Googles neues Smart-Display soll mit Schlafsensor und Thread das Smart Home erobern. Mein Google Nest Hub 2 Test zeigt, ob der Neustart gelingt.

Google Assistant ist einer der stärksten Sprachassistenten auf dem Markt und längst aus seinem App-Gefängnis ausgebrochen. Der smarte Assistent ist mittlerweile fester Bestandteil des mobilen Chrome-Browsers und Googles Smartphone-Tastatur. Mit dem Driving Mode übernimmt er künftig auch die Navigation und Routenführung auf Android-Geräten. Das zeigt deutlich, dass Google die Sprach-KI als ein zentrales Element seiner Interface-Zukunft sieht.

Klar also, dass der Google Assistant auch auf Googles neuem Smart-Display Nest Hub 2 Dreh- und Angelpunkt ist. Beinahe alle alltäglichen Funktionen werden darauf per Sprachbefehl durchgeführt. Allerdings gibt sich der Google Assistant auf dem Nest Hub 2 deutlich weniger performant als beispielsweise auf dem Smartphone.

Wie sich das neue Smart-Display sonst noch schlägt und ob der Einsatz als neue Smart-Home-Zentrale gelingt, zeigt mein Test.

Nest Hub 2: Neue Technik, altes Design

Googles neues Smart-Display sieht seinem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich. Das Design wurde nur minimal angepasst. Wer das erste Nest Hub rein äußerlich mochte, wird deshalb auch an der zweiten Generation nichts auszusetzen haben.

Das Display liegt schräg am Lautsprechersockel auf und ist fest verbaut. Es kann weder gedreht werden, noch ist der Neigungswinkel anpassbar. Wirklich störend ist das allerdings nicht. Am Schreibtisch oder in der Küche dürfte das Nest Hub 2 (Infos) ohnehin seinen festen Platz haben und kaum bewegt werden. Die Auflösung von 1.024 x 600 Pixeln ist für ein 7 Zoll großes Display völlig ausreichend und liefert ein ordentliches Bild.

Allerdings ist das Touch-Display nicht so responsiv, wie man es etwa vom eigenen Smartphone gewohnt ist. Wischt man beispielsweise von rechts nach links, um das nächste Bild in der Galerie zu sehen, kommt es manchmal zu Verzögerungen. Das Menü springt gerne etwas hakelig zur nächsten Seite und nicht jeder Fingertipp wird direkt erkannt.

Die Benutzeroberfläche ist aufgeräumt und übersichtlich unterteilt. Mit einem Wischer von oben nach unten öffnet sich die Menüleiste mit den Hauptbereichen „Smart-Home-Steuerung“, „Medien“, „Wellness“ und mehr. Wer sich inspirieren lassen will, tippt auf „Entdecken“ und erfährt, was der Google Assistant alles kann. Um innerhalb der geöffneten Menüs zurückzuspringen, genügt ein kurzer Swipe von links nach rechts. Eingeblendete Buttons wie bei den meisten Android-Smartphones gibt es nicht.

Am Gehäuse sind rechts zwei Lautstärke-Tasten für die manuelle Regelung verbaut. Anschlüsse für externe Lautsprecher hat Google nicht verbaut. Am oberen Rand der Rückseite liegt ein Schieberegler. Der trennt die Mikrofone von der Stromzufuhr, was durch eine kleine gelbe LED-Leuchte an der Frontseite bestätigt wird.

Google verzichtet wie schon bei der ersten Nest-Generation auf eine Kamera. Wer ein Smart-Display für die beidseitige Videotelefonie sucht, muss also weiterhin zur Konkurrenz greifen. Gemessen am Einsatzzweck ist der Kameraverzicht positiv zu bewerten: Google zielt mit dem neuen Schlafsensor vor allem auf die Schlafzimmer seiner Kunden ab und wer will schon ein internetfähiges Gerät mit Kamera auf dem Nachttisch?

Nest Hub 2: Smart Home-Zentrale mit schlafender Thread-Funktion

Für mehr Konnektivität im Smart Home stattet Google das Nest Hub 2 mit drei Funkstandards aus: WLAN, Bluetooth und Thread. Letzteres ist das Ergebnis einer Arbeitsgruppe, die unter anderem aus Entwicklungsbeteiligten von Google Nest, Apple HomeKit und Amazon Lab126 besteht. Thread ist als Funkstandard vergleichbar mit ZigBee.

Das Smart-Display Google Nest Hub der zweiten Generation.

Google will das Nest Hub 2 mit verbesserter Konnektivität und Thread-Kompatibilität als Smart-Home-Zentrale etablieren. | Bild: Google

Thread arbeitet energiesparend und ist in der Lage, ein Mesh-Netzwerk zwischen verschiedenen smarten Geräten herzustellen, die somit untereinander kommunizieren können. Im Gegensatz zu ZigBee braucht Thread aber kein eigenes Steuerungs-Hub, da die nötige Software schon im Funkprotokoll integriert ist. Dadurch soll eine herstellerübergreifende Kommunikation zwischen den kompatiblen Geräten möglich sein.

Im Gegensatz zu Bluetooth oder WLAN funkt Thread ohne nennenswerte Latenzen und arbeitet deshalb spürbar schneller. Die Technologie wird künftig in vielen Smart-Home-Geräten verbaut sein, testen kann ich sie im Nest Hub 2 noch nicht. Google liefert sein Smart-Display mit einer „schlafenden“ Thread-Funktion aus, die später per Update aktiviert werden soll.

Aktuell müssen sich Kunden also auf die Verbindung per WLAN oder Bluetooth beschränken. Das klappt einwandfrei mit Smart Home-Geräten, die sich im gleichen Raum wie das Nest Hub befinden. Der Google Assistant schickt den Saugroboter problemlos durchs Wohnzimmer oder dimmt das Licht für ein angenehmes Ambiente.

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Wer aber beispielsweise seine Philips-Hue-Leuchtmittel im ganzen Haus mit dem Nest Hub 2 per Sprache steuern will, muss es in Reichweite einer Philips Hue Bridge aufstellen. Die leitet die Befehle des Google Assistants via ZigBee an die Glühbirnen weiter.

Bei Bluetooth und WLAN kommt es naturgemäß zu kleinen Verzögerungen zwischen Eingabe und Ausführung des Befehls. Dauert es also ein paar Sekunden, bis das Licht nach einem Sprachbefehl angeht, liegt das nicht am Gerät, sondern am verwendeten Funkprotokoll.

Lückenlose Schlaferfassung mit dem Nest Hub 2

Das Aushängeschild des neuen Nest-Hubs ist der Schlafsensor: Als erstes Smart-Display überhaupt erfasst das Nest Hub 2 den Schlaf seiner Nutzer und bietet gleich nach dem Aufstehen eine ausführliche Analyse. Damit kommt Google Konkurrent Amazon deutlich zuvor. Im AmazonLab126 soll derzeit ein Echo-Gerät zur Schlafdiagnose in Arbeit sein, das auf den Arbeitstitel „Brahms“ hört. Google hat ihn schon am Markt.

Der Schlafsensor basiert auf Googles Radartechnologie Soli, die als Motion Sense zuvor schon in Pixel 4 Smartphones verbaut wurde. Auf dem Nest Hub 2 misst Soli die Atem- und Körperbewegungen während des Schlafes. Das KI-System im Inneren analysiert die Daten und erstellt eine ausführliche Übersicht, die gleich nach dem Aufstehen abgerufen werden kann.

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Dazu muss allerdings Voice Match aktiviert sein. Der Google Assistant liefert persönliche Daten nur aus, wenn er die Stimme des angemeldeten Nutzers erkennt. Wie das funktioniert und weitere Tipps zum Google Nest Hub 2, findet ihr im verlinkten Artikel.

Im „Wellness“-Bereich der Nest Hub-Oberfläche werden unter anderem folgende Daten zusammengefasst:

  • Schlafdauer
  • Schlafqualität
  • wie oft gehustet wurde
  • Atemfrequenz
  • Schnarchdauer
  • wie viel Zeit im Bett verbracht wurde, ohne zu schlafen

Die gemessenen Daten scheinen genau zu sein. Zumindest decken sie sich mit meiner eigenen Wahrnehmung und der Analyse der Smartwatch Fitbit Versa 3, die ich zum Vergleich am Handgelenk trug. Um wirklich verlässliche Aussagen zur Schlafqualität zu erhalten, kommt man nicht über einen Besuch im Schlaflabor herum.

Wer allerdings im Heimgebrauch auf die Uhr am Handgelenk oder das Smartphone neben dem Kopfkissen verzichten will, bekommt hier eine verlässliche Alternative. Das Nest Hub 2 kann zudem als Tageslicht-Wecker punkten oder hilft mit beruhigenden Klängen beim Einschlafen.

Tipps für einen besseren Schlaf liefert der Google Assistant auf Wunsch ebenfalls. Google bietet die Schlafanalyse nur für dieses Jahr als kostenlose Testversion an. Danach wird das Feature voraussichtlich zum Bezahlservice.

Gestensteuerung Motion Sense: Nette Spielerei oder echter Mehrwert?

Eine weitere Soli-Funktion ist die Steuerung des Geräts per Handgeste. Nest Hub 2 kann bestimmte Befehle ohne Display-Berührung oder Sprachbefehl ausführen. Derzeit unterstützt das Gerät zwei Handgesten.

Der Wecker lässt sich durch ein Wischen in der Luft in den Schlummermodus versetzen. Wer die Musikwiedergabe pausieren oder eine Anfrage an den Google Assistant abbrechen will, bewegt die offene Hand ruckartig auf das Display zu.

Tatsächlich ist es durchaus komfortabel, den Wecker morgens mit einem kleinen Wischer durch die Luft abzuschalten. Auch die Geste zur Mediensteuerung erfüllt ihren Zweck. Das Display reagiert bis auf eine Entfernung von etwa einem Meter sehr genau. Gemessen am Potenzial von Project Soli wirkt der Funktionsumfang allerdings wie schon beim Pixel 4 etwas mager.

Google Assistant auf dem Nest Hub 2: Mehr Mikrofone, mehr Missverständnisse

Im Google Nest Hub der zweiten Generation sind insgesamt drei Fernfeld-Mikros verbaut und somit eines mehr als im Vorgänger. Dazu soll eine „High-Performance Machine Learning-Hardware Engine“ die Lernkurve der Sprach-KI optimieren. Googles Voice Match-Technologie erkennt die Nutzerstimme und personalisiert somit die Ergebnisse.

Über einen Testzeitraum von fünf Tagen kam es immer wieder zu Missverständnissen zwischen dem Google Assistant und mir. Auch Voice-Match tat sich gelegentlich schwer, meine Stimme zu erkennen und verweigerte mir die Ausgabe meiner persönlichen Schlafdaten.

Es war mir quasi unmöglich, Musik von der Band „Chevelle“ abzuspielen. Der Google Assistant zeigte zwar gelegentlich den richtigen Bandnamen in seiner Interaktionsleiste an, wollte meine Anfrage aber dennoch nicht bearbeiten. Stattdessen hörte ich Hits der Pop-Queens Cher und Adele, ein Cover des Eiffel 65-Hits “Blue”, jemanden namens Shiva und den mir unbekannten Song “Shell Games”.

Erst nach etwa zehn Anläufen wurden wir uns schließlich einig, wenn auch nur ein einziges Mal. Ob es an den verbauten Abnahmegeräten liegt oder an der Sprach-KI selbst, ist schwer zu beurteilen. Jede der gescheiterten Anfragen funktionierte auf dem Smartphone problemlos und selbst die längst ausrangierten Smart Speaker Google Home und Google Home Mini lieferten im Vergleich zuverlässig ab.

Nest Hub 2: Klangbild von vorgestern

In den früheren Modellen der Google Smart Speaker wurde regelmäßig der dünne Sound kritisiert. Das Nest Hub 2 kündigte Google deshalb mit fünfzig Prozent mehr Bass und einem raumfüllenden Klang an. Viel hat sich leider nicht getan: Der Klang von Nest Hub 2 ist höchstens ausreichend.

Das Smart-Display Google Nest Hub der zweiten Generation.

Google Nest Hub 2 unterstützt verschiedene Musik-Streaming-Dienste, der Klang ist aber leider schwach. | Bild: Google

Wer das Nest Hub 2 am Nachttisch oder als Zusatzdisplay am Schreibtisch nutzt, wird den dünnen Klang verschmerzen können. Beim kurzen YouTube-Video oder einem Podcast ist die Tonqualität eventuell noch vernachlässigbar. Aber zur Musikwiedergabe ist das Google Nest Hub 2 schlicht nicht geeignet. Die Bässe mögen zwar etwas voller klingen, sind aber nach wie vor sehr mager.

Das gesamte Klangbild wirkt unausgegoren und ist von „raumfüllend“ weit entfernt. Dreht man die Lautstärke nur etwas über die Hälfte auf, knarzt der Ton. Mitten und Höhen verzerren und vermischen sich mit den undifferenzierten Bässen zu einem dünnen, unangenehm klingenden Brei.

Da es sich beim Nest Hub 2 um ein Display-Gerät handelt, könnte ich diesen Makel übersehen, wenn wenigstens die Verbindung zu einem guten Lautsprecher möglich wäre. Aber es gibt wie schon beim Vorgänger keine Anschlussmöglichkeiten für externe Geräte. Klanglich ist das Nest Hub 2 nur in kleinen Räumen und im unmittelbaren Umfeld des Nutzers zu gebrauchen.

Fazit Nest Hub 2: Vertane Chance trotz innovativer Technik

Es scheint, als habe sich Google beim Nest Hub 2 zuerst eine Preisgrenze gesetzt und dann um diese herum entwickelt. Im Vergleich zum Vorgänger ändert sich am Design nahezu nichts, Display und Lautsprecher wurden kaum verbessert und neue Anschlussmöglichkeiten oder eine Kamera sucht man vergebens. Musikhören macht auch mit dem Nest Hub 2 keinen Spaß.

Dafür bringt Google seine Radartechnologie Soli ins Spiel. Schlafsensor und Gestensteuerung sind innovative Features, die das Nest Hub 2 der Konkurrenz voraushat. Ob daraus ein großer Mehrwert entsteht, ist fraglich: Motion Sense ist eine nette Spielerei, hat aber nur wenige Anwendungsmöglichkeiten. Und die Schlafanalyse will sich Google nächstes Jahr monatlich bezahlen lassen.

In Sachen Smart-Home-Konnektivität holt Google allerdings auf. Die zukunftssichere Thread-Technologie wird ihr Potenzial entfalten, sobald der Funkstandard in mehr smarten Geräten Anwendung findet. Google liefert dadurch eine Alternative zu Apples Home Pod Mini, der bis dato die einzige Möglichkeit ist, Thread im Smart Home zu nutzen.

Im Vergleich zur Amazon-Konkurrenz füllt Nest Hub 2 die Lücke zwischen Echo Show 8 und dem kommenden Echo Show 10. Beide Smart Displays sind zwar klanglich überlegen, haben Kameras und mehr Anschlussmöglichkeiten. Es fehlt ihnen aber entweder an einer Alternative zu Thread oder sie sind, wie im Falle des neueren Echo Show 10, mit knapp 250 Euro deutlich teurer als Nest Hub 2.

Nest Hub 2 ist für euch geeignet, wenn …

  • der Google Assistant euer bevorzugter Sprachassistent ist und ihr im Google-Ökosystem zu Hause seid,
  • euch bei einem Smart-Display guter Klang nicht wichtig ist,
  • ihr euren Schlaf ohne Smartwatch oder Smartphone tracken wollt,
  • ihr schon jetzt ein smartes Gerät sucht, das Thread beherrscht und nicht von Apple kommt.

Nest Hub 2 ist nicht für euch geeignet, wenn …

  • ihr lieber mit Alexa oder Siri sprecht,
  • ihr gerne Musik hört und ein ausgewogenes Klangerlebnis sucht,
  • Schlaftracking für euch keine Rolle spielt,
  • ihr ein Smart Display mit integriertem ZigBee-Hub sucht.

Titelbild & Quelle: Google

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