Ein Team von US-Forschern will mit maschinellem Lernen VR-Übelkeit in den Griff bekommen. Das Forschungsprojekt wird von Intel mit 200.000 US-Dollar gefördert.

VR-Übelkeit tritt auf, wenn das Auge eine Bewegung sieht, die das Innenohr nicht spürt. Ein Beispiel: Man läuft mit seinem Alter Ego durch eine virtuelle Welt, während man in Wirklichkeit auf einem Stuhl sitzt. Mit diesem sinnesbezogenen Widerspruch kommt das Gehirn nicht klar und schlägt Alarm. Die Folge sind Schwindel, Brechreiz oder Kopfschmerzen.

VR-Übelkeit ist ein komplexes Phänomen: Ob und wie stark sie auftritt, hängt von vielen Faktoren ab, die von Person zu Person unterschiedlich ausfallen. Was für einen VR-Nutzer kein Problem darstellt, kann für einen anderen schnell zum Albtraum werden. Das belegen die teils sehr unterschiedlichen Reaktionen auf künstliche Fortbewegung.

Einige VR-Nutzer können ihr Gehirn an künstliche Fortbewegung gewöhnen, andere wiederum nicht. Laut UTSA-Assistenzprofessor John Quarles tritt VR-Übelkeit bei rund 50 bis 80 Prozent aller Nutzer auf, die Virtual Reality nicht gewohnt sind. Das ist ein Bremsklotz für die VR-Industrie.

KI-Mustererkennung soll helfen

Quarles unterrichtet an der texanischen San-Antonio-Universität. Ein von ihm angeführtes Forschungsteam will das Problem der VR-Übelkeit mittels Künstlicher Intelligenz angehen.

“Wir untersuchen, was die Cyberkrankheit auslöst, um ihr Auftreten vorauszusagen”, lässt sich Quarles in einer Pressemitteilung zitieren. “Wir fragen uns: Was sind die Ursachenmuster, sodass wir individuell präventiv eingreifen können.”

Das Forschungsteam will in einer Reihe von Experimenten messen, wie VR-Versuchsteilnehmer auf künstliche Fortbewegung reagieren. Dabei wird die zerebrale sowie elektrodermale Aktivität aufgezeichnet und in ein Computerprogramm geladen, das mittels maschinellen Lernens feinste Ursachenmuster identifiziert.

Eine Universallösung?

Das Ziel des Projekts: Der “Cyberwell” genannte KI-Algorithmus soll ausreichend trainiert voraussagen können, wann bei einem Nutzer VR-Übelkeit entsteht und vorbeugend in eine laufende VR-Sitzung eingreifen, indem er zum Beispiel automatisch das Sichtfeld verringert.

Erfahrene VR-Nutzer wissen aus eigener Erfahrung, was sie sich in der Virtual Reality zumuten können und aktivieren den Tunnelblick oder andere Gegenmaßnahmen in den App-Einstellungen. VR-Laien hingegen fehlt dieses Wissen, sodass ein KI-Algorithmus hier wirklichen Nutzen stiften könnte.

Die Forscher wollen mit Cyberwell eine der größeren Barrieren der VR-Technologie beseitigen. Der Algorithmus soll nicht nur VR-Spielen, sondern allen VR-Anwendungen zugutekommen. “Ich möchte, dass man Virtual Reality nutzt, um Kinder zu unterrichten”, sagt Quarles.

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sollen im Sommer 2019 veröffentlicht werden.

Mehr lesen zum Thema:

 


MIXED-Podcast #165: Die Zukunft von Oculus | Alle Folgen


Links auf Online-Shops in Artikeln können sogenannte Affiliate-Links sein. Wenn ihr über diesen Link einkauft, erhält MIXED.de vom Anbieter eine Provision. Für euch verändert sich der Preis nicht.