Spatial will öffentliche Räume um interaktive Klangwelten erweitern

Spatial will öffentliche Räume um interaktive Klangwelten erweitern

Augmented Reality umfasst mehr als Hologramme und im Raum schwebende Infografiken. Das Start-up Spatial will die Realität um interaktive Klangwelten erweitern. Die Technologie könnte ein Baustein der Augmented Reality werden.

Hört man von AR, so dreht sich die Diskussion meist um Anzeigen und visuelle Darstellung. Dabei sind Klänge und Geräusche ein ähnlich wichtiger Informationsträger, die bedeutend zur sinnlichen Erweiterung der Realität beitragen könnten.

Dieser Überzeugung ist das kalifornische Start-up Spatial, das vor kurzem seine ersten Produkte enthüllte: Zum einen die Echtzeit-Audioengine Spatial Reality, die interaktive Klanglandschaften in geschlossenen und offenen Räumen beliebiger Größe simuliert, zum anderen das Spatial Studio, ein Programm, mit dem sich die dreidimensionalen Audioerlebnisse kreieren und bearbeiten lassen.

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Lebendige Klangräume

Die Software geht über herkömmlichen Raumklanglösungen hinaus, indem sie dynamische und physikalisch korrekte Klanglandschaften abhängig vom jeweiligen Raum simuliert und Hörer einlädt, sie in alle Richtungen zu erforschen.

Man stelle sich etwa eine Dschungelszene oder eine Höhle voller Fledermäuse vor, die auf einem öffentlichen Platz simuliert wird. Die Klangräume verändern sich dabei von selbst, statt dieselbe Spur zu wiederholen.

Spatial_Studio

Die Benutzeroberfläche des Spatial Studio. | Bild: Spatial

„Traditionelles Audio, von Stereo über Surround-Sound bis hin zu Dolby Atmos, baut auf strukturierten Umgebungen und Räumen und einer festen Hörerposition auf. Immersives Audio hat andere Herausforderungen. Es geht darum, das Gehörte real wirken zu lassen und es interaktiv und flexibel zu machen“, sagt der CEO Calin Pacurariu gegenüber Venturebeat.

Aus diesem Grund unterstützt die Technologie eine Vielzahl von Inputs wie zum Beispiel Sensoren, die die Position des Hörers ermitteln und in das Klangerlebnis tragen, sodass die Simulation auf Bewegung reagiert. Wie viele und welche Lautsprecher man einsetzt, spielt keine Rolle: Das System passt sich dynamisch der jeweiligen Ausstattung an.

Audio-AR als Zwischenschritt

Spatial, das nicht zu verwechseln ist mit dem gleichnamigen Start-up für virtuelle Konferenzen, will die Software in erster Linie an Geschäftskunden verkaufen, die damit Hotellobbys, Zoos und Vergnügungspark-Attraktionen aufwerten könnten.

Ein weiteres Anwendungsfeld ist auditive Augmented Reality. Aus Gründen technischer Komplexität dürfte es noch Jahre dauern, bis alltagstaugliche AR-Brillen mit fortschrittlichen Bildschirmen erscheinen. Facebook will in diesem Jahr eine smarte Ray Ban-Brille auf den Markt bringen und verzichtet auf eine Anzeige, um sie schlank zu halten. Apple dürfte mit der Apple Glass in eine ähnliche Richtung gehen.

Die Frage ist, was die visuelle Lücke füllen und ansprechende Anwendungen liefern könnte. Audio im Allgemeinen und 3D-Klangräume im Besonderen könnten eine Antwort auf diese Frage liefern.

Die Airpods Pro und Airpods Max unterstützen 3D-Audio bereits, womöglich in Vorbereitung auf die Apple Glass, die mithilfe eines Lidar-Scanners die Position des Nutzers im Raum ermitteln und dadurch um eine interaktive Dimension erweitern könnte. Brille und Bluetooth-Kopfhörer könnten so die Grundlage für eine auditiv erweiterte Welt legen.

Quelle: The Verge, Venturebeat, Titelbild: Spatial

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