Othersight Test: Fotorealistische VR-Reisen für Quest 2

Othersight Test: Fotorealistische VR-Reisen für Quest 2

Von zu Hause aus mit der VR-Brille Orte auf der ganzen Welt besuchen: das klingt verlockend. Lohnen sich Othersights virtuelle Reisen?

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Othersight ist nach Blueplanet VR Explore und Brink Traveler schon die dritte App für Meta Quest 1 & 2, die tolle VR-Reisen verspricht.

Blueplanet VR Explore glänzt mit einer Fülle verschiedenster Sehenswürdigkeiten, patzt jedoch bei Interface und Fortbewegung. Brink Traveler hat weniger Schauplätze, die wurden jedoch besonders schön für Virtual Reality umgesetzt und mit einer durchdachten Nutzerführung versehen.

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Und was bietet Othersight?

Othersight: Kultur statt Natur im Angebot

Die VR-App erscheint zum Launch mit vier Umgebungen:

  • dem Atelier des spanischen Malers Joaquín Sorolla,
  • Hintergassen von Tokio,
  • das Innere der Abteikirche Santes Creus und
  • eine Straße in Havanna.

Die VR-App setzt stärker als die Konkurrenz auf kulturelle Sehenswürdigkeiten statt Naturlandschaften und bemüht sich, VR-Reisenden die Geschichte und Hintergründe eines Ortes näherzubringen. In Tokios Gassen erscheint hier und da eine junge Japanerin, die als Reiseführerin lokale Besonderheiten herausstellt. In der Abteikirche begegnen wir einem Ritter aus der Vergangenheit, der über die Artefakte dieser geschichtsträchtigen Schauplatzes spricht.

Eine weitere Besonderheit der VR-App ist, dass manche Objekte interaktiv sind. So lassen sich teilweise Schubladen öffnen und Gegenstände mitunter in die Hand nehmen und von allen Seiten betrachten. Dieses Feature ist jedoch mehr Gimmick als wirklich bereichernd, zumindest in der gegenwärtigen Ausführung.

Kuba ohne Kuba-Stimmung

Die Qualität der fotogrammetrischen 3D-Rekonstruktion schwankt und insgesamt erreicht Othersight nicht das visuelle Niveau der zuvor genannten VR-Apps. Die Geometrie der Objekte ist recht grob und viele Texturen sind unscharf. Das Kunsthandwerk des Altars von Santes Creus beispielsweise kann man so nicht in vollem Ausmaß schätzen.

Zwar sehen die Umgebungen aus der Entfernung annähernd fotorealistisch aus, tritt man jedoch näher, zerbricht die optische Illusion. Die visuellen Kompromisse dürften dabei weniger der Fotogrammetrie als der begrenzten Leistungsfähigkeit der Meta Quest 2 geschuldet sein. Für das Rendering übersichtlicher, aber kleinteiliger Szenen mit feinen Details reicht die Rechenleistung wohl nicht, weshalb weite Landschaften ein besseres Motiv abgeben.

Man erkennt die Gegenstände gut, aber beim Detailgrad ist noch viel Luft nach oben. | Screenshot: MIXED

Am besten kommt Sorollas Atelier zur Geltung, wegen der Intimität dieses Ortes und weil man hier keine anderen Menschen erwartet. Die anderen Umgebungen geben sich stärker als das zu erkennen, was sie im Grund sind: sterile 3D-Attrappen realer Orte. Das stört besonders in Havanna, wo man einen leer gefegten Straßenzug hinabgeht. Kuba-Atmosphäre kommt hierbei nicht auf.

Hoher Preis für wenig Inhalt

Von allen drei Quest-Apps hat Othersight noch am meisten Feinschliff nötig: Das Tutorial ist verbuggt und die Nutzererfahrung lässt an vielen Stellen zu wünschen übrig. Wieso zum Beispiel wird der Audiokommentar unterbrochen, wenn ich aus dem Hotspot trete, der ihn triggert?

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Die größte Enttäuschung ist, dass die VR-App nur vier räumlich recht begrenzte Umgebungen bietet, die man samt Audiokommentar und Infotafeln in weniger als einer Stunde erkundet hat. Für den aufgerufenen Preis von 17,99 Euro ist das zu wenig.

Die Entwickler wollen demnächst mit der „Mezquita-Catedral de Córdoba“ eine weitere Umgebung bereitstellen und versprechen mehr Nachschub in der Zukunft. Einen genauen Fahrplan gibt es allerdings nicht.

Die Umgebungen sehen auf Bildern detaillierter und lebensechter aus als in VR. | Screenshot: MIXED

Für Blueplanet VR Explore (Preis: 24,99 Euro) erschienen meinen Wissens keine DLCs. Etwas mehr Glück haben Käufer:innen von Brink Traveler (Preis: 9,99 Euro), das diesen Monat ein erstes Content-Update mit drei neuen Umgebungen und vielen App-Verbesserungen erhalten soll, vier Monate nach Launch.

VR-Tourismus ist rudimentär

Virtuelle Reisen haben großes Potenzial, doch entsprechende VR-Apps müssen erst noch reifen und beweisen, dass sie ihr Geld wert sind.

Brink Traveler bietet noch die rundeste VR-Erfahrung und die hübschesten 3D-Duplikate, aber auch diese VR-App steht erst am Anfang, sowohl bei der Zahl als auch bei der Diversität gebotener Schauplätze.

Ein anderes Problem der Apps ist, dass sie in der Regel ein vergleichsweise kleines Gebiet oder wenig Bewegungs- und Interaktionsfreiheit bieten. Was bringen einem digitale Rekonstruktionen realer Orte, wenn man höchstens ein paar Schritte in jede Richtung gehen und sich umschauen kann? VR-Reisen sind in diesem Fall eher begehbare 3D-Postkarten.

Fotogrammetrie ist sehr aufwendig und 3D-Umgebungen in einem ansprechenden Detailgrad auf Meta Quest 2 zu rendern, keine Selbstverständlichkeit. Dass VR-Tourismus in der gegenwärtigen Form auf einer autarken VR-Brille läuft, ist technisch bereits eine große Leistung. Doch bis VR-Reisen ihrem Namen gerecht werden, wird noch viel Zeit vergehen.

Weitere VR-Reise-Apps findet ihr im Artikel Reisen in Virtual Reality: Die besten fotorealistischen Ausflüge.

Apps und Plattformen Unterstützte Geräte Preis
Brinke Traveler (Oculus StoreSteam) Meta Quest 1,2 & Oculus Rift (S) / PC-VR-Brillen 9,99 Euro / 8,99 Euro
Othersight Meta Quest 1 & 2 17,99 Euro
Blueplanet VR Explore (Oculus StoreSteam) Meta Quest 1, 2 & Oculus Rift (S) / PC-VR-Brillen 24,99 Euro / 20,99 Euro
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