A Taste of Hunger hat kein Anfang oder Ende und der VR-Nutzer entscheidet selbst, wann die Reise in die Erinnerungen einer jungen Frau endet. Ich habe mir die VR-Erfahrung im Rahmen der Venice VR Expanded genauer angesehen.

Mit der VR-Brille im Gesicht finde ich mich am Rande einer großen, kreisrunden Fläche wieder.

Alle paar Schritte setzen sich partikelhaft und aus dem Nichts Szenen aus dem Leben und der Ehe einer jungen Frau zusammen: Mal sitzt sie mit Mann und Kindern am Tisch, mal fliegen die Fetzen, mal umarmt sich das Ehepaar, mal zeigen sie sich die kalte Schulter. Selbst Momente des frühen Kennenlernens wurden eingefangen. Und immer wieder sehe ich die Frauen durch Raumfragmente rennen, als wäre sie auf der Flucht, als suchte sie etwas.

3D-Kaleidoskop einer Ehe

Die Szenen wurde mit einer 3D-Kamera eingefangen und wirken deshalb teils real, teils unwirklich, abstrakt und bruchstückhaft. Diese Ästhetik des Flüchtigen und Unvollständigen eignet sich perfekt, um Erinnerungsfragmente darzustellen und ist ein Stilmittel, das bereits vom VR-Film The Vestige (Kritik) genutzt wurde.

A Taste of Hunger verbindet diese Darstellung mit physischer Bewegung, sodass es einem vorkommt, als würde man durch den Erinnerungsraum oder die Gehirnwindungen eines anderen Menschen schreiten. Ich gehe die konzentrischen Kreise ab, entdecke Erinnerungsfetzen und setze sie in meinem eigenen Kopf zu einer Geschichte zusammen. Die Reihenfolge der Szenen und die Geschwindigkeit, in der ich sie erforsche, bestimme ich selbst durch mein Gehen.

Wegen dieses Bewegungsaspekts ist A Taste of Hunger perfekt für Oculus Quest (Test) und ich wünschte, ich hätte mehr physischen Raum zur Verfügung, um die Erinnerungen zu erkunden, anstatt den Analogstick zu nutzen.

Vom Kinofilm inspiriert

A Taste of Hunger ist eine VR-Erfahrung zum gleichnamigen dänischen Kinofilm (Originaltitel: Smagen af Sult), der dort im Februar 2021 in die Kinos kommt.

Der Film handelt von einem Ehepaar, die für ihr Weltklasse-Restaurant alles aufs Spiel setzen. In der VR-Erfahrung sind die beiden Hauptdarsteller Katrine Greis-Rosenthal und Nikolaj Coster-Waldau zu sehen.

Die im Rahmen der Venice VR Expanded gezeigte VR-Erfahrung ist noch nicht fertiggestellt und soll bis zum Start des Kinofilms auf Hochglanz poliert werden. Eindrücklich ist sie aber schon jetzt.

Mehr über das VR-Programm der Filmfestspiele von Venedig erfahrt ihr in unserem Artikel zu Venice VR 2020.

Titelbild: Makropol, Zentropa, Atlas V

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