine 3,5 Millimeter Klinken-Buchse eingebettet. Mit der könnt ihr entweder Kopfhörer anschließen oder ein Abspielgerät, das Echo als Lautsprecher verwendet. Einen CD-Player zum Beispiel für alle, die das noch kennen. An der Unterseite der Kugel befindet sich ein Gewinde, falls Echo auf ein Stativ oder eine Wandhalterung geschraubt werden soll.

Einrichtung, Konnektivität und ZigBee-Hub

Wie auf der Verpackung aufgemalt, braucht es zur Einrichtung eines Echo-Geräts die Alexa App. Die gibt es für Android, iOS und FireOS im jeweiligen App-Store. Der Ablauf geht schnell über die Bühne. Schließt ihr Echo ans Stromnetz an, meldet sich kurz darauf Alexa zu Wort. In der App erscheint ebenfalls eine Meldung.

Der neue Echo 4 Smart Speaker in weiß.

Der Leuchtring befindet sich beim neuen Echo an der Unterseite des Geräts. | Bild: Amazon

Dort gebt ihr das WLAN-Netzwerk, den Raum, in dem ihr den Echo-Speaker stehen habt und eure Adresse an. Die beiden letztgenannten Informationen sind keine Pflichtangaben. Im Anschluss sucht Alexa auf Wunsch direkt nach kompatiblen Smarthome-Geräten und verbindet sich automatisch. Echo 4 verfügt über Dualband-WLAN und unterstützt Netzwerke der Standards 802.11 a/b/g/n/ac in 2,4 und 5 GHz. Einzig Verbindungen zu ad hoc- oder Peer-to-Peer-WLAN-Netzen kann der smarte Lautsprecher laut Herstellerangaben nicht.

Musikstreaming und Sprachsteuerung von Mobilgeräten klappen per Bluetooth-Verbindung. Bluetooth-Geräte, die eine PIN-Eingabe erfordern, kann Alexa nicht ansteuern.

Wie Amazon den integrierten Temperatursensor genau einsetzen will, ist noch nicht ganz klar. In den Geräteanzeigen der Alexa-App taucht zwar eine Temperaturanzeige auf, die weicht aber von der tatsächlichen Temperatur ab. Auf die Frage, wie warm es denn in meiner Wohnung sei, entgegnet Alexa aus dem Echo, dass diese Funktion noch nicht unterstützt werde.

Die große Neuerung gegenüber dem Vorgänger ist ein integriertes ZigBee-Hub. ZigBee ist ein sehr energieeffizientes Funkprotokoll, ähnlich wie das ebenfalls verbaute Bluetooth Low Energy. ZigBee-kompatible Smart-Home-Geräte können sich untereinander vernetzen, ein Mesh-Netzwerk aufbauen und somit Befehle weitergeben. Die Funkreichweite erhöht sich also mit jedem dem Netzwerk hinzugefügten Gerät. Normalerweise wird für die Steuerung von ZigBee-Geräten eine Basisstation („Bridge“) benötigt. Diese zusätzliche Anschaffung entfällt für Echo 4-Besitzer.

Smarthome-Steuerung mit Echo 4

Wie sich Echo 4 und Alexa bei der Steuerung von Smarthome-Komponenten anstellen, habe ich mit einem Ecovacs Deebot Ozmo 900 Saug- und Wischroboter und den Philips Hue White E27 Lampen getestet. Die smarten Glühbirnen liegen Echo-Geräten häufig in Bundle-Angeboten bei und sind sowohl für den Gebrauch mit Alexa als auch ZigBee zertifiziert.

Alexas etwas hölzerne Blechstimme klingt dank KI-Sprachsynthese jetzt viel menschlicher.

Vom ursprünglichen Design der Echo-Lautsprecher ist heute nicht mehr viel übrig. | Bild: Amazon

Die Einrichtung verläuft entweder über die Alexa App oder per Sprachbefehl („Alexa, verbinde dich mit der Lampe im Büro“). Bei einem Abstand von knapp zwei Metern zwischen Echo und Lampe wurde die Verbindung weit unter der angegebenen Dauer von 45 Sekunden hergestellt. Danach steuert ihr die smarte Glühbirne entweder in der Alexa-App an oder bequem über einen Sprachbefehl.

Bei den Sprachbefehlen „Alexa schalte die Bürolampe ein / aus“ vergehen allerdings zwischen drei und fünf Sekunden, bis Alexa den Befehl umsetzt. Echo 3 erledigt das unter gleichen Bedingungen in zwei bis drei Sekunden.

Die Verbindung zum Saug- und Wischroboter war ebenfalls problemlos möglich. Alexa lässt den Roboter die Reinigung starten und abschließen oder schickt ihn zurück in die Ladestation. Alles per Sprachbefehl und ohne weiteren Zugriff auf die jeweiligen Apps – superpraktisch.

Echo 4 muss dabei nicht im selben Raum stehen, in dem sich die zu steuernden Geräte befinden. Im Test bediente Alexa das Schlafzimmerlicht sowie den Staubsaugerroboter im Wohnzimmer problemlos vom Büro aus. Dazwischen liegen zwei respektive drei Türen und etwa 30 bis 40 Quadratmeter Wohnfläche.

Echo 4: Sound und Speaker-Funktionen

Obwohl Echo 4 quasi die ganze Wohnung steuern kann, ist er im Kern vor allem eines: ein Lautsprecher. Im Inneren sorgen jetzt zwei 20-mm-Hochtonlautsprecher und ein 76,2-mm-Neodymium-Woofer für die Geräuschkulisse. Der Vorgänger hatte nur einen Hochtonlautsprecher verbaut.

Die Lautsprecheranordnung des Echo 4 Smartspeaker.

Im neuen Echo 4 stecken zwei Hochtöner und ein Neodymium-Woofer. | Bild: Amazon

Der Neodymium-Woofer strahlt nach oben aus, während die beiden Hochtöner unter ihm liegen und den Klang nach vorn mit leichter Links-Rechts-Ausrichtung abgeben. Dadurch soll der Raum besser ausgefüllt werden.

Außerdem soll sich der Klang automatisch an jeden Raum anpassen – und das tut er tatsächlich. Steht Echo beispielsweise in einem engen Büroregal, nimmt der Smart Speaker automatisch die Bässe etwas raus. Am Sideboard im großen Wohnzimmer breitet er sein Soundspektrum hingegen weiträumig aus. Über den Equalizer in der Alexa-App kann jederzeit feinjustiert werden.

War der Sound des Echo 3 schon hochwertig für einen Lautsprecher in dieser Preisklasse, legt Echo 4 noch mal ordentlich nach. Der Woofer bringt die tiefen Töne von Bassdrum und Bass kraftvoll zum Ausdruck, vermatscht aber den Gesamtsound zu keiner Zeit. Mitten und Höhen heben sich angenehm ab und erzeugen einen überraschend brillanten Klang. Bei voller Lautstärke erreicht Echo etwa 84 Dezibel, was für den Heimgebrauch mehr als genug ist. Auf Anschlag wird das Klangbild aber undifferenziert.

Letzte Aktualisierung am 17.01.2021 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

Per Multiroom-Funktion können mehrere Geräte in verschiedenen Zimmern gleichzeitig Musik abspielen. Mit der Koppelung zweier Echo 4-Speaker soll der Klang ein Upgrade bekommen und volleren 2.1-Sound liefern.

Ausprobieren konnte ich das bisher noch nicht, da mein Echo 4 zum Testzeitpunkt „Single“ war. Die Verbindung mit dem Echo 3 klappte allerdings problemlos. Alexa-Geräte sind mit Apple-Music, Apple-Podcasts, Deezer, Spotify, TuneIn und natürlich dem hauseigenen Streaming-Dienst Amazon Music kompatibel.

Zudem könnt ihr viele weitere Musik- oder Podcast-Dienste vom Smartphone auf die Smarte Box streamen. YouTube Music konnte ich zum Testzeitpunkt weder mit Alexa verknüpfen, noch über die App auf Echo streamen.

Echo 4 & Fire-TV-Stick: Die smarte Heimkinoanlage

Im Zusammenspiel mit dem neuen Fire TV-Stick wird der Smart-Speaker im Handumdrehen zur intelligenten Heimkinoanlage. Natürlich kann ein Smartspeaker keine aufwendige Surround-Anlage ersetzen.

Der neue Amazon Fire-TV-Stick.

Im Verbund mit dem neuen Fire-TV-Stick wird Echo 4 zur Heimkino-Anlage. | Bild: Amazon

Mit den Gerätesounds der meisten Fernseher und so mancher Soundbar kann sich der neue Echo allerdings problemlos messen. Egal, ob Action-Kracher oder Diskussionsrunde, der Ton kommt klar und deutlich, wenn er es sein soll und mit Wumms, wenn er gebraucht wird. Die Verbindung zum Fire-TV-Stick klappt einwandfrei.

Der wiederum verbindet sich mit dem Smart-TV her und schon steuert ihr die komplette Anlage mit der Stimme: „Alexa spiel Vikings über Netflix ab“ oder „Alexa, zeig mir die Tagesschau in der ARD-App“ schalten TV und Stick ein und bringen die gewünschte Sendung sofort auf den Bildschirm. Auch hier könnte die Investition in einen zweiten Echo 4 für 2.1-Sound lohnen.

Generell können Echo-Speaker und Echo Dots jeder Generation miteinander gekoppelt werden. Ein ausgeglichenes Klangbild werdet ihr nur mit zwei Echo 4-Lautsprechern erreichen. Auf Surroundsound müsst ihr bei Echo 4 generell verzichten, Dolby-Stereo beherrscht die Kugel aber.

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Einziges Manko: Ist Alexa als Heimkinoanlage eingerichtet und mit Fernseher und TV-Stick verbunden, kommt es manchmal zu Verzögerungen bei anderen Services. Die Musikwiedergabe über Spotify startete beispielsweise erst spät oder gar nicht, da Alexa die Spotify-App auf dem Fire-TV-Stick ansteuert, statt den entsprechenden Skill zu verwenden. Bisher konnte ich hierzu keine Lösung finden.

Das könnte der neue KI-Chip AZ1, aber …

Der neue KI-Chip AZ1 Neural Edge Processor soll für einige neue Features sorgen und Alexa durch maschinelles Lernen stetig verbessern. Unter anderem werden Sprachbefehle künftig direkt am Gerät verarbeitetet, ohne den Umweg über die Cloud gehen zu müssen. Amazon verspricht eine doppelt so schnelle Verarbeitung der Befehle als bisher.

Ein Video zeigt neue Funktionen von Amazons Sprachassistent Alexa.

Alexa nimmt künftig selbstständig an Gesprächen teil, wenn ihr das wollt. | Bild: Amazon

Leider ist die Verarbeitung direkt am Gerät sprach- und ortsgebunden. Vom Geschwindigkeitsvorteil profitieren bislang nur englischsprachige Nutzer in den USA. Gleiches gilt für Alexas Fähigkeit, latente Nutzer-Ziele zu erahnen. Auch die Stimme der Sprachassistentin soll irgendwann menschlich klingende Phrasierungen beherrschen und Interaktionen sollen natürlichen Gesprächen näher kommen.

Sobald die neuen Features in Deutschland verfügbar sind, werden wir den Test entsprechend aktualisieren. Derzeit müssen wir uns aber auf die laut Amazon verbesserte Energieeffizienz beschränken.

AZ1: Energiesparen leicht gemacht, wenn …

Der AZ1 Neural Edge Processor soll bis zu zwanzig Mal weniger Energie verbrauchen als seine Vorgänger. Dazu muss sich Echo im Energiesparmodus befinden, in den sich das Gerät bei längerer Nichtbenutzung automatisch begeben soll. Allerdings gibt es eine Reihe von Einschränkungen, die den Energiesparmodus praktisch irrelevant machen.

Der neue Amazon KI-Sprachchip AZ1

Der neue Amazon KI-Sprachchip AZ1 soll deutlich effizienter arbeiten – noch merke ich davon wenig. | Bild: Amazon

Der Energiesparmodus wird nicht eingeleitet, wenn

  • euer Echo mit Spotify verknüpft ist,
  • eine Amazon-Benachrichtigung vorliegt (gelbes Licht),
  • ihr Echo über den AUX-Stecker mit einem anderen Gerät verbunden habt,
  • ihr mehrere Echo-Geräte der vierten Generation im gleichen WLAN-Netz laufen habt
  • oder ihr das Gerät über ZigBee, WLAN oder Bluetooth mit einem anderen Smarthome-Gerät oder Alexa Gadget verbunden habt.

In anderen Worten: Wollt ihr Strom sparen, zieht Echo den Stecker.

Im Test mit einem herkömmlichen Energiemessgerät zog Echo 4 im Stand-by-Modus 1,8 Watt. Echo 3 brauchte mit 2,1 Watt etwas mehr. Geht man von einem Preis von 0,30 Euro pro Kilowattstunde aus, würde ein Echo 4, der ein komplettes Jahr ganztägig im Stand-by-Modus läuft, Stromkosten in Höhe von 4,73 Euro verursachen. Während der Musikwiedergabe bei mittlerer Lautstärke kam es zu einem Verbrauch zwischen fünf und sechs Watt. Verwendet diese Messungen bitte nur als Orientierung. Alle Angaben sind natürlich ohne Gewähr.

Lobenswert ist Amazons Ansatz der Nachhaltigkeit: Sämtliche Textilien und die Hälfte der verwendeten Kunststoffe wurden angeblich durch die Wiederverwertung von Verbraucherabfällen gewonnen. Das verbaute Aluminium soll vollständig aus recyceltem Aluminium-Druckgussmaterial stammen. Überprüfen können wir diese Angaben nicht.

Alexa und Datenschutz: Diese Optionen habt ihr

Während der Ankündigung der aktuellen Echo-Generation präsentierte Amazon seine neuen Datenschutzoptionen. Am Gerät selbst könnt ihr wie bei den älteren Generationen das Mikrofon abstellen. Das wird laut Amazon nicht einfach nur stummgeschaltet, sondern Echo kappt die Stromversorgung der insgesamt sechs verbauten Mikrofone. Der Speaker signalisiert das durch einen durchgehend rot leuchtenden Ring.

Das Amazon Care Hub sendet Meldungen an die Alexa App.

Viele neue Alexa-Funktionen wie das Care Hub sind derzeit nur in den USA verfügbar. | Bild: Amazon

Amazon gibt an, Sprachinteraktionen mit Alexa nur dann aufzuzeichnen, wenn vorher das Aktivierungswort ausgesprochen wurde. Standardmäßig ist das Alexa. Das sei notwendig, um die Sprach-KI laufend zu verbessern. Die Übertragung in die Cloud ist laut Amazon verschlüsselt und sicher. Was der Online-Gigant mit den erhaltenen Infos sonst noch anstellt, ist für uns nicht nachvollziehbar.

Jeder Nutzer sollte sich darüber im Klaren sein, dass seine Daten heutzutage für viele Unternehmen eine wertvolle Ressource sind, die vielseitig einsetzbar ist. Was beispielsweise Facebook mit VR-Bewegungsdaten anstellen könnte, haben wir in einem ausführlichen Artikel beschrieben.

Im Alexa Datenschutz-Portal habt ihr jedenfalls die Möglichkeit, sämtliche Interaktionen mit Alexa nachzuvollziehen. Es liegen Audioaufnahmen und Transkripte zum Nachlesen vor. Beides könnt ihr auf Wunsch löschen, bald auch per Sprachbefehl: „Alexa, lösche alles, was ich heute gesagt habe.“.

Amazon Echo 4 Test-Fazit: Das klingt gut

Der Amazon Echo 4 ist ein sehr guter Smart Speaker, dessen Funktionsumfang im Vergleich zum Vorgänger sinnvoll ergänzt wurde. Mit den Funkstandards Bluetooth, WLAN oder dem neuen ZigBee-Hub lassen sich die meisten gängigen Smart-Home-Lösungen problemlos ansteuern. 

Die Alexa-Sprachsteuerung ist leicht einzustellen, arbeitet zuverlässig und schnell – wenn auch nicht schneller als der Vorgänger. Das kann sich allerdings bald ändern, wenn der neue AZ1-KI-Chip des Echo 4 sein volles Potenzial zeigt. Noch profitieren von den meisten seiner Vorteile nur Nutzer in den USA. Nach und nach will Amazon aber auch hierzulande weitere Funktionen hinzufügen.

Der hochgepriesene Energiesparmodus ist allerdings Augenwischerei. Schon die Koppelung mit einem weiteren Smart-Home-Produkt reicht aus, damit der Energiesparmodus nicht eingeleitet werden kann.

Beim Sound übertrumpft der neue Echo seinen Vorgänger dafür deutlich: Klar, für den audiophilen Musikliebhaber, der jede Nuance eines komplexen 15-minütigen Tool-Songs erleben will, reicht das noch nicht. Für diesen Anspruch gibt es andere Audiolösungen, die entsprechend teurer sind. Von einem Lautsprecher unter 100 Euro, der vor allem den alltäglichen Musikbedarf bedienen soll, kann man allerdings kaum mehr erwarten.

Insgesamt bietet Amazon mit dem Echo 4 sehr viel Klang und Funktionalität für vergleichsweise wenig Geld. Der AZ1-KI-Chip bleibt den Beweis seiner Leistungsfähigkeit allerdings noch schuldig.

Echo 4 ist für euch geeignet, wenn …

  • ihr einen preiswerten Smart Speaker in ausgefallener Optik sucht,
  • der guten Sound, sehr gute Verarbeitung und hervorragende Konnektivität mitbringt,
  • ihr ohnehin im Amazon-Ökosystem zu Hause seid und
  • kein Problem damit habt, dass eure Daten auf den Amazon-Servern landen.

Echo 4 ist nicht für euch geeignet, wenn …

  • ihr keinen Gefallen am neuen Kugel-Design findet,
  • ihr Echo 3 besitzt und mit Klang und Funktionsumfang zufrieden seid,
  • ihr Echo Studio besitzt und keinen Wert auf den AZ1-KI-Chip legt
  • und ihr so wenig Daten preisgeben wollt, wie möglich.

Titelbild: Amazon

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