Die neueste Laufmasche: Virtual-Reality-Laufband StriderVR ausprobiert

Die neueste Laufmasche: Virtual-Reality-Laufband StriderVR ausprobiert

Das deutsche Startup Pathbender will mit 847 Kugeln, einer Drehscheibe und einem Laufband das virtuelle Gehen revolutionieren. Zusammengesetzt ergeben die Einzelteile die Laufmaschine "StriderVR", die ein recht realistisches Laufgefühl vermittelt und so ein probates Gegenmittel für Motion Sickness sein könnte.

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Der Aufbau von StriderVR ist komplex und laut den Machern das Ergebnis einer langen Tüftelei mit viel Versuch und Irrtum. Als optimale Laufmaschine erwies sich letztlich eine mehrschichtige Konstruktion: In einem Gitternetz lose montierte Kunststoffkugeln werden von einem darunterliegenden Laufband passend zur Laufrichtung bewegt.

Das Gitternetz mit den Kugeln sitzt auf einer Drehscheibe, die den Läufer behutsam nach vorne ausrichtet, sobald der eine Kurve geht. Im Gegensatz zu anderen Laufmaschinen bewegt man sich rein physisch also nicht in 360-Grad, sondern marschiert immer nach vorne. Mit einer VR-Brille auf dem Kopf läuft man dennoch gefühlt eine Kurve.

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Die Position und die Ausrichtung des Läufers wird von einer extern montierten 3D-Kinect-Kamera erkannt. Sie erfasst den Läufer in Echtzeit und reicht die Bewegungsdaten an eine Software weiter, die wiederum die beiden Antriebsmechanismen von StriderVR - das Laufband und die Drehscheibe - passend zur Bewegungsrichtung und dem Tempo des virtuellen Spaziergängers aussteuert.

Ein Vorteil von StriderVR ist es, dass kein spezielles Schuhwerk benötigt wird wie bei anderen Lauflösungen. Schuhe sollte man hingegen schon tragen, es sei denn, man legt Wert auf eine kräftige Fußmassage auf der Kugelunterlage.

Ein Spaziergang am Strand

Das Laufgefühl mit StriderVR ist erstaunlich authentisch und erinnert an einen Spaziergang im tiefen Sand. Mit ein wenig Übung und Konzentration ist es möglich, relativ normal zu schlendern. Im Vergleich zum Gang auf einer glatten Oberfläche ist der Widerstand etwas größer, aber man kann den Fuß wie gewohnt aufsetzen und abrollen.

Die Fliehkräfte beim Loslaufen und Stehenbleiben können nicht simuliert werden, daher sind Start und Ende des VR-Spaziergangs die kritischsten Punkte. Ist man erst einmal in Bewegung und hält den Kopf oben, kann man ganz normal laufen.

Den Kopf oben zu halten ist wichtig, denn der Blick nach unten auf die eigenen Füße, die bei gefühlter Vorwärtsbewegung nur auf der Stelle treten, irritiert den Instinkt so sehr, dass man ins Stolpern gerät.

Die empfohlene Laufgeschwindigkeit liegt bei rund 6 km/h. Bis zu 14 km/h sind theoretisch möglich, aufgrund von Motion-Sickness-Risiko wird das Potenzial aber bewusst nicht ausgereizt. Seitschritte werden nicht erkannt, weshalb sich die Laufmaschine auch nicht für schnelle Computerspiele eignet, sondern eher für gemütliche VR-Ausflüge.

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Die Fortbewegung mit VR-Brille braucht noch Feinschliff beim Tracking

Auf der Fachkonferenz HannoVR in Hannover zeigte Pathbender die Laufmaschine ohne VR-Brille. Klar ist, dass die Laufillusion nur in Virtual Reality die volle Wirkung entfalten kann und das beschriebene Laufgefühl sich daher ausschließlich auf den Test in einer realen Umgebung bezieht.

Mit der VR-Brille auf dem Kopf käme man beispielsweise gar nicht auf die Idee, auf die eigenen Füße zu schauen und vergisst, dass man nur auf einer rund ein Quadratmeter großen Plattform steht.

Für die volle VR-Kompatibilität muss das Startup noch ein grundlegendes technisches Problem lösen. Denn die Bewegungen der Drehscheibe, die den Läufer immer wieder nach vorne in Richtung der 3D-Kamera ausrichtet, werden vom Trackingsystem der VR-Brille erfasst und tauchen als störende Ruckler in der Virtual Reality auf (siehe Video unter dem Artikel).

Das Problem könnte wohl nur behoben werden, wenn der VR-Treiber die Echtzeitdaten der Kinect-Kamera berücksichtigt und die Bewegungen der Drehscheibe mittels Softwarekorrektur ausgleicht.

Nicht für den Heimgebrauch gedacht

StriderVR richtet sich nicht an Spieler oder Heimnutzer, dafür ist das Gerät zu teuer (circa 7.000 Euro), zu groß und zu laut. In Summe erzeugen die 847 permanent rotierenden Kugeln eine Geräuschkulisse, die die Hausbewohner eine Etage tiefer aus der Ruhe bringen dürften.

Stattdessen suchen die Gründer von Pathbender nach Entwicklern, die daran interessiert sind, speziell für das Laufband optimierte Software zu entwickeln. Denkbar ist der Einsatz in therapeutischen Szenarien, womöglich in der Industrie oder in VR-Erlebniscentern, von denen gerade besonders viele eröffnen.

Mehr Informationen und die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme gibt es auf der offiziellen Webseite.