„The Mandalorian“: VR mit Quest 2 half beim Dreh

„The Mandalorian“: VR mit Quest 2 half beim Dreh

Bei der Star Wars Hit-Serie „The Mandalorian“ half auch Facebooks VR-Brille Quest 2 beim Dreh.

Streaming-Plattformen wie Amazon Prime und Netflix haben Hochkonjunktur. Das hat Folgen für die Filmindustrie: Immer mehr Produktionen sollen in immer kürzerer Zeit kosteneffizient und dennoch in hoher Qualität abgedreht werden.

Gerade bei Sci-Fi-Produktionen wie „The Mandalorian“ sind dabei aufwendige und realistische Spezialeffekte Pflicht, die nach Möglichkeit großen Kinoproduktionen in nichts nachstehen sollen.

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Dem Kosten- und Zeitdruck begegnet die Industrie mit effizienterer Technologie: Die von George Lucas gegründete Spezialeffektefirma Industrial Light & Magic entwickelt gemeinsam mit zahlreichen Partnern das Produktionsverfahren „Stagecraft“, das virtuell entwickelte Sets auf die Wände und die Decke einer Lichtkuppel projiziert.

Diese „The Volume“ getaufte Kuppel ist rund sechs Meter hoch, hat einen Durchmesser von 23 Metern und ist mit mehr als 1000 LED-Screens ausgestattet, die dem Kamerateam das Hintergrundbild der Szene zeigen. Durch ihre Leuchtkraft werfen sie außerdem das passende Licht auf das Set.

Musste das Filmteam bei einem Realdreh also früher nach Tunesien reisen, um die Atmosphäre des Wüstenplaneten Tatooine glaubhaft einzufangen, reicht heute ein Szenenwechsel im Stagecraft-Lichtdom.

Das ändert auch das Spiel der Schauspieler und Schauspielerinnen: Anstatt auf eine grüne oder blaue sterile Kulisse zu starren – die bisherige und häufig verwendete CGI-Alternative zum Realdreah – fühlen auch sie sich glaubhafter an einen anderen Ort versetzt. Das zeigt die Dokumentation zur virtuellen Produktion von The Mandalorian.

Szenencheck und mehr in VR

Bei den in den Lichtdom projizierten Bildern handelt es sich um mit der Unreal Engine vollständig gerenderte 3D-Szenen, die jede erdenkliche Perspektive und Lichtsituation zur Kamera perspektivisch korrekt darstellen können.

Nur die Objekte, mit denen die Schauspieler unmittelbar interagieren, wie beispielsweise Tisch und Stuhl in einer Bar, müssen noch real in der Szene platziert werden. Für die Filmwelt dürfte die Stagecraft-Technik so zu einer Produktionsrevolution werden, gerade bei Filmen und Serien, die viele Spezialeffekte verwenden und in fiktiven oder seltenen Umgebungen spielen.

Bei der Vorstellung der neuesten Version Stagecraft 2.0, die für „The Mandalorian“ eingesetzt wurde, zeigen die Entwickler auch kurz den Einsatz von Facebooks VR-Brille Quest 2 (Test), mit denen die am Computer generierten Sets gemeinsam begutachtet wurden – auch über große Distanzen hinweg.

Da die Sets ohnehin virtuell und dreidimensional am Computer entwickelt werden, können digitale Bühnenbauer, Regisseure, Kameraleute, Schauspieler und andere am Dreh beteiligte Fachkräfte sich mit der VR-Brille beinahe wie in echt durch den Schauspielort bewegen, Perspektiven und Größenverhältnisse einschätzen oder die Atmosphäre der Umgebung aufnehmen.

VR-Technik beim Filmdreh schließt die Lücke zwischen digital und real

Beim Dreh von „Solo: A Star Wars Story“ beispielsweise zog sich der Digitalkünstler James Clyne die VR-Brille auf, um einen spektakulären Sprung zwischen Zugabteilen auf Machbarkeit zu prüfen. In VR testete er mit einem echten Sprung, ob die digital angelegte Lücke real überwindbar ist.

Ist der Sprung machbar oder die Lücke zu weit? Der spektakuläre Zug-Stand aus dem neuen Star-Wars-Film "Solo" wurde in der Virtual Reality auf Machbarkeit getestet. Der Gestalter sprang mit der VR-Brille auf dem Kopf einfach selbst über die Lücke.

Gelingt der Sprung oder ist die Lücke zu groß? In VR konnte der Designer die Stunt-Machbarkeit real überprüfen. | Bild: Disney

Mandalorian-Showrunner Jon Favreau ist bekannt als VR-Verfechter für virtuelle Produktion. Unter anderem setzte er sich und seiner Crew beim Dreh des Animatonsfilms „The Lion King“ die VR-Brille auf, um die virtuellen Sets vorab zu begehen und die optimalen Kameraeinstellungen zu besprechen.

Laut Favreau lässt die VR-Technik virtuelle Drehs realer wirken: „Man hat eine richtige Crew, die mit dem Film interagiert, die Kameraentscheidungen wie an einem echten Drehort trifft, anstatt nur einen Typ, der vor einer Tastatur sitzt und Kamerabewegungen programmiert.“

In VR drehten die Kameraleute den Computerfilm "König der Löwen" wie einen echten.

In US-Studios wird Virtual Reality bereits zu Visualisierungszwecken eingesetzt. Ein großer Befürworter der Technologie ist König der Löwen-Regisseur Jon Favreau (hier ganz links). | Bild: Disney

Mit „Gnomes & Goblins“ unterstützte Favreau auch eine eigenständige VR-Erfahrung.

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