Ein Friedhof kurz vor der Geisterstunde, unheimliche Vorgänge und charmante Gespenster, die um Besucher werben und dafür auch gern einmal ein Ständchen singen: “The Haunted Graveyard” ist ein durchweg hochwertig produziertes, filmisch inszeniertes VR-Erlebnis im Stile Tim Burtons. Weder Spiel noch Film, ist die VR-Erfahrung am ehesten mit einer Geisterbahnfahrt im Vergnügungspark zu vergleichen.

Auf einer nächtlichen Reise muss ich einen alten Friedhof durchqueren. Dort treffe ich auf allerhand exzentrische Spukgestalten, darunter eine junge Frau im eleganten Abendkleid und ein Mann im Frack und Gehstock.

Die hegen zumindest dem Anschein nach keine bösen Absichten, denn sie begleiten und umwerben mich, als sei ich ihr Gast. Das ist nicht erstaunlich, zumal es hier abgesehen von ein paar grimmigen, ruhelosen Seelen kaum kultivierte Gesellschaft gibt.

Der Friedhof ist märchenhaft schön umgesetzt: Der Marmor alter Grüfte glänzt im Mondlicht und Kerzenleuchter fliegen wie von Geisterhand bewegt über das Gräbermeer. Doch ich darf nicht zu lange hier verweilen: Meine Friedhofsführer geben mir zu verstehen, dass ich diesen Ort vor Mitternacht verlassen haben muss. Ansonsten bin ich auf ewig hier gefangen, ein Geist unter vielen.

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Bald schlägt die Mitternachtsstunde. BILD: Holospark

Für VR-Laien und jüngeres Publikum geeignet

Auf meinem viertelstündlichen Friedhofsrundgang erlebe ich so einiges: Ich begebe mich in eine Gruft voll Riesenspinnen, fahre mit einem singenden Seemannsgespenst einen Fluss hinab und überwinde einen See, indem ich über im Wasser treibende Särge hinweggehe.

The Haunted Graveyard ist unheimlich und es gibt auch ein oder zwei Stellen, die mich vor Schreck haben aufspringen lassen. Die VR-Erfahrung ist jedoch eher auf wohliges Gruseln statt blanken Horror aus. Wie ein Disney-Film oder die Werke Tim Burtons kann sie auch einem jüngeren Publikum zugemutet werden.

The Haunted Graveyard wurde eigens für VR-Arcades mit dem Zweck entwickelt, VR-Laien eine möglichst zugängliche, dichte und kurzweilige Einführung in Virtual Reality zu bieten. Sie eignet sich deshalb besonders gut als VR-Demo für den Freundes- und Familienkreis.

Durch die Friedhofslandschaft bewegt man sich entweder per Analogstick oder durch Schwingen der Arme, optional lässt sich ein Tunnelblick aktivieren, um VR-Übelkeit vorzubeugen.

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Die lebensechten digitalen Charaktere sind der Glanzpunkt der VR-Erfahrung. BILD: Holospark

Fazit: Das Eintrittsticket wert

Entwickelt wurde das Erlebnis vom in Seattle ansässigen Studio Holospark, das mit “The Impossible Travel Agency” (Testbericht) und “Séance: The Unquiet” (Testbericht) bereits zwei kurze VR-Erfahrungen schuf.

Die fantastische, nächtliche Reise glänzt neben der bezaubernden Atmosphäre und der filmischen Inszenierung vor allem durch ihre charismatischen und lebensechten digitalen Charaktere.

Das Studio hat keine Mühen und Kosten gescheut und professionelle Schauspieler engagiert, deren Bewegungen und Mimik per Motion Capturing eins zu eins eingefangen und auf die digitalen Charaktere übertragen wurden. Das Ergebnis beeindruckt: Unter der VR-Brille hat man annähernd das Gefühl, man treffe Geister, die zu einem sprechen.

The Haunted Graveyard ist im Oculus Store für Oculus Rift und bei Steam für HTC Vive und Oculus Rift erhältlich und kostet fünf Euro. Die VR-Erfahrung setzt gute Englischkenntnisse voraus, eine deutsche Sprachausgabe fehlt nämlich.

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Titelbild: Holospark


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