Fortbewegung in der Virtual Reality ist ein ungelöstes Problem: Bewegung auf Knopdruck kann Übelkeit verursachen und für echte Beinfreiheit reichen die eigenen vier Wände nicht aus. Laufmaschinen, bewegliche Schalen und Cyberschuhe sollen Abhilfe schaffen. Ich stelle einige der ausgefallensten Geräte vor.

Letzte Aktualisierung am 26. August 2019: VRGO Chair & VRGO Mini

KAT Loco

Eigentlich ist das Unternehmen KAT VR eine Manufaktur für VR-Laufbänder. Aber die sind groß, schwer und teuer.

KAT Loco ist daher als schlankeres Bewegungssystem für Heimanwender gedacht: Mit drei Sensoren an der Hüfte und den Fußgelenken läuft der VR-Brillenträger auf der Stelle. Die Sensoren erfassen Bewegungen des Unterkörpers und senden die Daten drahtlos ans Spiel. Die Latenz soll bei 20 Millisekunden liegen.

Das VR-Bewegungssystem wurde Ende Juli 2019 erfolgreich bei Kickstarter finanziert. Die Massenproduktion soll in diesen Tagen starten. Es ist kompatibel mit gängigen VR-Brillen wie Playstation VR, Oculus Quest und diversen PC-Brillen sowie VR-Spielen, die freie Fortbewegung unterstützen. KAT VR stellt eine Programmierschnittstelle für Unity und Unreal bereit.

Weightless VR

VR-Nutzer sollen sich in ein von der Decke hängendes Geschirr setzen, das an die Seilsicherung von Bergsteigern erinnert. In diesem Geschirr können sie sich dann halb sitzend halb laufend durch die VR-Welt bewegen.

Laut D’Angelo braucht die Seilkonstruktion eine Deckenhöhe von wenigstens 2,10 Meter und verträgt maximal 4,50 Meter. Sein Spielbereich im Video liegt bei etwa 13 Quadratmetern.

Vorteile: Im Unterschied zu Laufmaschinen ist Seil-VR leise. Und wenn man fertig ist mit der VR-Bewegung, kann man die Seile abnehmen und in der Schublade verstauen.

Nachteile: Man sollte wohl einigermaßen sportlich sein. Außerdem ist das System nicht mit allen Spielen kompatibel. Weightless VR wird bei Kickstarter finanziert.

KAT Walk Mini

Das Kat Walk Mini ist ein klassisches VR-Laufband und richtet sich in der vor einem Jahr angekündigten Mini-Version an Endverbraucher. “Klein und bezahlbar” soll das Gerät sein, doch diese Begriffe sind relativ. Sicher ist, dass man die Laufmaschine nicht mal schnell in die Zimmerecke stellen kann und dass sie circa 2.500 US-Dollar kostet. Ob das Gerät je an Vorbesteller ausgeliefert wurde, ist nicht bekannt.

Ich konnte die ausgewachsene Variante des Geräts auf der Gamescom ausprobieren und fand, dass sie mich in meiner Bewegungsfreiheit eher einschränkte und das virtuelle Gehen erschwerte. Vielleicht gibt’s eine Lernkurve.

Hier geht’s zur offiziellen Internetseite des Herstellers.

Roto VR

Der VR-Drehstuhl besitzt einen motorisierten Sockel, der den Nutzer um die eigene Achse dreht, sobald man nach links oder rechts blickt. Für die Erfassung der Kopfbewegungen nutzt das Gerät einen separaten Tracker, der an der Kopfhalterung der VR-Brille befestigt wird. Zwei Pedale übertragen Fußbewegungen in die Virtual Reality.

Mit Roto VR kommt man etwas günstiger weg als mit anderen Fortbewegungsmaschinen. Dafür sitzt man, was wiederum die Immersion beeinträchtigt. Kostenpunkt des VR-Drehstuhls: 1.500 US-Dollar mit kompletter Ausstattung.

Hier geht’s zur offiziellen Internetseite des Herstellers.

Feel Three

Das Feel-Three-Bewegungsgerät ist eine kugelförmige Schale, in die sich der VR-Nutzer setzt. Gedacht ist der bewegliche Stuhl in erster Linie für Cockpit-Simulationen. Er gibt zum Beispiel die Bewegungen eines Rennwagens oder eines Raumschiffes wieder – so ähnlich wie man es aus den Kino-Achterbahnen in Vergnügungsparks kennt.

Feel Three ist explizit für Heimanwender gedacht. Bestellen kann man das Gerät offenbar nicht: Klickt man auf den Bestellknopf wird man zur beendeten Indiegogo-Kampagne weitergeleitet. Unterstützer der Kampagne sollen ab Sommer 2019 beliefert werden.

Hier geht’s zur offiziellen Internetseite des Herstellers.

Cybershoes

Die Cybershoes sind wahrscheinlich die ersten Schuhe, die fürs Sitzen entworfen wurden: Laufen kann man mit ihnen nur virtuell. Sie bestehen aus einer mit Sensoren ausgestatteten Sohle, die man sich unter den eigentlichen Schuh schnallt. Genutzt werden die Geräte im Sitzen auf einem Drehstuhl: Anstatt den Joystick nach vorne zu drücken, ahmt der VR-Nutzer eine Laufbewegung nach. Über die Stuhldrehung gibt er die Laufrichtung vor.

Bei Indiegogo kann man die Schuhe zusammen mit einem Drehstuhl für 300 US-Dollar bestellen. Ausgeliefert werden sollen sie im Sommer 2019.

Hier geht’s zur offiziellen Internetseite des Herstellers.

3D Rudder

Der Laufcontroller hat Druck- und Bewegungssensoren verbaut und erkennt Manöver nach links, rechts, vorwärts, zurück, nach oben und Rotation. Benutzt wird er ausschließlich sitzend.

Gamepad-Manöver können auf das VR-Ruder ausgelagert und so durch Fußbewegungen ersetzt werden. Typischerweise dürfte das die virtuelle Fortbewegung sein. Das Gerät gibt’s ab 100 Euro und ist für PC und Playstation VR verfügbar.

Informationen zu kompatiblen Spielen sowie eine Bestellmöglichkeit gibt es auf der offiziellen Webseite.

VRGO Chair & VRGO Mini

Der VRGO Chair kam 2017 nach einer erfolgreichen Kickstarter-Finanzierung auf den Markt: Der eiförmige Stuhl erfasst mittels integrierter Sensoren Neigungen des Oberkörpers in alle Richtungen und setzt sie in VR-Fortbewegung um.

2020 soll ein handlicheres Nachfolgerprodukt erscheinen: Der VRGO Mini ist ein Kissen, das zwischen Stuhl und Popo geklemmt wird. Mehr dazu steht hier.

Magnetplatte zum VR-Gleiten

Das 2016 gegründete französische Unternehmen “Steppingstone VR” schlägt eine interessante Variante vor, um gefühlte und gesehene Bewegung besser zu synchronisieren: VR-Nutzer sollen sich auf den eigenen Füßen oder auf einem Stuhl auf ein bewegliches Podest begeben, das über eine elektromagnetische Bodenplatte gleitet. Die Bewegungen des Podests sollen synchron verlaufen zur Virtual-Reality-Bewegung und so mögliche Übelkeit verhindern.

Die Platte soll tatsächlich an Endverbraucher vermarktet werden, eine Kickstarter-Aktion ist für dieses Jahr geplant. Mehr steht hier.

StriderVR

Das deutsche Startup Pathbender will mit 847 Kugeln, einer Drehscheibe und einem Laufband das virtuelle Gehen revolutionieren. Das Laufgefühl auf den Kugeln ist erstaunlich authentisch und erinnert an einen Spaziergang im tiefen Sand. Mit etwas Übung kann man relativ normal schlendern.

Die Fliehkräfte beim Loslaufen und Stehenbleiben können nicht simuliert werden, daher sind Start und Ende des VR-Spaziergangs die kritischsten Punkte. Ist man erst einmal in Bewegung und hält den Kopf oben, geht es gut. Die empfohlene Laufgeschwindigkeit liegt bei rund 6 km/h, bis zu 14 km/h sind theoretisch möglich.

Das folgende Video zeigt den MIXED-Podcast-Helden “Le Steiner” auf kritischer Laufmission. Seine Anmut erstaunt. Mehr Details zur Laufband-Technologie stehen hier.

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